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Montag, 27. September 2021

Die Schlacht am Apachenpass (The Battle at Apache Pass)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie. George Sherman

Cochise im Krieg...

George Sherman sorgte dafür, dass in seinem "Die Schlacht am Apachen-Pass" die Indianer auch mal was anderes zu tun bekamen, als nur schreiend von ihrem Pferd zu fallen. Sein Film beruft sich personell auch auf den kurz vorher enstandenen Delmer Daves Klassiker "Der gebrochene Pfeil", einer der ersten Western, die das Bild der Ureinwohner positiv darstellten. In beiden Filmen spielt Jeff Chandler seine bekannteste Rolle des Häuptling Cochise, für die er sogar mit einer Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller belohnt wurde.
Ansonsten ist "Der gebrochene Pfeil" natürlich viel emotionaler, daher publikumswirksamer und am Ende sogar als Drama angelegt. Dennoch spielte Shermans Nachzügler gute 2 Millionen Dollar an der Kinokasse ein.
Erstaunlicherweise hatte der B-Picture Routinier auch in vielen seiner anderen 50s Western für diese Liberalisierung des Western gesorgt. Hinter dieses vordergründig unverfänglichen Unterhaltungswestern stand eine zunehmende Toleranz und im Rahmen der B-Filmgesetzte auch politischer. Es war so etwas wie eine kleine Vergangenheitsbewältiung bemerkbar, oft flossen dabei ganz nebensächliche Aussagen "wir haben ihnen ihr Land weggenommen" ein. Auch in "Die Schlacht am Apachen-Pass" fallen ein paar solcher Sätze. Darüberhinaus begeistert vor allem die wunderbare Fotografie dieses Films - auch die Aufnahmen von der Schlacht am Pass sind äusserst effektiv gestaltet.
Es gibt in "Die Schlacht am Apachen-Pass" auf beiden Seiten gute Menschen, die sich für den Friedensprozess zwischen Rot und Weiß enthusiastisch einsetzen. Cochise (Jeff Chandler) beispielsweise muss sich von seinem Stamm kritische Wort anhören. Der kleine Elch (Tommy Cook) ist der jüngere Bruder des Häuptling und der würde sich sogar liebend gerne dem rebellischen Geronimo (Jay Silverheels) anschließen, der sich mit seinen Anhängern von den Chiricahua Apachen abgespalten hat und eine Art Guerillakrieg mit den weißen Soldaten beginnt. Auf der Seite der Soldaten ist es vor allem Major Jim Colton (John Lund), der durch seine Freundschaft mit Cochise zu einem Freund der Indianer wurde. Er weiß, dass Cochise ein Mann des Vertrauens ist und sein Wort hält. Doch im Fort tauchen zwei dubiose Gestalten auf, die am Frieden überhaupt nicht interessiert sind. Ein von der Regierung eingesetzer Indianerbeauftragter names Neil Baylor (Bruce Cowling) und dessen rechte Hand Mescal Jack (Jack Elam), ein Scout mit schlechtem Ruf. Die beiden schaffen es sogar in der Abwesenheit des Majors den noch unerfahrenen Leutnant Bascom (John Hudson) zum Angriff gegen die Indianer zu bewegen. Dies ist der Auftakt, der im New Mexico Territorium für eine schreckliche Schlacht sorgt...


Weil Debra Paget den Daves Film "Der gebrochene Pfeil" durch ihre Schönheit zusätzlich veredelte, darf die attraktive Squaw auch in Shermans Nachfolger nicht fehlen. Suzan Cabot spielt Nono, die Frau von Cochise. Sie dürfen sich im Film auch zärtlich küssen - was damals für einen Indianer auch sehr selten war. Damit der treue und gute Soldat nicht ganz leer ausgeht, wurde auch eine zweite wichtige Frauenrolle eingebaut. Beverly Tyler spielt die weiße Mary Kearney, die von Geronimos Krieger entführt wird und die Cochise im Kampf rechtmässig als Geisel freikauft. Ein paar Minuten wird der Zuschauer Zeuge der Eifersucht von Cochises Frau (Susan Cabot) . Shermans Film ist aber trotz der Verwandtschaft weder ein Sequel, noch ein Prequel - kein einziger Handlungsstrang weist auf den berühmten Vorgänger hin. Lediglich die Figur Cochise ist identisch und wird vom gleichen charismatischen Hauptdarsteller verkörpert.

Bewertung. 7 von 10 Punkten. 

Freitag, 27. August 2021

Vorposten in Wildwest (Two Flags West)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Robert Wise

Galvanized Yankees....

