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Donnerstag, 30. September 2021

Fahrkarte ins Jenseits (Descision at Sundwon)



Regie: Budd Boetticher

Misslungene Rache...

Zwei der sieben Drehbücher der Ranown Western des Gespanns Randolph Scott und Budd Boetticher gehen auf das Konto von Charles Lang. Er schrieb die Bücher für "Sein Colt war schneller"  (Buchanan rides alone) und "Fahrkarte ins Jenseits" (Descision at Sundown). Und unter Fankreisen herrscht die fast einhellige Meinung, dass die vier Western unter Mitwirkung des Drehbuchautors Burt Kennedy die Besten dieser sieben Filme sind. Kennedy war verantwortlich für das Screenplay von "Der siebente ist dran", "Um Kopf und Kragen", "Auf eigene Faust" und "Comanche Station - Einer gibt nicht auf". Wobei der von Berne Giler geschriebene "Messer an der Kehle" meistens als der schwächste im Zyklus genannt wird.
Tatsächlich ist die Story in "Fahrkarte ins Jenseits" etwas holprig - für den Zuschauer erschließt es sich nicht so ganz warum die Hauptfigur Bart Allison Rache an dem Mann nehmen will, der ihm seine Frau ausgespannt hat, während er als Soldat im Krieg kämpfte. Er kannte wohl die freiwilligen Anteile seiner Freundin, denn sein bester Freund sagt irgendwann im Lauf der Geschichte "sie war nicht gut und wenn ich gewusst hätte, dass es nur wegen deiner Frau ist, dann wäre ich dir nicht hierher gefolgt".
Der andere Grund wird nicht verraten, aber möglicherweise lässt es sich durch das Verhalten des Kontrahenten Tate Kimbrough, gespielt von John Carroll, ableiten. Denn der hat sich inzwischen in einem weiteren Ort, dem verschlafenen Örtchen Sundown, breit gemacht und sich innert kurzer Zeit zu einem mächtigen Mitglied der Gemeinschaft empor geschwungen. Also ein zwielichtiger Geschäftemacher und ein Mann ohne Moral. Denn im Lauf der Handlung lernt der Zuschauer noch dessen Geliebte, Bardame Ruby James (Valerie French), kennen und auch seine zukünftige Braut, die junge, rechtschaffene Lucy Summerton (Karen Steele), die einen reichen und einflussreichen Daddy (John Litel) hat.
Der Kampf der beiden Männer findet laut Drehbuch ausgerechnet am geplanten Hochzeitstag von Kimbrough und Lucy statt. Der potentielle Rächer platzt also mitten in die Zeremonie in der Kirche. Dort spricht Bart Allison nur ein paar Drohungen aus und sucht nicht gleich die ultimative Konfrontation. Was sich als Dummheit herausstellt - denn so ist er gezwungen sich gemeinsam mit seinem Begleiter Sam (Noah Berry) in einem Lagerhaus zu verschanzen. Damit sitzen die beiden Männer in der Falle, denn der Sheriff Swede Hansen (Andrew Duggan) sichert ihnen zwar irgendwann freies Geleit ohne Festnahme zu, wenn die beiden Störenfriede nur verschwinden. Doch der Gesetzeshüter ist natürlich von Tate Timbrough gekauft. Zumindest bekommen die Zwei ein bisschen Unterstützung vom Arzt der Stadt (John Archer). Doch statt der Hochzeit gibts einige Tote...

"Fahrkarte ins Jenseits" gehört zu den bekannteren Western von Randolph Scott und mit Burnett Guffey war ein anerkannter Oscargewinner für die Cinematographie zuständig. Optisch stimmt alles in "Fahrkarte ins Jenseits". Lediglich das Drehbuch schwächelt ein bisschen, aber Randolph Scott als gealteter Westernheld zeigt auch hier sein Können, auch wenn er diesmal den gehörnten Witwer zu spielen hat. Am Ende ist keiner Sieger und die Moral von der Geschicht "Reite nicht wider besseren Wissens mit deinem Freund ins Verderben" - denn die tragischste Figur an diesem Tag wird von Noah Berry gespielt. 

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

 

Mittwoch, 29. September 2021

Der Rächer wartet schon (Fury at Showdown)


Regie: Gerd Oswald

Der junge Rebell...

