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Samstag, 9. Oktober 2021

Treibsand (The Walking Hills)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: John Sturges

Ein Goldschatz im Grenzgebiet...

Der Film "Treibsand" aus dem Jahr 1949 ist einer der ersten Filme von Western-Regisseur John Sturges, der später Genremeisterwerke wie "Zwei rechnen ab", "Der letzte Zug von Gun Hill" oder "Die glorreichen Sieben" drehte. "Treibsand" heißt im Original "The Walking Hills" und ist in schwarz-weiß gedreht. Dies gibt dem B-Picture ein bisschen Noir-Feeling und die Besetzung mit Randolph Scott, Ella Raines, Arthur Kennedy und John Ireland ist recht attraktiv. Es ist die Geschichte einer Schatzsuche einiger Männer, die sich zufällig in der mexikanischen Grenzstadt Mexicali beim Pokerspiel kennenlernen. Die Staatsgrenze ist mitten in der Stadt. Wer die Grenze passiert, ist in der US-Stadt Calexico angekommen. In dem Hinterzimmer einer Cantina wird Poker gespielt. Jim Carey (Randolph Scott) ist ein Pferdezüchter, Old Willy (Edgar Buchanan) sucht in der Gegend Gold. Neben den beiden Cowboys Shep (Willliam Bishop) und Johnny (Jerome Courtland) sind auch ein Fremder names Frazee (John Ireland) und der Drifter Chalk (Arthur Kennedy) mit von der Partie. Gitarrist Josh (Josh White) singt und spielt dazu und Barkeeper Bibbs (Russell Collins) ist gespannt wer das Pokerspiel gewinnt. Johnny, der von der US-Polizei gesucht wird macht dabei beiläufig die Bemerkung, dass sein Pferd kürzlich über ein altes Wagenrad in den Hügeln der Wüste gestolpert ist. Plötzlich werden alle Männer still. Sie haben kurz zuvor von diesem legendären Waggonzug mit Goldbarren im Wert von 5 Millionen Dollar geredet, der vor 100 Jahren in den Walking Hills, diesem riesigen Dünengebiet verloren gegangen ist. Ist Johnny durch Zufall auf den Schatz gestoßen ? Die Männer schwören, dass sie Stillschweigen bewahren und machen sich auf die Suche nach dieser Stelle von der Johnny berichtet hat. Dabei merken sie bald, dass ein Reiter folgt. Es stellt sich heraus, dass es Chris Jackson (Ella Raines) ist. Die Frau ist den Männern gefolgt, denn mit dem Cowboy Shet verbindet sie ein Geheimnis und auch Jim Carey ist ihr nicht egal...

Schon sehr früh wird dem Zuschauer auch klar, dass dieser Shet ein Geheimnis hat. In der ersten Szene wird er in Calexico von zwei Männern beschattet. Einer von den beiden will ihn sofort festnehmen, der andere wartet und bestimmt dann, dass man den Cowboy nicht daran hindert die mexikanische Grenze zu passieren. Natürlich ist dieser Mann auch beim Suchtrup dabei. Als sie tatsächlich den Schatz entdecken, kommt natürlich die menschliche Gier wieder voll zum Tragen. Als Höhepunkt präsentiert John Sturges einen schrecklichen Sandsturm, der noch einmal alles durcheinanderwirbelt. Gekonnt hält der Regisseur die Balance zwischen Abenteuer- und Liebesfilm.

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Montag, 27. September 2021

Vom Teufel verführt (The Rawhide Years)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Rudolph Mate

Unschuldig gejagt...

