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Donnerstag, 7. Oktober 2021

Fluch der Verlorenen (Horizons West)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Budd Boetticher

Kriegsheimkehrer...

In den 80er Jahren wurden die Western von Budd Boetticher von der Filmkritik wiederentdeckt. 1991 wurde ihm von der Los Angeles Film Critics Association der Preis fürs Lebenswerk verliehen. Der Regisseur starb 2001 im Alter von 85 Jahren. Dabei können sich nicht nur seine mit Randolph Scott gedrehten Western sehen lassen. Auch seine Frühwerke sind heute als gute B-Western anerkannt. Mit Rock Hudson drehte er 1952 den Kriegsheimkehrer-Western "Fluch der Verlorenen" und einige Monate später spielte Hudson die Hauptrolle in seinem Indianerfilm "Seminola". Hudson stand damals noch am Anfang seiner Karriere - er war ein aufstrebender Schauspieler, der noch nicht der große Filmstar war und wurde durch diese guten Leistungen auch von Raoul Walsh in den beiden Western "Mit der Waffe in der Hand" und "Gefährliches Blut" als Hauptdarsteller eingesetzt. Auch Anthony Mann setzte ihn in seinen Western "Winchester 73" (als jungen Indianerhäuptling) und "Meuterei am Schlangenfluß" ein - erst nach diesen Western gelang Hudson der große Durchbruch mit den Melodramen von Douglas Sirk und mit Komödien an der Seite der genauso beliebten Doris Day.
Star in "Fluch der Verlorenen" ist aber eher Robert Ryan, der wie gewohnt einen ambivalenten Charakter verkörpert. Die Grundkonstellation erinnert an William Wylers Meisterwerk "Die besten Jahre unseres Lebens" - Frederic March, Dana Andrews und Harold Russell kehren nach Ende des 2. Weltkriegs heim und haben enorme Schwierigkeiten sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern. In Boettichers Film kehren Dan Hammond (Robert Ryan), sein jüngerer Bruder Neil (Rock Hudson) und deren gemeinsamer Freund Tiny (James Arness) nach dem Bürgerkrieg in ihre Heimat Texas heim.
Während sich Neil bereits auf das Farmerleben freut und seine Sally (Judith Braun) heiraten will, was Vater (John McIntire) und Mutter Hammond (Francis Bavier) sehr glücklich macht, kommt der ältere Dan mit der neuen "alten" Situation nicht mehr zurecht. Im Krieg war er ein Held der Südstaaten und ein Idol für seine untergebenenen Männer, doch als Farmer muss er nun wohl wieder kleinere Brötchen backen.
Kurz nach seiner Ankunft in der Stadt trifft er die schöne Lorna Harding (Julia Adams), die wohl nicht besonders glücklich ist in ihrer Ehe mit dem reichen skrupellosen Geschäftsmann Harding (Raymond Burr). Durch den Bankier der Stadt bekommt Dan die Gelegenheit zu einem Pokerspiel in den besten Kreisen eingeladen zu werden. Dies wird im Haus von Harding abgehalten und leider schuldet Dan am Ende seinem Gastgeber 5.000 Dollar. Da er nicht sofort flüssig ist, wird er vor der ganzen Gesellschaft von Harding aufs Übelste gedemütigt. Dieses Ereignis markiert auch eine Wende im Verhalten von Dan, der nun bei den Gesetzlosen, die vor der Stadt lagern, Männer sucht, die ihm folgen. Da viele dieser gestrandeten Existenzen Dan kennen, kann er diese auch für eine Art Privatarmee rekrutieren. Danach kommt es zu vielen Überfällen in der Gegend und Rinder werden für gutes Geld nach Mexiko verkauft. Zum Nachteil von Harding, der sehr oft durch diese Überfälle geschädigt wird. Der verdächtigt auch Dan, denn der ist plötzlich ebenso reicher Geschäftsmann. Die Situation wird somit bald eskalieren...