Gerd Oswald wurde in Berlin als Sohn des deutschen Filmregisseurs Richard Oswald und der Schauspielerin Käthe Oswald geboren. In der Weimarer Republik war er auch als Kinderdarsteller tätig. 1938 wanderte er in die USA aus. Dort drehte er Filme wie "Ein Kuß vor dem Tode" mit den Jungstars Robert Wagner, Joanne Woodward und Jeffrey Hunter, "Das war Mord, Mr. Doyle" mit Barbra Stanwyk oder "Der Sadist" mit Anita Ekberg und Sterling Hayden. In den frühen 60er Jahren arbeitete er auch in Deutschland und realisiserte Filme wie Am Tag, als der Regen kam" oder "Schachnovelle" - für beide Filme schrieb er auch das Drehbuch. Seine letzte Regiearbeit war die Simmel Verfilmung "Bis zur bitteren Neige" im Jahr 1975.  Sein 1957 entstandener Western "Der Rächer wartet schon" (Originaltitel: Fury at Showdown) gibt dem attraktiven John Derek die Gelegenheit auch seine schauspielerischen Qualitäten zu zeigen. Er passt perfekt zur Filmfigur Brock Mitchell, diesem jungen und unverstandenen Rebellen. In Nicholas Rays unterbewertetem Noir "Vor verschossenen Türen" hatte er schon eine ähnliche Rolle. Er spielt den ehemaligen Revolverhelden Brook Mitchell, der vor einem Jahr einen Mann erschossen hat. Es war Notwehr, aber als er aus dem Gefängnis entlassen wird, wartet auch schon die Meute, um ihn zu hängen. Denn sie sehen in dem unbesonnenen Youngster einen Mörder. Selbst seine damalige Freundin Ginny Clay (Carolyn Craig), die Tochter des Sheriffs (Robert Griffin) hat sich damals von ihm abgewandt, sie glaubte lieber den Anderen als ihrem Boyfriend. Lediglich Brocks jüngerer Bruder Tracy (Nick Adams) hält nach wie vor zu ihm. In Brocks Abwesenheit hat er die hat er die Ranch auf Vordermann gebracht und es steht fast nichts mehr im Wege um in der Zukunft erfolgreich Rinderzüchter zu werden. Dies möchte aber der Anwalt Chad Deasy (Gage Clarke) verhindern, denn er will Rache für den Tod seines Bruders, der von Brock erschossen wurde. So versucht er ein unerlässliches Geschäft der beiden Brüder, die Ranch zu retten, mit allen Mitteln verhindern. Der finstere Anwalt engagiert sogar einen Leibwächter, doch dieser Miley Sutton (John Smith) ist ein Scharfschütze, der Brock mit allen Mittel provozieren soll. Dieser kann sich kaum beherrschen, doch der Bruder schafft das Kunststück Brock zurückzuhalten und aufzurichten. Dann behauptet der junge Tom Williams (Tyler McDuff), der inzwischen mit Brocks Ex angebandelt hat, von ihm bedroht und aufgefordert worden zu sein die Stadt zu verlassen...


Nick Adams ist als junger Bruder Tracy ein echter Sympathieträger des Films, fast schon eine Art Heiliger, den alle mögen und schätzen. Gerd Oswald bezeichnete "Der Rächer wartet schon" als seinen besten Film. Sein Western ist tatsächlich atmosphärisch sehr dicht und er hat Themen anzubieten, die heute nach wie vor aktuell sind: Mobbing und Korruption. Für die Musik war der Oscarsieger Harry Sukman (Academy Award im Jahr 1961 für "Nur wenige sind auserwählt) und die Kameraarbeit von Joseph LaShelle (9x Oscarnominiert, einen Sieg für "Laura" von Otto Premiger) ist natürlich wie immer ausgezeichnet.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Schlucht des Verderbens


Regie: Roy Rowland

Der glorreiche Revolverheld...

Der Western "Schlucht des Verderbens" heißt im Original "Gun Glory" und entstand im Jahr 1957 unter der Regie von Roy Rowland, der 14 Jahre zuvor seinen Einstand im Regiefach hatte. Seine Inszenierungen waren routinierte Unterhaltung. Künstlerische Ambitionen hatte er keine und er war in sehr vielen Genres tätig. Sein bekanntester Film ist vielleicht der Gruselfilm "Die 5000 Finger des Dr. T".
Ab der ausgehenden 50er Dekade drehte er die meisten Filme in Europa, dort machte er vornehmlich Italo-Western und Piratenfilme.
Den "ruhmreichen Revolver" hat in "Schlucht des Verderbens" der Heimkehrer Tom Early, der von Stewart Granger gespielt wird. Er hat vor Jahren schon seine Frau und den gemeinsamen Sohn verlassen und versuchte als Revolverheld sein Glück. Durch sein Geschick mit dem Revolver blieb er am Leben, wenn er herausgefordert wurde und hat nun einen berüchtigten Namen. Daher sind die Bürger in seinem kleinen Heimatstädtchen alles andere als erfreut, als sie ihn durch ihre Straße reiten sehen. Besonders der Krämer Sam Wainscott (Jacques Aubuchon) zeigt ihm offen seine Verachtung als Tom Early in seinem Laden auftaucht, um etwas einzukaufen. Nicht zuletzt deshalb, weil seine Verkäuferin Jo (Rhonda Fleming) den Heimkehrer attraktiv findet. Auf seiner eigenen Farm angekommen, erfährt er vom eher ablehnenden Sprößling Tom Early Junior (Steve Rowlands) vom Tod der Frau. Doch diese war sich immer sicher, dass ihr Mann irgendwann zurückkehren würde und dann ein zufriedenes, erfülltes Leben als Farmer leben würde. Dies hat Tom Early tatsächlich vor, doch der Sohn ist skeptisch. Aber er versucht es mit dem Vater, den insgeheim bewundert er ihn auch. Da die Männer eine Frau im Haus brauchen, bekommt Jo das Angebot als Haushälterin bei den Early Männern zu arbeiten. Das macht sie gerne, denn sie findet Early Senior sehr charismatisch und merkt nicht, dass der Junge auch schon an die Liebe denkt. Der Pastor (Chill Wills) ist der Einzige, der den geläuterten Sünder Tom Early mit offenen Armen empfängt. Bald haben die Einwohner der Gegend ganz andere Sorgen, denn der skrupellose Viehbaron Grimsell (James Gregory) hat verkündet, dass er 20.000 Rinder durch die Stadt treiben muss. Begleitet wird Grimsell von zwei Revolverhelden. Einer davon wird schon bei der ersten Begegnung mit Tom Early diesen auch zu einem Duell auf Leben und Tod herausfordern..


