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Donnerstag, 23. September 2021

Um Kopf und Kragen (The Tall T)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Budd Boetticher

Perfekt konstruierter B-Western mit vielschichtigen Figuren...

"Um Kopf um Kragen" ist einer der Filme, die von Filmhistorikern als sogenannter "Ranown-Zyklus" zusammengefasst wird. Es handelt sich um die Budd Boetticher B-Western mit Randolph Scott in der Hauptrolle. Zu den insgesamt 7 Western gehören auch "Der Siebente ist dran", "Fahrkarte ins Jenseits", "Sein Colt war schneller", "Auf eigene Faust", "Messer an der Kehle" und "Einer gibt nicht auf". Scott spielt immer den gealterten Westernhelden, etwas zynisch, stark desillusioniert, verhärtet, enttäuscht, verbittert, nicht näher beschriebene Ereignisse haben ihn zu einem Einzelgänger werden lassen und reitend wird er zum tragischen Helden. Boettichers Kunst war ein perfekt inszenierter Minimalismus. Kein Wort zuviel, keine Szene unnötig. Alles auf den Punkt gebracht und dennoch so vielschichtig, teilweise sogar poetisch, dass sich auch die Liebhaber des Autorenkinos für sein Werk zu interessieren begannen und es in den späten 70er und 80er zu einer Wiederentdeckung seiner Werke kam.
Es sind die einfachen, linear strukturierten Storys mit klaren Konflikten die er in seinen Filmen aufgreift.
Der stoische Cowboy Pat Brennan hat sich eine kleine Farm gekauft und möchte einen Zuchtbullen kaufen. Großrancher Tervoorde, bei dem er früher Vormann war und der ihn nicht gerne gehen liess, überredet ihn zu einer unvernünftigen Wette, bei der Brennan sein Pferd verwettet und den Weg nach Hause zu Fuss antreten muss. Unterwegs nimmt ihn die Postkutsche eines alten Freundes mit. Eine extra von einen frisch vermählten Brautpaar gemietete Kutsche. Die altjüngferliche Doretta (Maureen OSullivan) ist zudem Tochter eines reichen Minenbesitzers. Die Kutsche macht Halt bei der nächsten Poststation und da wartet auch schon der alternde Outlaw Frank Usher (Richard Boone) mit seinen beiden, schiesswütigen jungen Haudegen Billy Jack und Chink....


"Um Kopf und Kragen" dauert kurzweilige 78 Minuten, Boetticher braucht eine ca. 15 minütige Einleitung mit sehr idyllischen und familienfreundlichen Impressionen, fast schon ein bisschen "Shane" parodistisch, bis sich die Tür plötzlich zur Gewaltorgie öffnet...
Wer Boettichers erste Zusammenarbeit mit Scott "Der Siebente ist dran" (auch auf DVD erhältlich) gut fand, der wird auch an "Um Kopf und Kragen" Gefallen finden.
Bild und Ton sind für einen ca. 50 Jahre alten Film sehr gut restauriert.
Ein Western, der vielleicht nicht ganz zu den grössten klassischen Meistererken des Genres, gezählt wird, der aber richtig grosses Sehvergnügen liefert.

Bewertung: 9 von 10 Punkten

 

Freitag, 27. August 2021

Vorposten in Wildwest (Two Flags West)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Robert Wise

Galvanized Yankees....