Natürlich - so wollte es die Hollywood Moral der 50er Jahre - muss am Ende die umstrittene Hauptfigur sterben. Sein Tod ist auch für seine Familie eine Erleichterung, wenn man das Schlußbild sieht - dort sind Ma, Pa, Neil und seine etwas farblose Sally glücklich vereint. Denn im Laufe der Geschichte wird Dan immer mehr zu dem Mann, der in der ersten Phase des Films dieser ausgekochte Bösewicht war. Dan eifert diesem nach und bekommt auch irgendwann dessen attraktive Frau. Nur diese Frau erkennt noch die Unterschiede der beiden Männer. Ihr Ex war brutal und es war der Horror seine Frau zu sein, mit Dan hat sie persönlich ihr Glückslos gezogen. Julia Adams spielt hier genauso wie Robert Ryan eine höchst interessante Figur. Menschen, die nicht so leicht zu durchschauen sind und gegen die gängigen Erwartungen agieren. Mit Dan hat der Zuschauer insofern noch ein gewisses Mitleid, diese Credits verspielt er aber spätestens in dem Moment, in dem er seinen ehemals besten Freund kaltblütig erschießt. Aus einem netten, sympathischen Mann wurde ein Monster, ein Tyrann für seine gesamte Umgebung. Einmal mehr beweist hier Robert Ryan was für ein guter Schauspieler er war. Er wurde in "Crossfire" für den Oscar nominiert - neben seinen Auftritten in "Nackte Gewalt", "Die Verdammten der Meere", "Lawman" und "The Wild Bunch" sicherlich seine beste Rolle.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Donnerstag, 30. September 2021

Sieben Wege ins Verderben (Seven Ways from Sundown)


Regie: Harry Keller

Junger Held und der schillernde Schurke...

"Sieben Wege ins Verderben" ist ein Audie Murphy Western aus dem Jahr 1960, der von Harry Keller inszeniert wurde - die Zahl "Sieben" nimmt dabei schon Bezug auf die Hauptfigur Siebenter Jones. Audie klärt in einer Szene seine angehende Freundin Joy Karrington (Venetia Stevensen) über die seltsame Namensgebung seiner Eltern auf. Als 7. Kind der Familie Jones bekam er den Vornamen "Siebenter bring Glück ins Heim". Bereits beim ersten Kind seiner Frau entschied sich der eigenwillige Dad die Kinder durchzunummerieren. So hieß Sohn Nr. 1 "Erster weil man mal anfangen muss" Jones. Der zweite Sohn wurde Texas Ranger und ihn seine Fußstapfen tritt nun sein jüngerer Bruder Siebener. Was Siebener nicht weiß ist wie sein Bruder umgekommen ist und wer dafür verantwortlich ist. Er will dies aber noch herausfinden. Vorerst ist er aber noch ein echter Youngster unter den Texas Rangers. Der ältere Sergeant Hennessey (John McIntire) nimmt sich ihm in väterlicher Weise an. Der erste Auftrag ist die Ergreifung des charismatischen, aber völlig skrupellosen Spielers Jim Flood (Barry Sullivan), der in einer Stadt nach einem Pokerspiel mehrere Menschen einfach erschossen hat und sich nun auf der Flucht befindet. Man sagt ihm nach, dass er zwar viele Feinde hat - aber noch mehr Freunde, die alle begeistert von ihm sind. An einem Fluß hat der Verfolgte seine erste große Szene. Dort trifft er auf den Jungen Jody (Teddy Rooney), der sofort auch eine gewisse Verbundenheit mit Flood spürt. Der Erwachsene nimmt ihn - den Jungen - sehr ernst und genau wie dem kleinen Jungen ergeht es auch vielen Erwachsenen. Flood ist ein Mensch, der andere Menschen stark für sich einnehmen kann. Ohne dass die bemerken, wie manipulativ er seine Mitmenschen um den Finger wickeln kann. In einer Stadt treffen Siebener und Hennessy auf Lucinda (Suzanne Lloyd), die mit großer Sehnsucht auf ihren Jim wartet. Der versucht alle Spuren zu verwischen, irgendwann wird er doch eingeholt. Aus einem Hinterhalt schießt Jim auf die beiden Reiter. Dabei wird Hennessy getroffen...

Damit erhält die Geschichte eine sehr dramatische Wendung und irgendwann wird der Zuschauer auch noch erfahren, dass Jim Flood Siebeners Bruder getötet hat. Aber auch der Ranger-Leutnant Herly, gespielt von Kenneth Tobey, trägt in diesem Fall eine moralische Mitschuld. Hennessy warnt Siebener eindringlich nicht auf den Charme von Flood hereinzufallen, der nie wirklich erwachsen wurde und keine Grenzen kennt. Das Herzstück des Films ist die Rückkehr in die Stadt - Siebener mit seinem Gefangenen, der alle Tricks kennt wie er sich befreien kann und der auch der viel bessere Schütze ist. Daher ist das Ende dieses äusserst unterhaltsamen Westerns auch umso interessanter und verblüffender. Barry Sullivan spielt diesen Gun Man, der wie ein wildes Tier agiert, ohne Verantwortungsgefühl, aber ausgestattet mit faszinierender Energie und Einfallsreichtum. Audie ist natürlich der aufrechte, sympathische Junge, der sich mit seiner Integrität und seiner Standhaftigkeit auch immer mehr Sympathien beim Gegner erspielt.