So kommt der Held immer wieder in die Situation, dass er seinen Revolver benutzen muss, um sich Recht zu verschaffen. Dabei vergisst er sogar das Ablegen des Schießeisens als Jo, sein Sohn und er selbst den Gottesdienst am Sonntag besuchen. Zum Glück macht ihn der Sohn darauf aufmerksam. Stewart Granger ist natürlich ein großes Plus für diesen routinierten Western, der allerdings sehr schön fotografiert ist (Kameramann: Harold J. Marzorati). Der Hauptdarsteller verfügt über das nötige Charisma diesen schillernden Gunman zu spielen und Chill Wills sowie Rhonda Fleming sind auch immer wieder gern gesehene Darsteller im Westerngenre. Für die Rolle des Tom Early Junior bekam der Sohn des Regisseurs den Zuschlag. Dabei hätte diese Rolle wahrscheinlich besser funktioniert, wenn man einen jüngeren Schauspieler gecastet hätte. Steve Rowlands macht seine Sache zwar nicht schlecht, aber mit seinen 25 Jahren wirkt er schon zu alt für den Sohn, der gerade mit seiner Pubertät zurechtkommen muss. Ansonsten ist "Schlucht des Verderbens" ein angenehmer, geradliniger B-Western.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

Montag, 27. September 2021

Der Galgen muss warten (Dragoon Wells Massacre)


Regie: Harold D. Schuster

Das Dragoon Wells Massaker...

Als Regisseur war Harold D. Schuster weniger bekannt. Er war zuvor Filmeditor und gleich seine erste Filmarbeit in diesem Bereich wurde zu einem Klassiker, denn er war Cutter bei Friedrich Wilhelm Murnaus "Sonnenaufgang - Lied von zwei Menschen" aus dem Jahr 1927, der bei Umfragen immer wieder unter die besten Filme aller Zeiten gewählt wird.
Der 1957 gedrehte Western "Dragon Wells Massacre" (deutscher Titel: Massaker/deutscher Alternativtitel: Der Galgen muss warten) zählt sicherlich zu seinen besten Regiearbeiten. Der Film nimmt Bezug auf die Vorgeschichte der eigentlichen Handlung. Denn das Blutbad von Dragon Wells geht in die Geschichte mit einem Sieg der Indianer ein. Die Konsequenz ist, dass Städte und Dörfer geräumt werden und ein Flüchtlingsstrom entsteht. Man will in den vielen Forts in der Umgebung Schutz und Hilfe suchen, doch es ist ein trügerischer Schutz. Eine Reihe von wichtigen Forts sind bereits niedergebrannt und von den Rothäuten umzingelt. Die Flüchtigen geraten in eine Falle, aus der es kein Entrinnen gibt.
So ist es nicht verwunderlich, dass in der Gegend um Dragon Wells ziemlich viel los ist. Ein Gefängniswagen unter der Leitung von Marshall Bill Hanley (Trevor Bardette) und seinen Hilfskräften Tom (Jon Shepodd) und Jud (Warren Douglas) ist unterwegs zum Gericht in Dragon Wells. Sie transportieren die Banditen Link Ferris (Barry Sullivan) und Tioga (Jack Elam), auf die ganz sicher der Galgen wartet. Zur gleichen Zeit ist auch der zwielichtige Händler Jonah McAdam (Sebastian Cabot) unterwegs, der bei einem Schlachtfeld vorbeikommt. Tote Soldaten liegen dort, aber es gibt einen Überlebenden. Captain Matt Riordan (Dennis O´Keefe) ist am Leben geblieben, weil er dem Indianerhäuptling Yellow Claw (John War Eagle) einmal das Leben rettete. Nun sind die beiden quitt. Er nötigt den Händler, dass dieser in mitnimmt in Richtung Fort, obwohl der eigentlich mit den Indianern Geschäfte machen wollte. Weniger Minuten später taucht auch noch eine Postkutsche mit Reisenden auf. Überrascht stellt der Captain fest, dass seine ehemalige Verlobte Ann Bradley (Mona Freeman) eine der Passagiere ist. Sie hat sich nun mit Philipp Scott (Casey Adams) einen neuen Favoriten in Sachen Liebe geangelt. Auch die mexikanische Sängerin Mara Fay (Katy Jurado) steigt aus der Kutsche. Gemeinsam ist man stärker und so beschließt die gut sortierte Reisegruppe zusammen zu bleiben. Denn beiden Banditen werden die Ketten gelöst, weil sie versprechen nicht zu türmen. Sehr schnell ist die Gruppe einem erneuten Angriff der Indianer ausgesetzt...


