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Donnerstag, 30. September 2021

Fahrkarte ins Jenseits (Descision at Sundwon)



Regie: Budd Boetticher

Misslungene Rache...

Zwei der sieben Drehbücher der Ranown Western des Gespanns Randolph Scott und Budd Boetticher gehen auf das Konto von Charles Lang. Er schrieb die Bücher für "Sein Colt war schneller"  (Buchanan rides alone) und "Fahrkarte ins Jenseits" (Descision at Sundown). Und unter Fankreisen herrscht die fast einhellige Meinung, dass die vier Western unter Mitwirkung des Drehbuchautors Burt Kennedy die Besten dieser sieben Filme sind. Kennedy war verantwortlich für das Screenplay von "Der siebente ist dran", "Um Kopf und Kragen", "Auf eigene Faust" und "Comanche Station - Einer gibt nicht auf". Wobei der von Berne Giler geschriebene "Messer an der Kehle" meistens als der schwächste im Zyklus genannt wird.
Tatsächlich ist die Story in "Fahrkarte ins Jenseits" etwas holprig - für den Zuschauer erschließt es sich nicht so ganz warum die Hauptfigur Bart Allison Rache an dem Mann nehmen will, der ihm seine Frau ausgespannt hat, während er als Soldat im Krieg kämpfte. Er kannte wohl die freiwilligen Anteile seiner Freundin, denn sein bester Freund sagt irgendwann im Lauf der Geschichte "sie war nicht gut und wenn ich gewusst hätte, dass es nur wegen deiner Frau ist, dann wäre ich dir nicht hierher gefolgt".
Der andere Grund wird nicht verraten, aber möglicherweise lässt es sich durch das Verhalten des Kontrahenten Tate Kimbrough, gespielt von John Carroll, ableiten. Denn der hat sich inzwischen in einem weiteren Ort, dem verschlafenen Örtchen Sundown, breit gemacht und sich innert kurzer Zeit zu einem mächtigen Mitglied der Gemeinschaft empor geschwungen. Also ein zwielichtiger Geschäftemacher und ein Mann ohne Moral. Denn im Lauf der Handlung lernt der Zuschauer noch dessen Geliebte, Bardame Ruby James (Valerie French), kennen und auch seine zukünftige Braut, die junge, rechtschaffene Lucy Summerton (Karen Steele), die einen reichen und einflussreichen Daddy (John Litel) hat.
Der Kampf der beiden Männer findet laut Drehbuch ausgerechnet am geplanten Hochzeitstag von Kimbrough und Lucy statt. Der potentielle Rächer platzt also mitten in die Zeremonie in der Kirche. Dort spricht Bart Allison nur ein paar Drohungen aus und sucht nicht gleich die ultimative Konfrontation. Was sich als Dummheit herausstellt - denn so ist er gezwungen sich gemeinsam mit seinem Begleiter Sam (Noah Berry) in einem Lagerhaus zu verschanzen. Damit sitzen die beiden Männer in der Falle, denn der Sheriff Swede Hansen (Andrew Duggan) sichert ihnen zwar irgendwann freies Geleit ohne Festnahme zu, wenn die beiden Störenfriede nur verschwinden. Doch der Gesetzeshüter ist natürlich von Tate Timbrough gekauft. Zumindest bekommen die Zwei ein bisschen Unterstützung vom Arzt der Stadt (John Archer). Doch statt der Hochzeit gibts einige Tote...

"Fahrkarte ins Jenseits" gehört zu den bekannteren Western von Randolph Scott und mit Burnett Guffey war ein anerkannter Oscargewinner für die Cinematographie zuständig. Optisch stimmt alles in "Fahrkarte ins Jenseits". Lediglich das Drehbuch schwächelt ein bisschen, aber Randolph Scott als gealteter Westernheld zeigt auch hier sein Können, auch wenn er diesmal den gehörnten Witwer zu spielen hat. Am Ende ist keiner Sieger und die Moral von der Geschicht "Reite nicht wider besseren Wissens mit deinem Freund ins Verderben" - denn die tragischste Figur an diesem Tag wird von Noah Berry gespielt. 