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Samstag, 18. September 2021

Gefährliches Blut (The Lawless Breed)


Regie: Raoul Walsh

Die Ballade von John Wesley Harding...

Der Stil von Raoul Walsh ist schnörkellos und geradeheraus. Regisseur Raoul Walsh bevorzugte für seine Filme schnelle Schnitte und eine schnörkellose Machart. Trotz der Liebe zu den Actionszenen vergass er auch nie die notwendige Charakterisierung der Filmfiguren. Neben Henry King wird er imme rwieder mit dem "americana" Stil in Verbindung gebracht - die Darstellung einer amerikanischen Gesellschaft, die auf einfachen und ehrlich zwischenmenschlichen Beziehungen aufbaut. Seine großen Meisterwerke sind sicherlich die Gangsterfilme "Die wilden Zwanziger", "Sprung in den Tod" und "Entscheidung in der Sierra" - aber auch im Westerngenre schuf er mit "Verfolgt", "Sein letztes Kommando", Herr der Silberminen", "Den Hals in der Schlinge" und "Vogelfrei" schöne Highlights.
Ab den frühen 50er Jahren bestätigte er sein gutes Können in vielen routinierten Produktionen - auch seine Western in dieser Dekade können sich sehen lassen. Zwei davon drehte er mit dem aufkommenden neuen Superstar Rock Hudson. Sowohl "Mit der Waffe in der Hand" als auch "Gefährliches Blut" entstanden im Jahr 1953. Letzterer ist eine sehr freie und aus dramaturgischen Gründen verfälschte Biographie des Revolverhelden John Wesley Harding, der von 1853 bis 1895 lebte und der im Gefängnis seine eigene Lebensgeschichte aufschrieb. Walsh bekannte später, dass er gar kein authentisches Biopic machen wollte, sondern vor allem zeigen wollte, was den Helden und die Heldin gegenseitig anzieht, selbst wenn sie getrennt werden. In "Gefährliches Blut" dauert diese Trennung sogar 16 lange Jahre. Aber vorher wächst John Wesley Harding (Rock Hudson) als Sohn des Methodistenprediger J. G. Harding (John McIntire) auf, der auf eine Erziehung der strengen Hand setzt. Wenn notwendig auch mit Schlägen und Peitschenhieben, wenn die Worte der Bibel nicht befolgt werden und die Söhne vom rechtschaffenen Weg abdriften, so wie der junge John, der ein Faible für Spielkarten und Revolver hat. Als er wieder einmal gezüchtigt wird, verlässt er das Elternhaus und seine Jugendliebe Jane (Mary Castle), die als Waise bei dem Predr aufwuchs. Bei einem Pokerspiel zieht der Mitspieler die Waffe, doch Wes ist natürlich schneller. Aber nur die Bardame Rosie (Julia Adams), die auch ein Auge auf den attraktiven Gunman geworfen hat, kann bestätigen, dass es Notwehr war. Er entkommt dem konföderierten Sheriff, aber nun muss er fliehen - vor den Brüdern des Getöteten (u.a. Hugh O´Brian, Lee van Cleef) und schließt sich dem Viehtreck seines Onkels John (ebenfalls John McIntire) an. Ein tragisches Ereignis macht dann alles noch viel schlimmer...

Nach Jahren der Flucht und dem Untertauchen wird er als friedlich lebender Farmer schließlich gefangengenommen und das Gericht verurteilt ihn zu 25 Jahren Haft. Nach 16 Jahren wird er begnadigt und trifft seine Frau wieder, die die Ranch in Alabama nie aufgegeben hat und inzwischen einen 16jährigen Sohn (Race Gentry) hat. Auch dieser scheint dem Vater nachzuschlagen. Er kann irre gut mit dem Colt umgehen. Aus dieser Szene - dem Wiedersehen zwischen Vater und Sohn - entsteht am Ende noch ein dramatisches Showdown. Das wahre Leben von John Wes Hardin verlief da etwas anders. Aber trotz der vielen Zugeständnisse an das Hollywood Publikum, die auch einen Rock Hudson mit Happyend sehen wollten, gelang dem erklärten Frauenliebling des 50er Jahre Kinos eine recht ansprechende Darstellerleistungö. Es gelingt ihm verschiedene Facetten der Figur deutlich zu machen, eine gelungene Mischung aus Gut und Böse, was im Hollywood Kino der frühen 50er Jahre gar nicht so oft vorkam - Hudsin zeigt zum einen den etwas leichtfertigen, träumerischen jungen Heißsporn, der in seinem Leben Action braucht - zum anderen aber auch den verantwortungslosen Gunslinger, der mit seinem labilen Verhalten seine Lieben vor harte Prüfungen stellt. Kameramann Irving Glassberg wurde von Walsh darum gebeten, eine Farbgebung in Pastell zu machen, er war kein Freund dieser brillanten Farben und bevorzugte eher zarte und leichte Farben.