Und es gibt weitere Turbulenzen auf der Fahrt, die sich mehr und mehr als auswegslos erweist. Unterwegs gibts Opfer zu beklagen und die kleine Susan (Judy Strangers) gesellt sich zu der Gruppe, weil ihre Eltern grausam ermordet wurden. Auch deren Station, wo die Kutscher Pferde wechseln konnten, ist verwüstet. Immer mehr Rückschläge gibts zu vermelden. Selbst das Fort wurde überfallen und die Soldaten ermordet. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Indianer erneut zuschlagen. Es gibt wenig Hoffnung. Die Geschichte lässt sich aber genug Zeit, dass die Reisenden sich untereinander kennenlernen und es erweist sich hier, dass auch Banditen gute Eigenschaften haben können. Und durch die zwei selbstbewussten Frauen kommt auch das Flirten nicht zu kurz. Natürlich ist die Gruppe, die von A nach B kommen muss und unterwegs von Indianern angegriffen wird ein äusserst beliebtes Westernsujet. Mit Begeisterung erinnert man sich an den ähnlich konzipierten Delmer Daves Klassiker "Der letzte Wagen", der ein Jahr früher entstand. "Massaker" hat natürlich mit William H. Clothier als Kameramann beste Karten für ganz hervorragende Wildwest-Impressionen. Nur Zweimal war der großartige Kameramann für einen Oscar nominiert (Alamo und Cheyenne), aber er hat für viele weitere Westernklassiker (Der Siebente ist dran, Liberty Valance, Fort Dobbs, Der letzte Befehl, Gefährten des Todes, Comancheros, Die fünf Vogelfreien, Bandolero, Big Jake und und und) die optimale Optik geschaffen.
 

 Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 23. September 2021

Um Kopf und Kragen (The Tall T)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Budd Boetticher

Perfekt konstruierter B-Western mit vielschichtigen Figuren...

"Um Kopf um Kragen" ist einer der Filme, die von Filmhistorikern als sogenannter "Ranown-Zyklus" zusammengefasst wird. Es handelt sich um die Budd Boetticher B-Western mit Randolph Scott in der Hauptrolle. Zu den insgesamt 7 Western gehören auch "Der Siebente ist dran", "Fahrkarte ins Jenseits", "Sein Colt war schneller", "Auf eigene Faust", "Messer an der Kehle" und "Einer gibt nicht auf". Scott spielt immer den gealterten Westernhelden, etwas zynisch, stark desillusioniert, verhärtet, enttäuscht, verbittert, nicht näher beschriebene Ereignisse haben ihn zu einem Einzelgänger werden lassen und reitend wird er zum tragischen Helden. Boettichers Kunst war ein perfekt inszenierter Minimalismus. Kein Wort zuviel, keine Szene unnötig. Alles auf den Punkt gebracht und dennoch so vielschichtig, teilweise sogar poetisch, dass sich auch die Liebhaber des Autorenkinos für sein Werk zu interessieren begannen und es in den späten 70er und 80er zu einer Wiederentdeckung seiner Werke kam.
Es sind die einfachen, linear strukturierten Storys mit klaren Konflikten die er in seinen Filmen aufgreift.
Der stoische Cowboy Pat Brennan hat sich eine kleine Farm gekauft und möchte einen Zuchtbullen kaufen. Großrancher Tervoorde, bei dem er früher Vormann war und der ihn nicht gerne gehen liess, überredet ihn zu einer unvernünftigen Wette, bei der Brennan sein Pferd verwettet und den Weg nach Hause zu Fuss antreten muss. Unterwegs nimmt ihn die Postkutsche eines alten Freundes mit. Eine extra von einen frisch vermählten Brautpaar gemietete Kutsche. Die altjüngferliche Doretta (Maureen OSullivan) ist zudem Tochter eines reichen Minenbesitzers. Die Kutsche macht Halt bei der nächsten Poststation und da wartet auch schon der alternde Outlaw Frank Usher (Richard Boone) mit seinen beiden, schiesswütigen jungen Haudegen Billy Jack und Chink....


"Um Kopf und Kragen" dauert kurzweilige 78 Minuten, Boetticher braucht eine ca. 15 minütige Einleitung mit sehr idyllischen und familienfreundlichen Impressionen, fast schon ein bisschen "Shane" parodistisch, bis sich die Tür plötzlich zur Gewaltorgie öffnet...
Wer Boettichers erste Zusammenarbeit mit Scott "Der Siebente ist dran" (auch auf DVD erhältlich) gut fand, der wird auch an "Um Kopf und Kragen" Gefallen finden.
Bild und Ton sind für einen ca. 50 Jahre alten Film sehr gut restauriert.
Ein Western, der vielleicht nicht ganz zu den grössten klassischen Meistererken des Genres, gezählt wird, der aber richtig grosses Sehvergnügen liefert.