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

 

Freitag, 27. August 2021

Auf eigene Faust (Ride Lonesome)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Budd Boetticher

Die Odyssee zum Richtplatz...

Ben Brigade (Randolph Scott) hat sich einen gefürchteten Namen als  erbarmungsloser Kopfgeldjäger gemacht. Im weiten, felsigen Land macht er diesmal Jagd auf den jungen Billy John (James Best), der mit seiner Gang auf der Flucht vor dem Gesetz ist. Der junge Outlaw soll in Santa Cruz einen Mann von hinten erschossen haben. Überraschenderweise wartet der Gejagte auf Ben Brigade, versucht ihn zunächst von seiner Unschuld zu überreden und bittet Brigade ihn doch des Weges ziehen zu lassen.
Doch dieser ist unerbittlich, will auf die Prämie nicht verzichten. Als Schüsse von den umliegenden Bergen fallen, scheint er in eine Falle getappt zu sein, doch Brigade lässt sich nicht einschüchtern und macht dem bereits siegessicheren Billy klar, dass er ihn, bevor er selbst zu Boden geht, in zwei Hälften geschossen hat.
Billy kann seinen Kumpanen aber eine Nachricht zurufen, die für den größeren Bruder Frank (Lee van Cleef) gedacht ist, dieser soll ihn aus den Händen von Brigade befreien.
Unterwegs machen die beiden Halt an der Postkutschenstation. Carrie Lane (Karen Steele), die resolute, schöne Frau des Besitzers wird in Abwesenheit ihres Mannes, der Pferde einfangen muss, von zwei alten Gaunern beschützt, die Brigade kennen und die auch bereits wissen, dass dieser den gesuchten Mörder aus Santa Cruz mit sich führt.
Die beiden Männer Sam Boone (Pernell Roberts) und Wid (James Coburn) sind ebenfalls Outlaws und sehr bald stellt sich heraus, dass bei der Ergreifung von Mörder Billy auch eine Amnestie winkt. Es sieht so aus als gäbe es bald einen Interessenkonflikt. Zeit zum Diskutieren bleibt aber kaum, denn die Indianer haben die Station bereits im Visier...

Budd Boetticher drehte "Auf eigene Faust" im Jahr 1959, es ist einer dieser sieben legendären Gemeinschaftsarbeiten zwischen Boetticher und Randolph Scott, die bei dem Westernfan als "Ranown Zyklus" sehr hoch im Kurs stehen.
Leider lassen sich die DVD Veröffentlichungen dieser kleinen genialen B-Western auf sich warten, bislang sind nur "Um Kopf und Kragen" und "Der siebente ist dran" erschienen.
Schade, aber vielleicht gibt es auch für  "Fahrkarte ins Jenseits", "Sein Colt war schneller", "Messer an der Kehle" und "Comanche Station" die längst überfällige DVD-Veröffentlichung.
Die Geschichte dieser Filme sind im Grunde genommen immer sehr ähnlich, Randolph Scott ist der tragische Held, der auch dunkle Seiten in sich trägt und meistens von der Rache am Tod seiner Frau angetrieben wird.
Boetticher gelingt es auch immer Randolphs Scotts Gegner interessante Wesenszüge zu verleihen, was die Rachestory immer deutlich aufwerten konnte.
Sehr zentral wird auch immer das Thema beleuchtet, dass sich der Outlaw durch gewisse Handlungsweisen die Reinigung erkämpfen kann.
Das Böse ist wichtig, weil sich das Gefühlsleben des Helden in der Vergangenheit abspielt und nur der Schurke die Fähigkeit zum Leben in der Gegenwart hat, die dem Helden fehlt, denn er wandert getrieben von einem destruktiven Ziel, das eine Art Erlösung verheissen könnte.
Boettichers kleine Western sind heute noch so frisch wie vor 50 Jahren, weil sie nicht in Nostalgie verfallen, sondern eine ironisch-distanzierte Haltung zur Geschichte einnehmen, die erzählt wird. Den Portagonisten ist bewusst, dass sie nur eine Rolle in einem ritualisierten Geschehen spielen. In "Auf eigene Faust" gibt ein furchterregender Galgenbaum ein Symbol dafür ab.

Bewertung: 9 von 10 Punkten.