Über 60 Jahre war Regisseur Robert Wise im Filmgeschäft tätig. Er begann als Tontechniker bei John Fords "Der Verräter" (1935) und hatte 1945 mit "Der Leichendieb" seinen ersten großen Regieerfolg. Es folgten so unterschiedliche Klassiker wie "Der Tag, an dem die Erde stillstand", "Laßt mich leben", "Wenig Chancen für morgen", "West Side Story", "Bis das Blut gefriert", "The Sound of Music" oder "Kanonenboot am Yanktsee Kiang". Sein Western "Vorposten in Wildwest" entstand 1950 und ist heute beinahe schon vergessen. Der Film war kein großer Hit und wurde auch nie Geheimtipp unter den Westernfans, aber ist dennoch wert neu entdeckt zu werden. "Two Flags West" entstand zu einer Zeit als die Kavalleriefilme in Mode waren, John Ford schuf in dieser Phase auch seine berühmte Trilogie. Darüberhinaus ist Robert Wises Western auch ein besonderer Bürgerkriegsfilm, der eine sehr spezielle Episode erzählt, die einige Jahre später auch Sam Peckinpah in "Sierra Charriba" wieder thematisierte. Die sogenannten "Galvanized Yankees" waren grauberockte Südstaatensoldaten, meist Bauern oder Einwanderer, die nicht ganz diesen enormen Südstaaten-Patriotismus in sich trugen, wurden von den blauberockten Nordstaatlern während des Krieges aus dem Gefangenenlager geholt und rekrutiert. Denn es gab weit im Westen einen gemeinsamen Feind: Die Indianer. Und die Yankees brauchten Verstärkung. Präsident Abraham Lincoln soll sogar eine besonders große Rekrutenumwandlung angeordnet haben, um für die Wiederwahl seine Entschlossenheit im Kampf gegen die Rothäute zu beweisen. Es ist der Herbst 1864 und Colonel Clay Tuckers (Joseph Cotten) Männer sind als Kriegsgefangene erbärmlichen Bedingungen ausgesetzt. Der Hunger plagt die Soldaten, es werden nicht alle Männer überleben. Captain Mark Bradford (Cornel Wilde) macht aber den gefangenen Südstaatlern ein lebensrettendes Angebot. Wenn sie Soldaten der Nordarmee werden und gegen die Feinde kämpfen, dann gibts auch wieder Verpflegung. Nicht alle Männer wollen das Angebot der Yankees annehmen. Tucker lässt abstimmen, am Ende ist ein Gleichstand da und Tucker, der sich enthalten hat, muss nun die Entscheidung treffen. Er entscheidet sich für die Freiheit und den gemeinsamen Kampf. So werden die Männer von Bradford aus dem Gefangenenlager nach Fort Thorn gebracht. Der Kommandant des Forts ist der rassistische Major Kenniston (Jeff Chandler), der Hass gegen die Indianer und auch gegen die Südstaaten empfindet. Sein Bruder fiel in einer Schlacht des Bürgerkrieges. Bei seinen Männern ist er nicht besonders beliebt, auch provoziert er immer wieder die Indianer zu Angriffen. Heimlich empfindet er Zuneigung zu Elena (Linda Darnell), der Witwe seines Bruders. Er sieht sich auch als Beschützer dieser Frau, die allerdings seine Aufpasserrolle zunehmend als Belastung empfindet. Als Kenniston den Häuptlingsohn gefangennimmt und ihn in ermordet kommt es zum Angriff des Stammes auf das Fort...

Robert Wise hat die Geschichte sehr spannend verfilmt, man kann die Wut und Rachegefühle der Indianer gut nachvollziehen - denn man hätte wohl verhandeln können, aber Kenniston wählt den Krieg, als der Häutpling seinen Sohn zurückfordert, indem er wieder ins Fort reitet, man einen Schuß hört und er mit einem Pferd, auf dem der tote Sohn liegt, zurückkommt. Am Ende muss dieser schwierige Soldat sich selbst opfern, aber er hat durch sein Versagen viele Opfer unter den Soldaten und unter den Indianern verursacht. Jeff Chandler ist der Star dieses Films und er bleibt mehr in Erinnerung als die Figuren, die Joseph Cotten und Cornel Wilde spielen. Inmitten dieses Männertrios steht die Frau, gespielt von Linda Darnell, die von allen dreien begehrt wird.
In den Nebenrollen finden sich bekannte Western-Charakterköpfe wie Jay C. Flippen, Noah Berry jr oder Arthur Hunicutt.

Bewertung. 7 von 10 Punkten.

