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Montag, 27. September 2021

Die Mestizin von Santa Fe (Santa Fe Passage)


Regie: William Witney

Liebe und Hass...

In einem Interview mit der New York Times erzählte der Kultregisseur Quentin Tarantino, dass der Routinier William Witney zu seinen Lieblingsregisseuren gehört, vor allem der 1949 gedrehte "The Golden Stallion" zählt Tarantino zu seinen Westernfavoriten. William Witney drehte im Laufe seiner Karriere über 100 B-Pictures, einige wie "Aufstand in Arizona" oder Goldtransport durch Arizona" mit Audie Murphy. Sehr hohen Stellenwert bei Westernfans haben auch "Brandmal der Rache" und der eher ungewöhnliche Indianerfilm "Die Mestizin von Santa Fe", den er im Jahr 1955 drehte.
Dabei spielt John Payne den Indianerhasser Kirby Randolph. Sein Hass basiert allerdings auf Erfahrungswerte mit dem wilden Kiowa Häuptling Satank (George Kaymas). Dieser hat ein Massaker an einem Siedlertreck angerichtet, bei dem Randolph als erfahrener Pfadfinder die Verantwortung für den sicheren Geleit übernommen hatte. Mit dabei ist sein Kumpel Sam Beekman (Slim Pickens), dem die erste szene gehört. Zwei Reiter jagen durch die Prärie, der Verfolgte ist ein Indianer. Der wird von Sam gefangengenommen, er spuckt die Rothaut verächtlich ins Gesicht und würde nur zu gerne kurzen Prozess machen, doch der besonnene Kirby hält ihn davon ab und lässt den Indianer laufen. Mit dieser Geste will er dem Stamm der Kiowa beweisen, dass sie freundliche Absichten haben und hofft so, dass der Treck unbeschadet die Überquerung des Indianergebiets überlebt.
Als Kirby und Sam zu den Indianern reiten, um mit ihnen zu verhandeln haben sie Geschenke dabei. Gewehre und Alkohol. Die Indianer fordern die beiden Scouts mit ihnen zu trinken und bald sind alle betrunken. Nur mühsam können sich die alkoholisierten Freunde davonschleichen und sind sich sicher, dass der Treck bereits in Sicherheit ist. Doch sie irren: Während dem Saufgelage hat der Rest des Stammes den Treck überfallen und alle Siedler getötet. Kirby ist nun ein geächteter Mann. Er findet wohl nie mehr eine Anstellung als Treckführer. Doch Jess Griswold (Rod Cameron) gibt ihm noch eine Chance. Er soll einen Treck begleiten, der eine Munitionssendung nach Mexiko liefern will. Ein gefährliches Unterfangen, wenn die Indianer herausfinden was für eine brisante Fracht hier transportiert wird. Kirby passt es auch nicht, dass die Indianerin Ptewaquin (Irene Tedrow) im Wagen der hübschen Aurelie St. Clair (Faith Domergue) mitfährt. Er traut keiner Rothaut mehr. Doch Miss St. Clair, die Verlobte von Griswold, besteht darauf, dass die Indianerin bleibt. Somit kann die Reise beginnen. Kirby verliebt sich in Griswolds Mädchen, weiß aber nicht, dass sie ein Mischling, eine Mestizin, ist...

Mit dieser Konstellation kann es los gehen und William Witneys straffe Inszenierung sorgt auch für eine gute Portion Spannung. Zudem ist die Geschichte gut gefüttert mit Themen wie "Rassismus" und "Rehablitation". Auch der Konflikt der beiden Konkurrenten um die Gunst der schönen Frau gehört zu den klassischen Westernstoffen. Dabei spielt Rod Cameron als Konkurrent des Filmhelden einen ehrbaren Mann, der auf das Gerede der Anderen nicht hört und dem ruinierten und gestrauchelten John Payne eine neue Chance gibt. Natürlich ist ein Wagentreck immer ein gutes Sujet für einen guten Western, man denkt an nahe filmische Verwandte wie "Karawane der Frauen", "Der große Treck", "Der Weg nach Westen" oder "Westlich St. Louis"
 
 Bewertung: 7,5 von 10 Punkten 

Donnerstag, 23. September 2021

Todesfaust (Tenessee´s Partner)


Regie: Allan Dwan

Tennessee´s Freund...