Bewertung: 9 von 10 Punkten

 

Samstag, 18. September 2021

Hölle der 1000 Martern (Run of the Arrow)


Regie: Samuel Fuller

Lauf des Pfeils...

Samuel Fuller drehte seinen Western "Hölle der 1000 Martern" im Jahr 1957, für die Kamerabilder war Joseph Biroc verantwortlich. Es wurde sein bester Western, da der Film voller Überraschungen steckt und nie vorhersehbar ist. Die Pfeile der Indianer und die Kugel, die am Anfang abgeschossen wird, sind dramaturgisch sehr bedeutend in der Geschichte, die der Filmemacher dem Zuschauer nahe bringt.
Es tauchen natürlich Parallelen zu Kevin Costners oscargekröntem Meisterwerk "Der mit dem Wolf tanzt" auf, wobei Fullers Film nur halb so lange dauert und nie wie ein Epos wirkt.
Der Palmsonntag 1865 ist zugleich auch der letzte Tag im amerikanischen Bürgerkrieg. Auf dem Schlachtfeld kommt es zum letzten Schuß des Krieges, die der Konförderiertensoldat und Yankeehasser O'Meara (Rod Steiger) auf den Nordstaatenleutnant Driscoll (Ralph Meeker) abfeuert.
Der getroffene Soldat bleibt schwerverwundet liegen, wird aber von 0`Meara trotz seines Hasses dadurch gerettet, dass er den Verletzten noch zum nächsten Lazarett bringt.
Vom Arzt lässt er sich die Kugel aushändigen als bleibende Erinnerung.
Schwer frustriert über Lees Kapitulation und auch von seinen eigenen Leuten dreht O'Meara wenig später seiner Heimat den Rücken und wagt das Risiko als Abenteurer gegen Westen zu ziehen.
Unterwegs trifft er auf den in Krieg als Fährtensucher der Armee beschäftigte alten Ogalala Sioux Walking Coyote (Jay C. Flippen) und schliesst sich diesem auf seiner Reise an, denn der alte Mann will zurück zu seinem Volk, weil er inzwischen immer mal wieder ans Sterben denkt.
Die beiden fallen in die Hände von jungen, rebellischen Siouxkriegern, die von Crazy Wolf (H.M.Wynant) angeführt werden.
Die Indianer wollen zuerst beide töten, entscheiden sich dann aber für ein Gottesurteil, dass mit Hilfe des grausamen Spiels "Lauf des Pfeils" entschieden werden soll.
Die beiden barfüßigen Unbewaffneten werden von der bewaffneten Indianerhorde mit Pfeil und Bogen gejagt. Bisher hat keiner diesem tödlichen Gottesurteil Stand gehalten.
Durch die Hilfe der Indianerin Yellow Moccasin(Sarita Montiel) gelingt 0` Meara den nächsten Morgen zu überleben. Fortan lebt er bei den Indianern und will ein Sioux werden...

Samuel Fullers Edelwestern "Hölle der 1000 Martern" wirkt sehr stark durch sein Thema der Identitätssuche.
Die Menschen sind verfeindet. Nord- gegen Südstaaten. Rot gegen Weiss. Es gibt ein langsames Bemühen des Miteinanderlebens, doch der Hass steht sehr oft im Weg. Die Kugel mit der der Zyklus der Gewalt eröffnet wird, wird später für denselben Mann zum Akt der Gnade.
Als Häuptling Blue Buffalo ist Charles Bronson zu bewundern.
Leider ist die deutsche DVD Veröffentlichung alles andere als optimal.
Es gibt zwar eine deutsche Fassung und die längere US-Fassung. Leider ist letztere aber ohne deutsche Untertitel, was deshalb sehr schade ist, weil die deutsche Version um einige Minuten gekürzt ist. Vor allem die letzte Minute vom Schluß fehlt einfach, dem Zuschauer der deutschen Fassung wird vorenthalten, dass sich die Kavallerie wieder in Bewegung setzt und der geschriebene Schlusstitel "The end of this story will be written by you" auf dem Bildschirm erscheint.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Vierzig Gewehre (Forty Guns)


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: Samuel Fuller
 
Kaputt und alt...
 
