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Mittwoch, 6. Oktober 2021

Vogelfrei (Colorado Territory)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Raoul Walsh

Das Colorado Territorium...

Der berüchtigte Bandit Wes McQueen (Joel McCrea) wird durch seinen alten Freund Dave Richard (Basil Ruysdael) aus dem Gefängnis befreit. Auf seiner Flucht vor dem Sheriff sieht er wie eine Postkutsche überfallen wird. Als er merkt, dass die Insassen dort in großer Gefahr sind, rettet er die Passagiere - den alten Fred Winslow (Henry Hull) und dessen Tochter Julie Ann (Dorothy Malone). Vater und Tochter laden ihn auf ihre neue Ranch ein, die Winslow gekauft hat. McQueen wirft ein Auge auf die hübsche Julie Ann, die gerne an der Ostküste geblieben wäre und den Westen hasst.
Der Outlaw reitet weiter, denn er muss sich in der Geisterstadt von Todos Santos mit zwei Männern seines Fluchthelfers treffe. Reno Blake (John Archer) und Duke Harris (James Mitchell) haben aber keinen blassen Schimmer vom professionellen Banditentum und haben ein Mädchen names Colorado Carson (Viriginia Mayo) dabei. McQueen weiß das dies Ärger bedeutet, zumal sich die zwei Youngster gar nicht im Griff haben und will, dass die Frau verschwindet. Colorado kann McQueen aber überreden zu bleiben. Als er zum kränkelnden Richard reitet, weiht dieser ihn in den Plan ein einen letzten großen Eisenbahnraub zu machen...



Raoul Walsh hat mit "Vogelfrei" (Original: Colorado Territory) 1949 ein interessantes Remake seines Noir Meisterwerks "High Sierra" geschaffen. Die Handlung wurde in den Wilden Westen verlagert und funktioniert beinahe ebenso gut wie im Humphrey Bogart Klassiker.
Auch Joel McCrea spielt den Gesetzlosen, der eigentlich von einem normalen Leben träumt, sehr glaubwürdig.  Den Part von Ida Lupino übernahm im Western Remake die blonde Virginia Mayo, die das gestrauchelte, aber aufrichtige Mädchen spielt.
Erst sehr spät bemerkt der Antiheld ihre Qualitäten, denn er hat sein Glück eher in der bürgerlichen Julie Ann gesehen, die sich aber am Ende als rücksichtslos und egoistisch erweist.
"Vogelfrei" ist zwar für Raoul Walsh kein Klassiker wie "High Sierra", "Die wilden Zwanziger", "Verfolgt" oder "Sprung in den Tod" geworden. Dennoch liefert der mit "Vogelfrei" einen sehr guten, interessanten Klassiker ab, dessen (Wieder)Entdeckung man sicherlich genießen kann. 


Bewertung: 9 von 10 Punkten.  

Mittwoch, 1. September 2021

In Acht und Bann (At Gunpoint)


Regie: Alfred L. Werker

Ein Mann allein...

