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Mittwoch, 13. Oktober 2021

Die Unerbittlichen (Hell Bent for Leather)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: George Sherman

Unschuldig gejagt...

Westernheld Audie Murphy arbeitete 1960 mit dem George Sherman zusammen, der im Laufe seiner Regiekarriere sehr viele sehenswerte B-Western drehte wie "Präriebanditen", "Schlacht am Apachenpass" oder "Tomahawk". Seinen letzten Film drehte er 1971 mit John Wayne und das Ergebnis war gut und hieß "Big Jake".
"Die Unerbittlichen" basiert auf der kurz zuvor erschienenen Novelle "Outlaw Marshall" von Ray Cogan und bezieht sich nicht auf Audie Murphy, der den Pferdehändler Clay Santell spielt, sondern auf die zweite wichtige Figur der Geschichte. Dieser Marshall Deckett wird von Stephen McNally gespielt, der bereits 8 Jahre zuvor Partner von Audie in die Western "Duel at Silver Creek" (Schüsse in New Mexiko) war. In diesem Don Siegel Film kämpften sie gemeinsam gegen Schurken, doch in George Shermans Western hat McNally die Seiten gewechselt, obwohl er ein Hüter des Gesetzes ist.
Die Darstellung des Schurken passt sehr gut zu McNally, er war ja auch durchaus geübt als böser Schurke in vielen Westernfilmen. Sehr bekannt dürfte den Genrefans seine Rolle in Anthony Manns "Winchester 73" sein, er spielt dort den missratenen Bruder von James Stewart.
Am Anfang des Films sieht der Zuschauer einen einsamen Mann ohne Pferd in der Steppe. Er wirkt erschöpft und hat sicherlich Durst. Nur gut, dass Pferdehändler Clay Santell (Audie) zufällig auf ihn trifft. Er gibt dem Fremden (Jan Merlin) sofort etwas zu trinken. Doch statt dankbar zu sein, schlägt der Fremde seinen Retter mit der Faust auf dem Boden und klaut dessen Pferd. Ein Schuß kann die Flucht nicht verhindern, doch der Bandit verliert sein auffälliges Gewehr. Leider weiß Clay nicht, dass dieser Doppelläufer dem vielfach gesuchten Mörder Travers gehört. Aber dies wissen die Bewohner des in der Nähe liegenden Ortes, denn dort hat Travers zwei angesehene Bürger kaltblütig ermordet. Als er dort eintrifft sind die Bewohner zwar auf dem Friedhof, aber dennoch spricht sich sehr schnell herum, dass der gesuchte Mörder in der Stadt sein muss. Die Leute würden ihn gerne lynchen, aber dies kann der rechtschaffene Mr. Perreck (Herbert Rudley) gerade noch verhindern - und auch Marshall Deckett (Stephen McNally), der schon lange auf der Suche nach Travers ist, taucht auf. Er lügt jedoch und gibt an, dass Clay eindeutig der Gesuchte ist. Nur will er ihn nach Denver bringen, dort soll ihm dann ein regulärer Prozess gemacht werden. Leider verfolgt Deckett einen finsteren Plan - er hat es satt Travers weiter zu jagen, daher will er Clay einfach erschiessen und später sagen, dass er Travers erledigt hat. Ein gemeiner Plan, aber Clay gelingt die Flucht. Auf einer Farm trifft er auf Kinder und auf die hübsche Janet (Felicia Farr), die der verzweifelte Gejagte erstmal als Geisel mit sich nimmt...


Im Laufe der Geschichte taucht auch noch mit Robert Middleton ein weiterer guter Bekannter auf. Er spielt Ambrose, den ältesten von drei Brüdern, die das Gesetz nicht unbedingt verfolgen. So gefällt "De Unerschrockenen" mit drei ganz unterschiedlichen Schurken. Auch die Gegend in der sich die Geschichte abspielt, ist nicht gerade ein schöner Ort zum Bleiben. Es gibt feindselige, auch wortkarge Bürger, die auch sofort nichts besseres wissen als die hübsche Frau als Mitkomplizin des Gejagten zu verdächtigen. Und ein versierter Fährtenleser wird hier noch politisch nicht korrekt von den guten Bürgern "Red Boy" gerufen.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Die letzte Kugel (Day of the Badman)