Seine ersten Filme "Ich erschoss Jesse James" und "Der Baron von Arizona" waren Western. Beide Samuel Fuller Filme entstanden in der zweiten Hälfte der 40er Jahre - ein Jahrzehnt später schuf er mit "Vierzig Gewehre" den Vorreiter des Spätwesterns. "40 Gewehre" war für seine Zeit sehr unkonventionell, ist aber zu jeder Sekunde perfekt inszeniert. Mit Barbara Stanwyk hat auch neben den vielen starken Männern in der Geschichte eine genauso starke Frau das Sagen. In Tombstone und Umgebung herrscht die Großgrundbesitzerin Jessica Drummond (Stanwyk), die mit ihren Gefolge aus 40 Reitern schon alleine optisch keinen Zweifel daran lässt, wer hier im Wilden Westen das Sagen hat. Im Jahr 1881 kommen auch die Brüder Griff (Barry Sullivan), Wes (Gene Barry) und Chico Bonell (Robert Dix) nach Tombstone. Er kommt auf Bitten der Regierung in Washington. Ein gewisser Bob Swaim soll von Griff Bonell verhaftet werden. Der gehört zu Jessica Drummonds Gefolgsleuten. Im der Stadt trifft Griff seinen alten Freund Sheriff John Chisholm (Hank Worden), der Probleme mit den Drummonds hat. Griff rät ihm die Stadt zu verlassen und ein Duell zu vermeiden, da Chisholms Augenlicht sehr schlecht ist. Doch der wird auf offener Straße von Jessicas Bruder Brockie (John Ericson) feige erschossen. Griff nimmt ihn fest, doch einen Tag später ist der verkommene Halbstarke wieder auf freiem Fuß - der Einfluss seiner Schwester bei den Politikern und Geschäftsleuten ist immens groß. Er wird zu 50 Dollar verurteilt, weil man eine Notwehr in seinem Handeln sah. Griff lernt dabei Jessica kennen und interessanterweise fühlen sich die beiden irgendwie zueinander hingezogen. Die starke Frau sehnt sich auch nach dem starken Mann, der ihr ebenbürtig erscheint. Doch diese Zuneigung wird eifersüchtig von Sheriff Ned Logan (Dean Jagger) beobachtet, der auch zu deren 40 Gefolgsleuten gehört und zudem darauf spekuliert seine Chefin heiraten zu können. Er plant Griff Bonell aus dem Hinterhalt zu töten und findet in Jessicas Bruder einen Komplizen. Doch das Attentat misslingt. Stattdessen wird Wes an seinem Hochzeitstag mit Louvenia Spanger (Eve Brent) von einer Kugel, die Brockie abfeuert, tödlich getroffen...

Im breiten Cinema Scope glänzt Samuel Fullers schnörkelloser Western mit einigen klasse Kameraeinstellungen. Verantwortlich dafür war Kameramann Joseph F. Biroc, der alllerdings erst im Herbst seines Leben mit einem Oscar für die beste Kameraarbeit (Flammendes Inferno - gemeinsam mit Fred J. Koenekamp) ausgezeichnet wurde. Jede Einstellung sitzt hier und glänzt durch einen eigenständigen Stil, der besonders duch den Einsatz von extremen Nahaufnahmen und der schonungslosen und lakonischen Darstellung von Gewalt zum Tragen kommt. Schnelle, harte Aktionen werden abgelöst von Momenten der Stille. 
Der Blickwinkel in "40 Gewehre" ist für einen Western aber eher verschoben und zeigt nicht die Eroberung eines wilden Westens, sondern der wilde Westen ist bereits in der Endphase angekommen. Es bleibt den Helden von einst, nichts anderes übrig als sich neu in einer neuen Welt zurechtzufinden. Sowohl Jessica als auch Griff sind "kaputt und alt" wie ein Kritiker treffend feststellte.
 
Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

 

Donnerstag, 9. September 2021

Der Sadist - Valerie (Valerie)


Regie: Gerd Oswald

Der Sadist...

Gerd Oswalds Film "Valerie" aus dem Jahr 1957 ist in Deutschland bekannt unter dem Titel "Der Sadist" und ist eine Art "Rashomon" unter den Westernfilmen. Denn vor Gericht muss die Wahrheit herausgefunden werden. Was trieb den beliebten Rancher und Bürgerkriegsveteranen Major John Garth (Sterling Hayden) dazu die Waffe auf seine attraktive Frau Valerie (Anita Ekberg) und deren Eltern (Iphigenie Castiglioni und John Wengraf) zu richten und alle drei niederzuschießen ? Aus drei verschiedenen Sichtweisen soll der Zuschauer Klarheit über die Schuld oder den Schuldigen zu bekommen.
Als Erster wird der Reverend Steven Blake (Anthony Steel) gehört. Aus dessen Sicht scheint es nicht gut um die noch sehr junge Ehe der Garths bestellt gewesen zu sein. Denn Valerie Garth suchte Hilfe, sie schrieb Briefe an den jungen Geistlichen, indem sie um dessen Unterstützung bat. Als er dann mit seiner Kutsche dort auftauchte, war es plötzlich gar nicht mehr wichtig. In der Stadt sind die Leute eher auf der Seite des Angeklagten, denn man sagt der schönen Frau nach, dass sie es mit der Treue nicht sehr genau nahm. So sind auch die Ausführungen von Garth selbst von Kränkungen voll, die Valerie ihm zufügte. Erst heiraten - als er seiner Frau gesteht, dass er gar nicht so vermögend ist, wie die glaubte, verweigert sie ihm den Eintritt ins gemeinsame Schlafzimmer und macht Garth jüngerem Bruder Herb (Peter Walker) eindeutige Angebote. Auch der Reverend soll einer ihrer Liebhaber gewesen sein. Zuletzt wird Valerie selbst, die als einzige das Attentat überlebt hat, am Krankenbett vernommen. Sie berichtet davon, dass ihr Mann sich immer mehr zum Sadisten entwickelt hat....