"Todesfaust" ist ein Film, den der Regieveteran Allan Dwan im Jahr 1955 gedreht hat. Der Film heißt im Original "Tennessee´s Partner" und ist neben "Stadt der Verdammten" Dwans bester Western - beide Arbeiten zählen zu Recht zu den besten B-Western überhaupt. In beiden Filmen spielt John Payne die Hauptrolle und als Glücksspieler Tennessee ist er hier perfekt besetzt.
"Todesfaust" ist auch ein Film über die Freundschaft zweier sehr unterschiedlicher Männer, denn dem Glücksspieler läuft rein zufällig ein namenloser Cowboy - gespielt von Ronald Reagan - über den Weg, der ihm das Leben rettet.
Denn als Pokerkönig hat Tennessee nicht nur viele Bewunderer, sondern auch viele Neider. Und genauso viele Spieler, die Geld an ihn verloren haben. Tennessee hat ein Verhältnis mit der selbstbewussten Duchess (Rhonda Fleming), die in der Stadt Sand Hill ein eigenartiges Etablissement mit Heiratsvermittlung führt. Die Frau ist verliebt in Tennessee, doch dem geht seine Freiheit über alles und er denkt nicht daran sich zu binden. Tennessees größter Widersacher ist der vermögende Turner (Anthony Caruso), der aber stets im Dunkel agiert. Bei einem Pokerspiel verliert ein Gentleman viel Geld und bezichtigt Tennessee als Falschspieler. Einen Tag später lauert der Geprellte im Hinterhalt und will sich an Tennessee rächen. Zum Glück kommt der Goldsucher Cowpoke (Reagan) gerade vorbei und hilft aus der brenzligen Situation. Die beiden Männer werden spontan zu Freunden. Cowpoke will in Sand Hill Gold schürfen und hat es schon zu einem kleinen Vermögen gebracht. Grund genug eine gewisse Goldie (Coleen Gray) zu ehelichen, die der gutmütige Naivling vor kurzem kennengelernt hat. Tennessee staunt nicht schlecht als der Cowpokes angehende Gattin sieht - er kennt die Lady von früher und in dieser Zeit war sie mit ganzer Leidenschaft ein Flittchen. Als der alte Goldsucher Grubstake Gold findet, dreht die gesamte Stadt fast durch und feiert. Am anderen Tag wird der alte Mann ermordet aufgefunden. Der Verdacht fällt auf Tennessee, der wegen dieser Goldie bereits mit seinem neuen Freund in Konflikt geraten ist...


Am Ende steht eine Szene, in der der Cowboy zum zweiten Mal seinem Freund das Leben rettet "und dabei kannte ich noch nicht mal seinen richtigen Namen" wird der Zuschauer John Payne in einer der letzten Szenen des Films sagen hören. Ein Satz, den zwei Jahrzehnte später auch Richard Brooks in seinem "700 Meilen westwärts" wiederverwendet hat. Bei Brooks gehört der Satz Gene Hackman, in dessen Arm gerade der namenlose Cowboy Ben Johnson gestorben ist. Dwan war beim Dreh schon 70 Jahre alt und blickte bereits auf eine Filmkarriere zurück, die in den frühen kindertagen des Films - im Jahr 1911 - begann. Dwan drehte den Stummfilm "Robin Hood" mit dem damaligen Superstar Douglas Fairbanks. Es war der Autorenfilmer Peter Bogdanovich, der den Filmpionier mit der Biographie "The Last Pioneer" wieder in die Erinnerung der Filmfans brachte.

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

 

Stadt der Verdammten (Silver Lode)


Regie: Allan Dwan

Menschenjagd in Silver Lode...