"At Gunpoint" aus dem Jahr 1955 ist ein Western von Alfred L. Werker und ist eine Produkt der Allied Artists. In Deutschland ist der Film unter dem Titel "In Acht und Bann" bekannt und kann als eine Art Antagonist zu Fred Zinnemanns düsterem Weltklassewestern "High Noon" angesehen werden. Dabei ähneln sich die Ausgangslagen für den Bürger eines friedlichen Westernstädtchens, aber das Ende weicht stark ab. Filmfans werden sich an das bittere Ende von Zinnemanns Film erinnern. Dort kommen nach dem Sieg von Exmarshall Will Kane die Bürger von Hadleyville auf die Straße, nachdem sie sich vorher versteckt hatten und Kane alleine ließen. Verächtlich wirft der Mann dann seinen Marshallstern zu Boden und verlässt mit seiner Amy die Stadt und die feigen Bürger. Wird der Kaufmann Jack Wright, der vor einer ähnlichen Aufgabe wie Marshall Kane stehen wird, auch im Stich gelassen ?
Diese Frage wird in Werkers interessantem Western am Ende beantwortet und beschert dem großen Walter Brennan noch die beste Szene des ganzen Films. Eine Szene mit "Wow" Effekt. Walter Brennan spielt den Doc des Städtchens Plainview und mit Dorothy Malone als Martha, Frau des Kaufmanns Jack Wright, ist neben Brennan noch ein weiterer Oscargewinner in dem Film zu sehen. Ursprünglich sollte Joel McCrea die Hauptrolle spielen, doch dies ließ sich nicht verwirklichen, so bekam der Charakterdarsteller Fred MacMurray den Zuschlag. Westernfans werden auch den kleinen Tommy Rettig wiedererkennen, er spielte neben Marilyn Monroe und Robert Mitchum im "Fluß ohne Wiederkehr" mit. Auch Skip Homeier macht wie immer eine gute Figur, diesmal als fieser Bandit Bob Dennis, der seinen getöteten Bruder rächen will.
Der Film beginnt damit, dass die Brüder Alvin (John Pickard) und Bob Dennis (Skip Homeier) mit ihrer Bande am hellichten Tag der friedlichen Stadt Plainview einen Besuch abstatten. Sie wollen die Bank ausrauben, weil sie glauben, dass dort keine besonders große Gegenwehr zu erwarten ist. Ausserdem ist der Kleinstadtsheriff Pete MacKay (Harry Shannon) bereits in einem etwas betagten Alter und spielt lieber Schach mit dem ortsansässigen Doctor Lacy (Walter Brennan) im Gemischwarenladen von Krämer Jack Wright (Fred MacMurry). Der lebt im Städtchen glücklich mit seiner Frau Martha (Dorothy Malone), dem kleinen Sohn Billy (Tommy Rettig) und Marthas Bruder Wally (James O´Hara). Der Bankraub wird aber doch schwieriger als geplant, dabei wird der Kassierer erschossen und auf der Straße findet auch Sheriff MacKay den Tod. Immerhin kann Joe Wright, der noch nie eine Waffe in der Hand hatte, eine Pistole nehmen und einen Schuß in Richtung der Banditen abgeben. Zufällig ist dies ein Volltreffer. Aus weiter Ferne verletzt er dabei den fliehenden Alvin auf seinem Pferd. Den zweiten Schuß gibt George Henderson (Frank Ferguson), ein anderer Bürger ab - dieser verletzt den Schurken tödlich. Die anderen Banditen entkommen. Im Stadt werden die beiden Schützen als Helden gefeiert. Das geht sogar so weit, dass man Henderson zum neuen Marshall der Stadt wählt. Doch dessen Ruhm dauert nicht lange an. Die Banditen lauern ihm nach der Feier im Saloon auf und bringen den Mann brutal um. Nun muss auch Jack um sein leben fürchten. Werden dem ungeübten Schützen die anderen Bürger (u.a. Whit Bissell, John Qualen, Irving Bacon) auch zur Seite stehen, wenn es darauf ankommt ?

Am Ende steht der friedfertige Kaufmann zuest mal der ganzen Bande alleine gegenüber. Hat er aber vielleicht seine Mitbewohner überzeugen können, dass sie die Angst überwinden müssen, um dann gemeinsam dem Terror ein Ende zu setzen. Oder wird er auf offener Straße vom rachsüchtigen Banditen ermordet ?. Wie in "High Noon" eine interessante Konstellation und da es im Western einige Gegendarstellungen zu Zinnemanns bitterer Analyse gibt - die bekannteste dürfte "Rio Bravo" von Hawks sein - waren viele Amerikaner mit dem Ende von "High Noon" alles andere als zufrieden. Sollen gute Bürger etwa feige Angsthasen sein, die lieber einen ihrer Mitte opfern als ihm tatenreich zur Hilfe zu kommen. Wenn "High Noon" zu hoffnungslos ist und "Rio Bravo" vielleicht zu ausgelassen, dann könnte man Werkers guten Western "In Acht und Bann" als eine Art Mittelding bezeichnen. Die Leute in der Stadt Plainview sind auch ängstlich und wollen die Banditen nicht verärgern, doch schließlich hat der Mensch auch eine Art Gewissen und die Möglichkeit seine Haltung zu überdenken. Aus genau diesem Grund ist Fred MacMurray noch nicht verloren.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 25. August 2021

Quantez - Die tote Stadt (Quantez)


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: Harry Keller
 
Umzingelt in der Geisterstadt...
 