So gesehen halte ich den deutschen Verleihtitel "Der Sadist" für nicht besonders glücklich gewählt. Gerd Oswald selbst hat hier erfolgreich mehrere Genres zusammengefügt. Einerseits Melodram, andererseits Gerichtsfilm. Ein bisschen Noir Optik und das Ganze wird in Rückblende erzählt und erst am Schluß hat der Zuschauer dann die Klarheit. Obwohl so gut wie keine Action vorhanden ist, wurde der Aufbau der Geschichte äusserst spannend aufbereitet. Zusammen mit den Bildern von Oscarpreisträger Ernest Laszlo ergibt das Ganze einen Klassiker im Bereich des B-Westerns. Sterling Hayden und Anita Ekberg passen als Ehepaar im Kriegszustand sehr gut zusammen. Dabei merkt der Zuschauer auch schnell, dass die Figur von Hayden selbst unter dem Trauma leidet, seine Rolle im Krieg nicht vergessen zu können. Gerd Oswald hat öfters bewiesen, dass er gute B-Western machen konnte. Leider sind Filme wie "Valerie" oder "Der Rächer wartet schon" heute so gut wie vergessen.  

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 8. September 2021

Der Einäugige (Patch Black)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie. Allen H. Miner

Der Sheriff mit dunkler Vergangenheit und schwarzer Augenklappe...

Im Jahr 1957 drehte Regisseur Allen H. Miner zwei beachtliche Western: Einer war "Der Ritt zurück" mit Anthony Quinn und William Conrad. Seine zweite Arbeit "Der Einäugige" könnte man gut in die Sparte der Noir-Western einordnen, denn er ist durchweg düster geraten und überzeugt auch heute noch mit interessanten Figuren, die alle Geheimnisse mit sich herumtragen.
Erzählt wird vordergründig die Geschichte von zwei Freunden, die die gleiche Frau lieben. Darüberhinaus spielt aber auch der Waisenjunge Carl, gespielt von Tom Pittman, eine Schlüsselrolle in dieser Geschichte, denn auch er verliebt sich in die Femme Fatale. Damals galt Tom Pittman als einer der kommenden Jungstars in Hollywood - der Schauspieler starb aber bereits 1 Jahr nach der Fertigstellung von "Der Einäugige" tragisch bei einem Autounfall.
Er wurde leider nur 26 Jahre alt.
In der ersten Szene von "Der Einäugige" (Original: Patch Black) sieht man einen Reiter, der verfolgt wird. Er ist aber schon vom Pferd gestiegen und tötet den Verfolger mit einem gezielten Schuß. Der Zuschauer kann das Gesicht des Mannes kaum erkennen, wird aber in einer der nächsten Szene sicher sein, dass dieser Mann identisch ist mit Hank Danner (Leo Gordon), ein Neuling in der kleinen Westernstadt ohne Namen. Dort sorgt Marshall Clay Morgan (George Montgomery) seit einer gewissen Zeit für Recht und Ordnung. Der Sheriff trägt eine schwarze Augenklappe - warum er diese trägt bleibt im Verborgenen. Genauso wie seine Vergangenheit. Doch nun scheint dieser Hank Danner etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Denn die beiden sind Freunde...zumindest erzählt Danner dies, als er sich nach Clay Morgan erkundigt. Die Sache wird kompliziert als Hanks schöne Frau Helen (Diane Brewster) aus der Postkutsche steigt. Sie wird sofort von dem jungen Carl (Tom Pittman) wahrgenommen und angestarrt - der Junge ist aber ein Aussenseiter in der Stadt und hat den Wunsch bald als Deputy beim Marshall angestellt zu werden. Doch Clay hält ihn noch für zu jung. Als sich die beiden Freunde wiedersehen, wird klar, dass Helen zwar mit hank verheiratet ist, aber ihre Liebe dem Marshall gilt. Der ging irgendwann auf und davon, hat sein Mädchen verlassen und irgendwann gabs auch für den Freund die Chance sich um die Verlassene zu kümmern. Doch Clay bringt nicht nur seine Frau mit, sondern auch Geld aus einem Bankraub. Clay muss seinen Freund verhaftet, will ihm aber einen guten Anwalt besorgen. Doch der Saloonbesitzer Frenchy (Sebastian Cabot) und dessen Mann fürs Grobe (House Peters jr)  versuchen an das Geld aus dem Raub zu kommen. Dazu ist ihm jedes Mittel recht..

Die Geschichte in "Der Einäugige" nimmt dann eine seltsame Wendung und macht aus der Nebenfigur des jungen Carl fast schon eine Art Hauptfigur und Helen agiert als Noirsche Femme Fatale. Bizarr und dubios sind alle Figuren angelegt und völlig gegen die üblichen Genreklischees gebürstet. Dabei spielen dunkle Geschichten aus der Vergangenheit eine Rolle, Liebe und Freundschaft, Eifersucht und Rivalität - dies wird dann zunehmend noch mit den Kränkungen eines junges Menschen gewürzt, der dann wider Erwarten zum Revolverhelden aufsteigt, weil er plötzlich eine Gabe bei sich entdeckt hat: Er kann es beim Schießen mit jedem Gegner aufnehmen.