Allan Dwan hat mal in einem Interview gesagt, dass er sehr stolz auf "Stadt der Verdammten" (Originaltitel: Silver Lode) sei. Er hat aber gemeint, dass es kein politischer Film sei, wie oft vermutet wurde. Nicht allein wegen dem Namen des Schurken McCarthy. Vielmehr wollte er eine satirische Beschreibung einer heuchlerischen Gemeinde aufzeigen. Das Thema war, dass ein Mann aus falschen Gründen verdammt wird und dann sogar aus anderen falschen Gründen rehabilitiert wird. Die Kritiker und Fans, die in dem 1954 entstandenen Western mehr sahen, gaben vor allem auch dieses hysterische Progrom gegen die Bürger an, die dieser Hexenjäger im Nu entfesselt und die Denunzianten damit merklich fördert.
Über New York landet Dwann 1911 in der aufstrebenden Traumfabrik Hollywood. In den nächsten 7 Jahren ist er Regisseur und teilweise auch Drehbuchautor für über 200 Produktionen, meistens waren es Kurzfilme. In den Roaring Twenties gilt er als einer der größten Regisseure seiner Zeit, doch viele seiner Filme gelten leider heute als verschollen. Mit dem Siegeszug des Tonfilms verblasste sein Status als Legende, er konnte aber dennoch immer wieder Filmerfolge feiern, beispielsweise mit "Heidi" (in der Hauptrolle Kinderstar Shirley Temple) oder "Suez" (mit Tyrone Power). Dann wurde es still um ihn, ein Comeback feierte er mit dem John Wayne Kriegsfilm "Du warst unser Kamerad". Zu seinen bekannten Western neben "Stadt der Verdammten" zählen auch "Königin der Berge" und "Todesfaust".
Nirgends ist es so schön wie daheim in Kansas, im kleinen Städtchen Silver Lode. Doch der Schein trügt. Am 4. Juli, dem amerikanischen Nationafeiertag reiten mehrere Männer in eine kleine Stadt. Der Anführer von ihnen, ein gewisser McCarthy (Dan Duryea) macht einen finsteren Eindruck, auch seine Männer (u.a. Harry Carey jr, Stuart Whitman) wirken so wie Banditen. Doch McCarthy weist sich als US-Marshall aus. Er hat den weiten Weg gemacht, damit er - so wie er sagt - den Mörder seines Bruders verhaften kann, wo ihm im entfernten Discovery, California der Prozess gemacht werden soll. McCarthy will ihn Tot oder lebendig. Dieser Haftbefehl beschuldigt den unbescholtenen Farmer Dan Ballard (John Payne) der gerade an diesem Feiertag auch kurz vor seiner Trauung mit Rose Evans (Lizabeth Scott) steht, die einen reichen Vater (Moris Ankrum) hat. Roses Bruder Mitch (John Hudson) ist sein bester Freund, ebenso halten auch der Richter Cranston (Robert Warwick) oder Sehriff Wooley (Emile Meyer) große Stücke auf Dan, der allerdings erst vor 2 Jahren in der Stadt aufgetaucht ist. Er machte damals eine zerlumpten Eindruck, hatte aber 20.000 Dollar bei sich, mit denen er dann in Silver Lode ein neues Leben aufbauen konnte. Er war ehrlich und fleißig und keiner hatte in jemals über seine Vergangenheit ausgefragt. An diesem heutigen Tag holt sie ihn wieder ein. Zuerst hält beinahe der ganze Ort seine schützende Hand auf Dan, sie wollen den Marshall begleiten, weil man durch dessen Auftreten befürchtet, dass Dan den Ritt nach Californien nicht überlebt. Er soll den Mann beim Pokerspiel von hinten erschossen hat, nachdem er als Falschspieler entlarvt wurde. Dans Version ist Notwehr. Er bittet darum 2 Stunden Aufschub zu bekommen, damit er sich durch ein Telegramm entlasten kann. Doch die Stimmung wendet sich schnell gegen ihn, in der Stadt kommen schnell Klatschgeschichten auf, die von vielen Neidern erzählt werden. Als er fürchtet, dass auch Rose sich von ihm abwendet, sucht er Hilfe bei der Barsängerin Dolly (Dolores Moran), mit der mal ein Verhältnis hatte...

Nicht nur in dieser Konstellation erinnert "Stadt der Verdammten" ein bisschen an das Dreiergeflecht Gary Cooper - Grace Kelly - Katy Jurado in dem berühmten "High Noon". Auch sonst gibt es einige Ähnlichkeiten. Doch Dwan war ein Meister im Herunterkurbeln seiner Werke, er wollte immer das Budget einhalten. Und das war mit 700.000 bis 800.000 Dollar schon damals nicht besonders üppig. Produzent war Bendedict Bogeaus, der auch das vormals opulentere Drehbuch schrieb. Dwan kürzte es auf Budgetgröße, was zuerst für schlechte Stimmung sorgte und erst durch den Erfolg des Films wieder etwas harmonischer wurde. Im Endeffekt machte das Gespann viele weitere B-Pictures.
"Stadt der Verdammten" ist ein Film des Stummfilmpioniers Allan Dwan: Klar, einfallsreich, flüssig, ironisch und völlig unspektakulär. Sehr auffällig sind die durch die Fenster der Häuser gefilmten Einstellungen auf die Stadt. Dwan war einer, der auf die vertraute Architektur und Kulisse der typischen Hollywoodschen Westernstadt extrem vertraute. Dabei stand ihm meistens der exzellente Kameramann John Alton zur Verfügung, der bekannt war für seinen genialen Lichteinsatz.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

Donnerstag, 2. September 2021

Postraub in Central City (Road to Denver)


Regie: Joseph Kane
 
Kain und Abel im Wilden Westen...
 