Regisseur Harry Keller drehte den eigenartigen Western "Quantez - die tote Stadt" im Jahr 1957 und spielt wie der etwa zeitgleich entstandene John Sturges Western "Der Schatz der Gehenkten" (Original: The Law and Jake Wade) in einer Geisterstadt. Dabei sind die Protagonisten bereits von Indianern umzingelt, wissen es aber nur noch nicht. Sie ahnen die Gefahr höchstens. Dabei hatte es "Quantez" bei seinem Kinostart sehr schwer und erntete meistens mittelmäßige bis schwache Kritiken. Erst in den letzten Jahren konnte er sich durch eine steigende Wertschätzung bei den Westernfans wieder rehabilitieren. Natürlich erinnert man sich auch an William A. Wellmans "Herrin der toten Stadt", der 1948 das Kinopublikum fesselte.
"Quantez" ist ein Cinemascope Eastman Color Film, was aber nur in den ersten und den letzten Sequenzen tatsächlich perfekt zum Tragen kommt. Der dominierende Mittelteil zeigt vier Banditen und ein gefallenes Mädchen wie sie in einem gottverlassenen Ort verharren müssen, denn sie werden von den Gesetzeshütern gejagt. Somit muß die Bande wohl oder übel auf sehr kleinem Raum ihre inneren Konflikte austragen. Diese Psychoduelle sind das Herzstück des Films und bietet dem Zuschauer die Möglichkeit an fünf Charaktere kennenzulernen, die alle ein bisschen verrottet sind eine unrühmliche Vergangenheit mit sich rumschleppen.
Nach einem Banküberfall verschanzen sich die Täter in der verlassenen Stadt Quantez. Die Einwohner haben vorher die Stadt verlassen, denn die Apachen sind mit ihrem Anführer Delgadito (Michael Ansara) und Vittorio auf dem Kriegspfad. Der Anführer der Bankräuber ist der grobe und aggressive Heller (John Larch) , der seine Geliebte Chaney (Dorothy Malone) dabei hat. Auf die Frau mit Vergangenheit fliegen aber auch seine Kumpane. Vor allem der junge Teach (John Gavin), der sich als versierter Revolverheld anpreist, aber vielleicht nur ein Großmaul ist. Gato (Sidney Chaplin) ist der Aussenseiter der Gruppe, denn er wird von Heller als Halbblut bezeichnet. Tatsächlich ist Gato als Junge von den Indianern verschleppt worden und wuchs bei den Apachen auf. Zwei Seelen wohnen daher in seiner Brust. Genauso ambivalent ist der abgeklärte Gentry (Fred McMurray), der eigentlich viel eher als Anführer wahrgenommen wird als der ungestüme Heller. Aber Gentry hält sich bewusst im Hintergrund, denn auch er hat eine Geheimnis und versteckt seine wahre Identität. Die wird erst sehr spät von einem alten fahrenden Sänger und Portraitzeichner (James Barton) gelüftet. Doch am Morgen beim Aufbruch aus der Geisterstadt sind auch schon die Indianer aufs Morden aus...

"Quantez" ist im Hauptteil sehr dialoglastig und konzentriert sich vor allem auf den Konflikt der Männer bei der einzigen Frau zum Zug zu kommen. Diese lässt mit einer gewissen Mitleidstour einen Mann nach dem anderen auf sie hereinfallen. Denn ihr Freund behandelt sie wie Dreck.
In dieser Konstellation bemerken die Gestrandeten weder die Indianer, die sie bereits umstellt haben, noch den Verräter in den eigenen Reihen. Die Handlung des Films ergibt sich aber tatsächlich aus seinen Charakteren und deren nicht immer logischen Verhaltensweisen. Dabei tritt in keiner Sekunde Langeweile oder Leerlauf ein, ein Verdienst des perfekten Schauspieler-Ensemble. Fred McMurray ist immer dann sehr gut, wenn er dunkle Charaktereigenschaften mit sich rumschleppt - sein größter Triumph ist sicherlich der Versicherungsagent Walter Neff in Billy Wilders "Frau ohne Gewissen", aber auch als Shirley McLaines Chef und Liebhaber Jeff D. Sheldrake in "Das Appartemen" - ebenfalls von Billy Wilder - bleibt er unvergessen. Die starke Rolle des feigen Leutnant Tom Keefer in Dmytryks "Caine Mutiny" zähle ich ebenfalls zu seinen Topleistungen. Auch in "Quantez" hat er eine Rolle mit gutem Potential. Ein Bandit mit Tiefgang und der Erkenntnis nicht alles richtig gemacht zu haben.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.