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 1. September 2021

Schieß oder stirb (A Gun for a Coward)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Abner Biberman

Sensibler Cowboy in der Krise...

Ein beliebtes Westernthema wird in Abner Bibermans 1957 entstandenem "Schieß oder stirb" (Original: Gun for a Coward) aufgenommen. Die Geschichte vom Pazifisten, der sich irgendwann die Frage stellen muss, ob es nicht besser wäre die friedvolle und auf Harmonie bedachte Position zu wechseln und sich der Konfrontation zu stellen. Dieses Thema war in Fred Zinnemanns "High Noon" vorhanden, etwa in der Szene als Will Kane mit seiner hübschen jungen Braut Amy in der Kutsche aus der Stadt fährt, nur um dem drohenden Duell mit Frank Miller aus dem Weg zu gehen. Auch in Henry Hathaways "Schieß zurück, Cowboy" muss der unschuldige Don Murray flüchten, um einzusehen, dass er den Kampf führen muss. In "Schieß oder Stirb" wird die Geschichte von drei sehr ungleichen Brüdern erzählt. Will Keough (Fred MacMurray) ist der Älteste und musste seit dem frühen Tod des Vaters, der von einer Schlange gebissen wurde, die Rolle des Herrn im Haus übernehmen. Auf ihm als Ältesten lastete schon von Beginn an die größte Verantwortung. Bless (Jeffrey Hunter) ist der Zweitälteste und der Liebling seiner Mutter (Josephine Hutchinson), die ihn ganz anders erzogen hat als den Erstgeborenen. Bless gibt sich auch immer noch die Schuld, dass er als siebenjähriger Junge seinem Vater bei dem tödlichen Unglück nicht helfen konnte. Als nun erwachsener Mann ist er fast zu sensibel und friedliebend, er geht dem Streit immer aus dem Weg und wird von seiner Mutter stets vor allen Gefahren zurückgehalten. Interessanterweise ist der jüngste Sohn Harry (Dean Stockwell) ein extremer Draufgänger und wird von der Mutter fast ignoriert. Die Mutter will die Ranch mit Bless verlassen, doch Bless liebt das Landleben und die Pferde. Bringt es aber nicht fertig seiner Mutter die Wahrheit zu sagen und geht vage auf das Angebot ein. Er behält auch für sich, dass er seit längerer Zeit schon in Audry (Janice Rule) verliebt hat, obwohl die schon als sichere zukünftige Braut für den großen Bruder Will gilt. Auch Audry hegt immer stärkere Gefühle für den friedlichen Bless....


Dabei sieht die Geschichte vor, dass sich die Konflikte während eines Viehtriebs nach Abilene dramatisch verschärfen und zuspitzen. Mehr als einmal wird dem besonnenen Bless Feigheit vorgeworfen, obwohl er verhindert, dass sein jüngerer Bruder sich im Saloon völlig sinnlos mit einem anderen Mann duelliiert. Für diese Feigheit vor dem Feind wird er dann auch noch von dem draufgängerischen Bruder während des Schlafes mit einer gefälschten Klapperschlange erschreckt und gepeinigt. Es kommt zu einem dramatischen Unglück. Und wieder einmal ist Bless der Schuldige, der dann auch noch von Nachbar Stringer (John Larche) herausgefordert wird.
Dieser eher unbekanntere Westernbeitrag ist auch ein Familiendrama im Westerngewand und zeigt typische Ranchszenen wie das Zureiten eines Wilden Pferdes sowie ein Viehtrieb in die größere Stadt mit einer Stampede. Dabei wird durch den eher ruhigen Bless auch einmal kritisch das Männlichkeitsbild des Western beleuchtet. Nicht jeder ist gleich ein Feigling, wenn er eine Schlägerei oder Schießerei durch Besonnenheit verhindert oder dem Streit aus dem Weg geht. Am Ende muss er aber - man hat es sich schon gedacht - doch seinen Mann stehen. Möglicherweise ist "Schieß oder stirb" am Ende doch zu unspektakulär um als echter Klassiker des Genres zu bestehen, aber ein unterhaltsamer und guter Western ist er allemal. Dies liegt vor allem daran, dass die Schauspieler allesamt tolle Darstellungen abliefern. Allen voran Jeffrey Hunter, der sehr glaubwürdig in seiner Rolle ist und durch seine Rolle als Martin Pawley in "The Searchers" unvergessen bleibt. Auch Fred MacMurray als großer Bruder, der immer für die Familie lebte und sich selbst mit seinen Bedürfnissen etwas vernachlässigte, liefert eine gute Performance als arbeitsamer Rancher. Dean Stockwell (Der Zwang zum Bösen) rundet das gelungene Brüdertrio bestens ab. Als gute Seele der Ranch ist Westernlegende Chill Wills zu sehen.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.