In der Kategorie "Beste Kamera" wurde der aus Österreich stammende Rudolph Mate (geboren am 21. Januar 1898 als Rudolf Mayer in Krakau) insgesamt fünfmal für den Oscar nominiert: 1941 für Hitchcocks "Der Auslandskorrespondent", 1942 für "Lord Nelsons letzte Liebe", 1943 für "Der große Wurf", 1944 für "Sahara" und 1945 für "Es tanzt die Göttin". Dennoch ging er immer leer aus. Mate war bereits in der Stummfilmzeit als Kameramann berühmt. Er war Carl Theodor Dreyers Mann für die Bilder der Klassiker "Die Passion der Jungfrau von Orleans" und "Vampyr".  1947 wechselte er auf den Regiestuhl. Als Regisseur löste er zwar nicht die gleiche Begeisterung aus wie als Chefkameramann, aber er drehte dennoch einige überzeugende Filme. Seine beste Arbeit ist sicherlich der Film Noir "D.O.A." (Opfer der Unterwelt), erfolgreich war auch der Science Fiction Film "Der jüngste Tag" oder die Abenteuerfilme "Der eiserne Ritter von Farnsworth" oder "Der Löwe von Sparta". Mit dem jungen Tony Curtis drehte er im Jahr 1955 den temporeichen Western "Vom Teufel verführt". Es war bereits die zweite Arbeit mit dem aufstrebenden Jungstar, der einige Jahre später zu den erfolgreichsten Filmstars aufsteigen konnte.
"Vom Teufel verführt" heißt im Original "The Rawhide Years" und erzählt die Geschichte des jungen Riverboat-Spielers Ben Matthews (Tony Curtis) dessen Mentor Carrico (Donald Randolph) mit gutem Erfolg reiche Mitreisende auf den Mississippi Dampfern mit seinen Kartentricks betrügt. Auf einer dieser Fahrten bringen sie einen alten Geschäftsmann um das ganze Vermögen. Der Großrancher Matt Comfort (William Demarest) beobachtet mit Sheriff Sommers (William Gargan) das Spiel und ist sich sicher, dass die beiden Männer falsch spielten, kann es aber nicht beweisen. Er lässt sich von Ben zu einem Spiel überreden, dass er dann überraschend gewinnt: Ben hat seine guten Karten nicht gegen ihn eingesetzt und ihn gewinnen lassen. Dies imponiert dem alten Rancher und beide treffen sich anschließend in Comforts Kabine, wo Ben eine Anstellung auf der Ranch in Aussicht gestellt bekommt. Doch soweit kommt es nicht. Flußpiraten ermorden Comfort und der Verdacht fällt gleich auf Ben und Carrico. Ben kann zwar fliehen, aber in der Stadt Galena lyncht man gerne ohne Prozess Verdächtige und so hängt Bens Mentor ziemlich schnell am Galgen. Ben sagt seiner Liebchen Zoe Fontaine (Colleen Miller) Adieu und muss sofort verschwinden. Das Mädchen will aber auf ihn warten. Doch der Geschäftsmann Andre Boucher (Peter van Eyck), dem auch die Bar gehört, fährt auch auf sein singendes Zugpferd ab. Es vergeht eine gewisse Zeit, Ben wird Cowboy und tatsächlich hat er danach die Möglichkeit in Galena den Verdacht gegen ihn auszuräumen. Auf dem Weg dorthin lernt er den sympathischen Tagedieb Rick Harper (Arthur Kennedy), der es eigentlich auf die Dollars, die Ben verdient hat, abgesehen hat. Doch irgendwie kommen sich die beiden Männer auch freundschaftlich etwas näher. Ben bucht mit seinem neuen Begleiter eine Passage über den Mississippi. Dann tauchen erneut die Flußpiraten auf..

Ein schöner Technicolorwestern mit einigen netten Einfällen. Eine indianische Holzfigur wird schließlich den miesen Banditen zum Verhängnis. Doch bevor sich Ben reinwaschen kann, muss er noch einige Abenteuer bestehen und auch einige Ganoven aus dem Weg räumen. Dabei geben der gutaussehende Sunnyboy Tony Curtis und Arthur Kennedy als liebenswertes Schlitzohr ein sehr gutes Gespann ab. Es ist Arthur Kennedy, meistens in ernsthaften Rollen besetzt, der hier mit einer immensen Spielfreude dem Film eine humorvolle Note verleiht. Und die steht der Geschichte ausserordentlich gut. In einer Schlüsselrolle ist der deutsche Filmschauspieler Peter van Eyck zu sehen, der leider viel zu früh starb und mit seiner Rolle als Bimba in Clouzots Nitroglyzerin Thriller "Lohn der Angst" unvergessen bleibt.

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

 

Santiago, der Verdammte (The Naked Dawn)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Edgar G. Ulmer

Auf der Suche nach einem besseren Leben...