Des Teufels Lohn (Man in the Shadow)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Jack Arnold

David gegen Goliath...

Virgil Renchlers (Orson Welles) Ranch heißt "Golden Empire" und ist größer als 6 Staaten von Europa. Somit hat der reiche Großgrundbesitzer Macht und Gesetz des Örtchens Spurline in Texas.
Irgendwann in der Mitte der 50er Jahre ist dort Ben Sadler (Jeff Chandler) der beliebte Ortssheriff. Gemeinsam mit seinem Deputy Ab Begley (Ben Alexander) sorgt er hier für die Einhaltung des Rechts.
Extrem gefordert sind die Gesetzeshüter nicht, denn im Ort passiert nicht viel und alles wirkt idyllisch.
Gelegentlich wird ein Alkoholiker in der Zelle seinen Rausch ausschlafen und Ben ist glücklich verheiratet mit Helen (Barbara Lawrence).
Mit Ortsvorsteher Herb Parker (Paul Fix) ist er befreundet, auch mit allen anderen Leuten des verschlafenen Städtchens besteht ein gutes Verhältnis.
Vom italienischer Friseur Tony Santoro (Mario Siletti) lässt er sich die Haare schneiden.
Ein Tag wie jeder andere: Doch an diesem heißen Hochsommertag meldet der alte mexikanische Tagelöhner Jesus Cisneros (Martin Garralaga) einen möglichen Mord. Sein junger Freund Juan Martin (Joe Schneider) sei von Renchlers Vorarbeiter Ed Yates (John Larch)im Geräteschuppen der Ranch brutal zusammengeschlagen worden, er selber habe dies vom Fenster draussen beobachtet.
Danach sei Juan verschwunden. Der aufrechte Ben Sadler erkennt seine Pflicht der Sache auf den Grund zu gehen, obwohl man ihm in Ort unverholen rät, den Tod eines illegalen Einwanderers doch einfach zu ignorieren. Schliesslich ist die gesamte Stadt von Renchler finanziell abhängig. Da Ben nicht locker lässt, löst er schnell eine wahre Hysterie unter der Kleinstadtbevölkerung aus.
Beim ersten Treffen auf der Ranch macht der reiche Tycoon dem kleinen Gesetzeshüter gleich klar, wie das Machtverhältnis verteilt ist.
Renchlers Tochter Skippy (Colleen Miller) beobachtet die  zunehmende Nervosität des Vaters...

"Des Teufels Lohn" entstand 1957 unter der Regie von Jack Arnold, dessen Western "Auf der Kugel stand kein Name" ich vor kurzem gesehen habe und auch sehr begeistert war. Daher hat mich auch dieser eher unbekannte Neo-Western neugierig gemacht.
Mit einer Filmlänge von 77 Minuten ist der Film perfekt in allen Punkten. Die Story ist gradlinig und durch die Figuren doch so facettenreich.
Es ist die Geschichte von David gegen Goliath, eine im Westerngenre immer wieder gern erzählte Geschichte. Sei es in Michael Winners "Lawman" oder in den John Sturges Filmen "Stadt in Angst" oder "Der letzte Zug in Gun Hill"....scheinbar wird Gesetz und Ordnung von der Macht des Geldes gekauft.
Orson Welles spielt natürlich immer mal wieder den despotischen Patriarchen und Jeff Chandler ist ein Verwandter von Sheriff Will Kane aus "High Noon". Auch er steht irgendwann allein da im Kampf gegen Gerechtigkeit und Gleichheit vor dem Gesetz, denn die Bürger fürchten um ihre zufriendenstellenden, bestehenden Verhältnisse und um das kleine bisschen Wohlstand, dass sie haben.
Wenn der Patriarch zu verstehen gibt "Hier bin ich das Gesetz", dann fragt man sich, welche Entscheidung der Sheriff wählt: Die Ruhe oder den längst schon überfälligen Sturm.
Eine großartige Entdeckung eines alten zeitgenössischen Westerns, der den Charme eines B-Pictures atmet und als echter Klassiker gefeiert werden darf..


Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

 

Donnerstag, 26. August 2021

Die Plünderer (The Plunderers)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Joseph Pevney

Vier gefährliche Halbstarke...