Bewertung: 7 von 10 Punkten.

 

Donnerstag, 9. September 2021

Duell in Dodge City (The Gunfight at Dodge City)


Regie: Joseph M. Newman

Drauf und dran...

Zu den bekanntesten Filmen des Hollywood-Regisseurs Jospeh M. Newman zählen "Metaluna IV antwortet nicht" und "Die Feuerspringer von Montana".  In den 30er Jahren wurde er in der damalig vergebenenen Oscarkategorie "Bester Regieassistent" zweimal (1936 für "David Copperfield" und 1937 für "San Francisco") nominiert. Mit "Die letzten der 2. Schwadron" aus dem Jahr 1958 und "Duell in Dodge City", der ein Jahr später gedreht wurde, schuf er zwei überaus interessante B-Western.
"Duell in Dodge City" ist in Deutschland eher unter dem Titel "Drauf und dran" bekannt und zeigt Westernhaudegen Joel McCrea in Höchstform. Der Film erinnert auch etwas an "Wichita" von Jacques Tourneur - dort spielte McCea den berühmten Wyatt Earp, der für Recht und Ordnung sorgt. Earp ging nach Wichita nach Dodge City um dort dem Gesetz Geltung zu verschaffen. Und damit sind wir auch schon wieder beim "Duell in Dodge City". Joel McCrea ist aber hier nicht Wyatt Earp, dafür spielt er einen anderen bekannten Revolverhelden. Im Film wird die die Geschichte von Bat Masterson erzählt.
Die Handlung des Films orientiert sich jedoch nur an einigen groben Eckdaten aus dem Leben des Wild-West-Revolverhelden und ist somit recht frei gestaltet.
"Duell in Dodge City" gefällt nicht nur wegen dem überzeugenden Auftritt seines Hauptdarstellers, auch die Geschichte selbst ist sehr spannend inzeniert. Wie immer agiert McCrea lässig und selbstbewusst. In der ersten Szene ist er mit dem geistig zurückgebliebenen jungen Billy Townsend (Wright King) in der Prärie unterwegs. Die beiden haben Büffel gejagt und wollen nun in der Stadt die Felle verkaufen. Doch von Dave Rudabaugh (Richard Anderson) werden sie gewarnt. Sie sollen nicht in die Stadt kommen, denn dort wartet ein eifersüchtiger Soldat, der glaubt Bat Masterson würde ihm seine Verlobte ausspannen. Dennoch lässt sich Masterson nicht gleich einschüchtern. Tatsächlich kommt es zum Duell, Masterson hat den Anderen erschossen und nun wird es höchste Zeit einen neuen Wirkungskreis zu suchen. Den findet er in Dodge City, wo sich sein Bruder Ed (Harry Lauter) bei der Wahl zum Sheriff aufstellen lässt. Ed ist auch mit der hübschen Pauline (Julie Adams), der  Tochter des Reverends (James Westerfield) verlobt. In der Stadt selbst hat der korrupte Sheriff Jim Regan (Dan Haggerty) das Sagen. Es herrscht das Recht des Stärkeren, die Cowboys führen sie wie eine Horde Verrückter auf und daher ist auch der Spielsaloon von Lily (Nancy Gates) nicht mehr das, was er mal war. Wenig Gäste und daher wenig Geld. Wenn dies so weitergeht, wird Regan bald den Saloon übernehmen können denn Lily bliebe nichts anderes übrig als zu verkaufen.
Doch als Bat Mastersons in die Stadt kommt, ändern sich die Zeiten. Er wird zum Kompagnon von Lily und von Doc Sam Tremaine (John McIntire) im Kampf gegen die Machenschaften des fiesen Sheriffs unterstützt. Dann wird Bats Bruder Ed hinterrücks erschossen...

Der Film hat eine knackig kurze Laufzeit von nur 80 Minuten, ist aber durchgehend in "Action", egal ob sich die Handlung in einem verruchten Spielsalon oder auf der Straße von Dodge City abspielt. Joel McCrea spielt einen starken Mann, der aber widerwillig in eine Rolle gezwängt wird, das Gesetz zu unterstützen. Später muss er aber das Gesetz dennoch brechen, weil Gesetz nicht immer Gerechtigkeit bedeutet. Auch in der Liebe ist nicht alles so sonnenklar, denn mit Julie Adams und Nancy Gates hat er hier eine Auswahl und die Liebe ist auch in Dodge City ein seltsames Spiel.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.