Edgar G. Ulmer stammt aus Wien und wurde mit 16 Jahren Bühnenbildner von Max Reinhardt. Als Regisseur war er bekannt dafür, dass er mit niedrigstem Budget das Beste herausholen konnte. Diese Wertschätzung kam aber erst in den späten 50er Jahren zustande, weil der Filmemacher von den Machern der französisischen Filmzeitschrift Les Cahiers du Cinema entdeckt wurde. Auch Francois Truffaut zählt zu seinen Bewunderern und gab Ulmers Mexico-Western "Santiago - Der Verdammte" als Inspirationsquelle für seinen berühmten Klassiker "Jules und Jim" an. Dabei trat Ulmer zuerst mal als Szenenbildner im deutschen Film der 20er Jahre in Erscheinung. Seine Arbeiten für "Der Golem", "Die Nibelungen", "Metropolis" oder "Menschen am Sonntag" sind grandios. Danach arbeitete er auch im selben Bereich für Murnaus Filme "Tabu" oder "Sunrise" in Hollywood. Mit "Die schwarze Katze" nach Edgar Allen Poe versuchte er sich als Regisseur. Der Film wurde ein Klassiker des Horrorgenres. Auch der Film Noir "Umleitung" wird heute immens wertgeschätzt. Zur Zeit ihrer Entstehung wurden seine Regiearbeiten von der US-amerikanischen Filmkritik weitestgehend ignoriert. "Santiago - Der Verdammte" ist vielleicht der bekannteste unten den vielen B-Pictures, die er in den US gedreht hat. Eine naive und sentimentale Geschichte, die von echten Gefühlen beherrscht wird, wie ein Filmkritiker einmal über das Werk schrieb. Ulmer selbst baute seinen ungewöhnlichen Western als Art Mysterienspiel auf. Der Filmemacher gab an, dass er sehr beinflusst war vom Theater des Mittelalters, von den damaligen Schwänken und Mysterienspielen, in denen die Moral einen sehr großen Stellenwert hatte. Während bei John Ford der Mann im schwarzen Hemd das Böse repräsentiert und der Held im weißen Hemd daherkommt, strebte Ulmer immer die Vermischung an.
Zur Handlung: Es war einmal in Mexiko. Die Revolution ist vorüber. Zwei Bauern, Santiago (Arthur Kennedy) und Vicente (Tony Martinez) sind durch die Kämpfe zu entwurzelten Outlaws geworden. In Matamoros versuchen sie am Bahnhof einen Waggon aufzubrechen und wertvollen Armbanduhren zu stehlen. Doch der Bahnvorsteher (Francis McDonald) entdeckt die Räuber und schießt auf sie. Dabei wird Vicente getroffen und schwer verwundet. Es gelingt den beiden zwar noch die Flucht in die Berge, doch der Verletzte stirbt in den Armen seines Freundes Santiago, der Vicente mit den letzten Worten die Angst vor der Strafe Gottes nimmt und ihm den Himmel nahe bringt, den er auf der Erde niemals hatte. Er reitet am Morgen weiter und findet Zuflicht bei einem jungen Ehepaar. Manuel Lopez (Eugene Iglesias), gerade mal 20 Jahre ist mit der hübschen Maria (Betta St. John) verheiratet, die er aber nicht sonderlich gut behandelt. Für Santiago bedeutet die junge Frau aber mehr. Mit ihr an seiner Seite könnte er nochmals den Mut aufbringen, seinem Leben einen Halt zu geben. Er überredet Manuel, der ein Auto hat, ihn in die Stadt zu begleiten. Dort versucht er beim Hehler Guntz (Roy Engel) die Uhren zu verhökern. Doch dieser spielt falsch, die Situation eskaliert und am Ende hat Santiago den Tresor ausgeraubt. Santiago und Manuel fahren zurück. Doch das geraubte Geld zeigt auch die dunklen Seiten von Manuel auf, der nicht verstehen kann, dass Santiago die Beute einfach so zum Fenster rauswerfen will und eben nicht als Startkapital für eine bessere Existenz nutzen wird. So kommt es - auch wegen Maria - zum Schlagabtausch beider Männer. Und der beraubte Guntz ist auch noch nicht aus dem Rennen...


Einziges Manko des sehr schönen Films ist die etwas unglückliche deutsche Synchronisation, die zu einer Zeit entstand als man glaubte, dass Mexikaner oder Indianer immer gebrochen "deutsch" sprechen musste. Möglicherweise liebte der damalige kinobesucher diese Pseudoauthentizität. Heute hört sich das etwas nervig an. Aber dies ist auch schon der einzige Kritikpunkt. Ansonsten ist er Film sehr rührend und subtil inszeniert. Er zeigt sanfte poetische Momente, die er aber übergangslos in verrückter Gewalt gleiten lässt. Als Western selbst wirkt er etwas bizarr, denn er bürstet gewisse Mythen des Wilden Westens schon gegen den Strich. Für Truffaut schimmerte sogar viel von den Arbeiten Jean Renoirs oder Max Ophüls durch. Ulmer legte den Film als flüchtige Menage-a-trois an, in der sich die Kräfteverhältnisse unablässig verlagern. Am Ende steht sowohl der Tod als auch ein neues und hoffentlich besseres Leben.


Bewertung. 8 von 10 Punkten.