Regie: Harry Keller

11 Uhr Vormittags...

Harry Keller war vor allem Filmeditor, doch er drehte als Regisseur mehrere gute und erwähenswerte B-Western. Die bekanntesten davon sind sicherlich Audie Murphys "Sieben Wege ins Verderben", der eher ungewöhnliche "Quantez, die tote Stadt" und der 1958 entstandene "Die letzte Kugel", der im Original "Bullet for a Badman" heißt und eine interessante "12 Uhr mittags" Variante präsentiert.
Genau wie Sheriff Will Kane im großen Klassiker von Fred Zinnemann schafft auch Harry Keller die brenzliche Situation, dass es ein Mann des Gesetzes mit insgesamt vier zu allem entschlossenen Banidten aufnehmen muss.
Die Konstellationen sind aber etwas anders, denn Jim Scott (Fred McMurray) ist nicht der Sheriff, sondern der Richter des kleinen Westernstädtchens. Um 11 Uhr Vormittags muss er in der Kirche der Gemeinde das Urteil für den Mörder Rudy Hayes (Christopher Dark) verkünden. Ein Tag vorher haben ihn die Geschworenen schuldig gesprochen und die Witwe seines Opfers, Mrs. Quary (Peggy Converse) will ihn hängen sehen. An diesem Tag hat der Richter noch etwas Zeit, denn er möchte am Nachmittag seiner Myra (Joan Weldon) einen Heiratsantrag machen. Die ahnt etwas als er von einer Überraschung redet, die er ihr präsentieren will. Myra hat ein Geheimnis. Sie hat sich vor einigen Wochen in einen anderen Mann verliebt. Es ist der junge Sheriff Barney Wiley (John Ericson), sie haben aber bisher nicht den Mut gefunden ihre Liebe öffentlich zu machen.
Im Laufe des Vormittags tauchen die beiden Brüder des Angeklagten in der Stadt auf. Der unbesonnene Howard Hayes (Skip Homeier) und sein älterer Bruder Charlie (Robert Middleton), sie erfahren von Rudys Freundin Cora (Marie Windsor), dass höchstwahrscheinlich das Todesurteil ansteht. Natürlich wollen die Brüder mit aller Macht ein anderes Urteil erwirken. "Verbannung" zum Beispiel - ein Urteil, dass schon oft ausgesprochen wurde und mit etwas Nachdruck sollte der Richter doch auf diesen Vorschlag eingehen. Denn schließlich drohen sie dem Mann des Gesetzes mit Rache, wenn der nicht nachgibt. Bald drängen selbst die braven Bürger der Stadt den Richter um Nachsicht mit dem Mörder, denn sie haben Angst vor den Vergeltungsmaßnahmen der Banditen, die sogar noch Unterstützung von den Cousins (Lee van Cleef, Chris Alkaide) bekommen. Dann erfährt Jim von der Liason zwischen Myra und Wiley. Für ihn wäre das Urteil "Verbannung" nun vorteilhaft, denn er würde dem Sheriff den schwarzen Peter zuschustern. Der müsste nämlich das Urteil mit Gewalt erzwingen, denn ein Hayes lässt sich sicher nicht aus der Stadt jagen. Damit liefe der Konkurrent Gefahr in einer Schließerei mit dem Gangster den Kürzeren zu ziehen...


Was der Richter dann tatsächlich verkündet ist wie die ganze Geschichte vorher sehr unvorhersehbar. Diese Komponente macht den Western sehr interessant, denn der Zuschauer weiß nie, wie der Richter sich verhalten wird und erst Recht nicht wie die Menschen in seiner Umgebung - sein Mädchen, der Sheriff - reagieren werden. So gesehen legt Harry Keller sein Augenmerk darauf, wie sich die Figuren positionieren und welche schwierigen Entscheidungen sie im Laufe dieses Vormittags noch treffen müssen. Keller jongliert auch gekonnt mit den Wahrnehmungen des Zuschauers, der lange Zeit den Sheriff als den "Helden" wahrnimmt und die Handlungsweisen des Richters nicht immer nachvollziehen kann.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.