Überraschend ist doch das Ende von Joseph Kanes Western "Postraub in Central City" (Originaltitel: Road to Denver), denn ich habe fest damit gerechnet, dass es im Bruderduell einen Verlierer geben muss. Hier muss er mal ausnahmsweise nicht für seine Taten bezahlen, denn sein großer Bruder hat alles verziehen und für ihn die rechte und linke Wange hingehalten. Dafür wird er am Ende des Westerns auch belohnt, er schafft den Sprung vom Tagelöhner zum Unternehmer. Eine Rolle, die perfekt zugeschnitten ist auf John Payne, dessen bester Film vielleicht "Stadt der Verdammten" von Allan Dwan ist. Sein hitzköpfiger, übermütiger Bruder wird von Skip Homeier gespielt - einer der beliebtesten Nebendarsteller aus zahlreichen guten B-Western.
Bill Mayhew (John Payne) muss seinem Bruder Sam (Skip Homeier) öfters aus der Patsche helfen, denn der gibt gerne an, überschätzt sich öfters, trinkt zu viel und sucht bei der besten Gelegenheit Streit. So musste er ihn nach einer Rodeowette, die er verlor und danach eine Schlägerei verursachte, aus dem Gefängnis befreien. Daher mussten die beiden ungleichen Brüder Texas verlassen, doch Sam würde gerne eigene Wege gehen, da ihn die Bevormundung und die Moralpredigten des älteren Bruders extrem nerven. Ausserhalb Texas angekommen kann Sam einen Rancher überzeugen, dass er zwei fleißige Arbeitskräfte braucht. Doch dazu kommt es nicht, weil Sam dessen subjektive Schilderung einer Bürgerkriegsschlacht nicht so auf sich sitzen lassen kann. Der Rancher wird kurzerhand k.o. geschlagen und wieder heißt es für die Brüder "Abhauen".
Nachdem sie ihre Verfolger abschütteln konnten, trennen sich ihre Wege. Sam möchte den großen Bruder nie wieder sehen und auch nichts mehr mit ihm zu tun haben. Das Schicksal oder das Filmdrehbuch will es so, dass aber beide - unabhängig voneinander - ihr Glück im aufstrebenden Städtchen Central City suchen. Bill bekommt eine grundsolide Anstellung beim ehrlichen Unternehmer Sutton (Ray Middleton), der noch eine hübsche heiratsfähige Tochter (Mona Freeman). Sam kommt ein paar Tage später in den Ort und sucht eher einen Job, bei dem man schnell sehr viel Geld verdienen kann. Dies kann ihm der srupellose Spielhöllenbesitzer Donovan (Lee J. Cobb) anbieten. Sam wird sozusagen seine rechte Hand und es kommt seinem Arbeitgeber darauf an, dass der durchsetzungsstark ist und gut mit der Waffe umgehen kann. Ein Mann fürs Grobe also. Auch Sam lernt Elizabeth kennen, auf die der ältere Bruder natürlich schon ein Auge geworfen hat. Sutton selbst will ein Postunternehmen gründen, das die Postverbindungen bis nach nach Denver sicherstellt. Auf dieses Projekt hat aber auch der böse Donovan schon ein Auge und seine Männer sollen dafütr sorgen, dass alles in seine Hände fällt...

Zum einen ist "Postraub in Central City" ein Film über den Aufbau des Westens. Die Pioniere, die ein Risiko eingehen um dem wilden weiten Land die Zivilisation zu bringen. In den alten Tagen des Westens musste man Wagemut und die ganze Kraft einsetzen. Doch der Erfolg konnte sich aber sehr schnell einstellen. Das dominante Thema ist aber der Streit unter den Brüdern und die Gefahr, dass der kleine Bruder so sehr unter die Räder kommt, weil er immer damit beschäftigt ist seinem Bruder beweisen zu müssen, dass er auch seine Stärken hat. In Joseph Kane buhlen dann auch die beiden um das gleiche Mädchen.
Lee van Cleefs Nebenrolle ist auch etwas denkwürdig, denn hier muss der beliebte Westernschurke gleich zweimal mächtig Prügel einstecken und sich so zum Affen machen.
 
Bewertung: 7 von 10 Punkten.