Auf die DVD Veröffentlichung dieses exzellenten B-Western habe ich lange gewartet. Vor vielen, vielen Jahren lief "Die Plünderer" von Joseph Pevney bei der ARD an einem Samstag im Spätprogramm. Seither war ich begeistert von diesem Western mit dem leider viel zu früh verstorbenen Jeff Chandler, der durch die Rolle des Cochise in "Der gebrochene Pfeil" weltbekannt wurde. Chandler überzeugte auch in einem dritten Western, dem von Jack Arnold inszenierten und völlig unterschätze "Des Teufels Lohn" mit Orson Welles als Gegenspieler.
"Die Plünderer" entstand 1960 und wurde von Routinier Joseph Pevney inszeniert - der Filmemacher hat danach fast ausschließlich für das amerikanische Fernsehen gearbeitet und seine vorherige Filmographie ist auch nicht sehr üppig. Er drehte den Horrorfilm "Hinter den Mauern das Grauens", dann folgten "Das Haus am Strand", "Tammy" und "Torpedo los" - doch "Die Plünderer" dürfte schon sein Meisterwerk sein.
Pevneys Halbstarkenwestern glänzt mit sehr vielen guten Schauspielerleistungen. Ray Stricklyn, der den Halbstarkenanführer Jeb Lucas Tyler spielte wurde sogar als bester Nebendarsteller für einen Golden Globe nominiert. Den Durchbruch schaffte der Darsteller leider nie - es gab zwei Mankos: Er hatte es damals als geouteter Schwuler nicht leicht im Filmgeschäft und darüberhinaus wirkte er immer wesentlich jünger als er war. Dies ermöglichte ihm nur eine begrenztere Rollenauswahl.
Das Intro von "Die Plünderer" erinnert ein bisschen an Zinnemanns High Noon Anfangssequenz - einige Reiter beschließen in die verschlafene Stadt zu reiten. Doch die vier jungen Cowboys haben kein festes Ziel wie Frank Millers Gehilfen. Man erfährt, dass sie ziellos umherreiten. Man hat den Youngsters in Dodge City wohl übel mitgespielt und um den Lohn von 6 Monaten gebracht. Ziemlich frustriert kommen Jeb (Ray Stricklyn), Mule (Roger Torrey), Rondo (John Saxon) und Davy (Dee Pollock) nach Trail City. Dort im Saloon bestellen sie beim Besitzer Mike Baron (James Westerfield) eine Flasche Whisky. Aber sie geben an kein Geld zu haben und man solle vorsorglich den Sheriff (Jay C. Flippen) holen. Dieser gibt sich alle Mühe der Zechbrellerei mit weiterem Konfliktpotential zu nähren. Der Vorschlag nach dem Kneipenbesuch eine Nacht in einer Zelle zu verbringen und am anderen Morgen aus der Stadt zu verschwinden wird von den vier Jungs sogar dankend aufgenommen. Doch am anderen Morgen sieht die Welt ganz anders aus. Die Youngsters haben bemerkt, dass die Bewohner konfliktscheu sind und so loten sie deren Nachgibigkeit weiter aus. Immerhin bräuchten sie frische Kleidung und dies holen sie bei dem Händler Walters (Vaughn Taylor), der eine äusserst schöne Tochter namens Ellie (Dolores Hart) hat. Genau wie am Abend vorher in der Kneipe wird auch der versehrte Bürgerkriegsveteran Sam Christy (Jeff Chandler) Zeuge eines dreisten Diebstahls. Die Cowboys gehen ohne zu bezahlen und mieten ein Hotelzimmer bei der Witwe Kate Miller (Marsha Hunt). Nun wollen die Bürger, dass irgendjemand die Rüpel aus der Stadt jagt, doch der Sheriff scheint zu alt und der Rest der Bewohner hat Angst. Man setzt auf den einarmigen Christy, doch der meint, dass dies nicht sein Problem sei. Als die vier kurze Zeit später wieder im Saloon einkehren und vier saftige Steaks bestellen, platzt dem Saloonbesitzer der Kragen. Aber nun eskaliert auch der Konflikt zwischen den Plünderern und den Bewohnern...

Pevneys Film ist extrem vielschichtig und bietet mit den Youngsters vier ganz unterschiedliche Charaktere. Einer ist der Aggressor, der andere ein Mitläufer, der gerne seine Fäuste schwingt, ein weiterer ist sehr undurchsichtig und den Jüngsten plagen bald Gewissensbisse. Auch die Figur des Ex-Majors ist ambivalent - er kämpft mit seinem körperlichen Handicap und will seine 'Angst nicht zeigen. Stattdessen geht er lieber zuerst dem drohnenden Kampf konsequent aus dem Weg. Beide Frauenfiguren sind unterschiedlich und am Ende präsentiert Pevney sogar noch einen Bürgermob, die ständig zwischen Angst und Lynchlust schwankt.

Bewertung: 9 von 10 Punkten.