Über 60 Jahre war Regisseur Robert Wise im Filmgeschäft tätig. Er begann als Tontechniker bei John Fords "Der Verräter" (1935) und hatte 1945 mit "Der Leichendieb" seinen ersten großen Regieerfolg. Es folgten so unterschiedliche Klassiker wie "Der Tag, an dem die Erde stillstand", "Laßt mich leben", "Wenig Chancen für morgen", "West Side Story", "Bis das Blut gefriert", "The Sound of Music" oder "Kanonenboot am Yanktsee Kiang". Sein Western "Vorposten in Wildwest" entstand 1950 und ist heute beinahe schon vergessen. Der Film war kein großer Hit und wurde auch nie Geheimtipp unter den Westernfans, aber ist dennoch wert neu entdeckt zu werden. "Two Flags West" entstand zu einer Zeit als die Kavalleriefilme in Mode waren, John Ford schuf in dieser Phase auch seine berühmte Trilogie. Darüberhinaus ist Robert Wises Western auch ein besonderer Bürgerkriegsfilm, der eine sehr spezielle Episode erzählt, die einige Jahre später auch Sam Peckinpah in "Sierra Charriba" wieder thematisierte. Die sogenannten "Galvanized Yankees" waren grauberockte Südstaatensoldaten, meist Bauern oder Einwanderer, die nicht ganz diesen enormen Südstaaten-Patriotismus in sich trugen, wurden von den blauberockten Nordstaatlern während des Krieges aus dem Gefangenenlager geholt und rekrutiert. Denn es gab weit im Westen einen gemeinsamen Feind: Die Indianer. Und die Yankees brauchten Verstärkung. Präsident Abraham Lincoln soll sogar eine besonders große Rekrutenumwandlung angeordnet haben, um für die Wiederwahl seine Entschlossenheit im Kampf gegen die Rothäute zu beweisen. Es ist der Herbst 1864 und Colonel Clay Tuckers (Joseph Cotten) Männer sind als Kriegsgefangene erbärmlichen Bedingungen ausgesetzt. Der Hunger plagt die Soldaten, es werden nicht alle Männer überleben. Captain Mark Bradford (Cornel Wilde) macht aber den gefangenen Südstaatlern ein lebensrettendes Angebot. Wenn sie Soldaten der Nordarmee werden und gegen die Feinde kämpfen, dann gibts auch wieder Verpflegung. Nicht alle Männer wollen das Angebot der Yankees annehmen. Tucker lässt abstimmen, am Ende ist ein Gleichstand da und Tucker, der sich enthalten hat, muss nun die Entscheidung treffen. Er entscheidet sich für die Freiheit und den gemeinsamen Kampf. So werden die Männer von Bradford aus dem Gefangenenlager nach Fort Thorn gebracht. Der Kommandant des Forts ist der rassistische Major Kenniston (Jeff Chandler), der Hass gegen die Indianer und auch gegen die Südstaaten empfindet. Sein Bruder fiel in einer Schlacht des Bürgerkrieges. Bei seinen Männern ist er nicht besonders beliebt, auch provoziert er immer wieder die Indianer zu Angriffen. Heimlich empfindet er Zuneigung zu Elena (Linda Darnell), der Witwe seines Bruders. Er sieht sich auch als Beschützer dieser Frau, die allerdings seine Aufpasserrolle zunehmend als Belastung empfindet. Als Kenniston den Häuptlingsohn gefangennimmt und ihn in ermordet kommt es zum Angriff des Stammes auf das Fort...

Robert Wise hat die Geschichte sehr spannend verfilmt, man kann die Wut und Rachegefühle der Indianer gut nachvollziehen - denn man hätte wohl verhandeln können, aber Kenniston wählt den Krieg, als der Häutpling seinen Sohn zurückfordert, indem er wieder ins Fort reitet, man einen Schuß hört und er mit einem Pferd, auf dem der tote Sohn liegt, zurückkommt. Am Ende muss dieser schwierige Soldat sich selbst opfern, aber er hat durch sein Versagen viele Opfer unter den Soldaten und unter den Indianern verursacht. Jeff Chandler ist der Star dieses Films und er bleibt mehr in Erinnerung als die Figuren, die Joseph Cotten und Cornel Wilde spielen. Inmitten dieses Männertrios steht die Frau, gespielt von Linda Darnell, die von allen dreien begehrt wird.
In den Nebenrollen finden sich bekannte Western-Charakterköpfe wie Jay C. Flippen, Noah Berry jr oder Arthur Hunicutt.

Bewertung. 7 von 10 Punkten.