Posts mit dem Label Darsteller: Lee van Cleef werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Darsteller: Lee van Cleef werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 7. Oktober 2021

Tag der Vergeltung (Untamed Frontier)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Hugo Fregonese

Neurotischer Denbow Clan...

Hugo Fregoneses Western "Der Tag der Vergeltung" aus dem Jahr 1952 heißt im Original "Untamed Frontier" und ist einer dieser Western, die dem Zuschauer einen übermächtigen Rinderbaron - meistens mit neurotischen Familienangehörigen - zeigt. In "Der Tag der Vergeltung" ist es die Geschichte der Familie Denbow, Verwandte von ähnlichen Westernfamilien gleichen Kalibers wie den Zacharys in John Hustons "denen man nicht vergibt", den Waggomans in Anthony Manns "Mann aus Laramie" oder den MacCanles in King Vidors opulentem "Duell in der Sonne". In Fregoneses Film lernt der Zuschauer den störrrischen und unnachgiebigen Rancher und Witwer Matt Denbow (Minor Watson) kennen, der einen Riesenbesitz beherrscht. Wichtigste Frau im Haus ist Denbows Schwester Camilla (Katherine Emery), die aber bei den Geschäften nichts zu sagen hat. Denbows leiblicher Sohn heißt Glenn (Scott Brady), ist sehr faul und reichlich vergnügungssüchtig. Glenn gerät oft in Auseinandersetzungen, doch er und sein Kumpel Dave Chittun (Lee van Cleef) wissen gut mit dem Revolver zuzugehen. Und auch mit Frauen, doch die berechnende Lottie (Suzan Ball), die in der Bar arbeitet, hat beide Männer fest im Griff, manipuliert die Kerle und hat ihre eigenen Pläne. Der ruhende Pol der Familie ist Denbows rechtschaffener Neffe Kirk Denbow (Joseph Cotten). Aber auch er gibt sich vorerst unerbittlich im Konflikt mit den neuangekommenen Siedler, die Denbows Land überqueren wollen und dem lokalen Zeitungsreporter, der gegen die Denbows schreibt. Schließlich hat der Alte sein Land auch mit viel Gewalt an sich gerissen und lässt es heute nicht mehr los. Als Glenn bei einer Schießerei einen Mann erschießt, der gar keine Waffe bei sich trug, lernt er dessen Schwarm Jane Stevens (Shelley Winters) kennen. Die junge naive Frau ist Augenzeugin des ungleichen Duells und könnte in dieser Funktion gefährlich für Glenn werden. Denn auf Mord steht die Todesstrafe in Texas. Doch ein Gesetz verbietet der Frau des Angeklagten gegen ihren Mann auszusagen. Was liegt da näher als die Zeugin, die eh an dem flatterhaften Glen Gefallen findet, zu ehelichen. Erst nach der Vermählung erfährt die ahnungslose Jane von diesem Deal. Sie durchschaut aber bald ihren Gatten, der zudem weiterhin ein Verhältnis mit der berechnenden Lola pflegt und sagt ihrem Schwiegervater gehörig die Meinung. Kirk, der Jane anfänglich misstrauisch begegnet, verliebt sich auch bald in die Frau, mit dem Herzen auf dem rechten Fleck...


Genauso ambitioniert wie der etwas früher (1950) entstandene "Apache Drums" ist auch dieser Western des argentinischen Regisseurs Hugo Fregonese, der in den 60er Jahren mit "Old Shatterhand" einen der besseren Karl May Western made in Germany drehte. Vor allem der Indianerüberfall in der Schlucht ist mir noch in bester Erinnerung, weil gerade solche atmosphärischen Szenen in den Western von Fregonese gar keine Seltenheit sind. In "Der Tag der Vergeltung" wurde auch eine hochkarätige Schauspielerriege gewonnen. Die junge Shelley Winters stand zwar noch nach grandiosen Rollen in "Winchester 73" und "Ein Platz an der Sonne" am Anfang ihrer Karriere. Aber Joseph Cotten war damals ein Big Star und er spielt sogar die fast gleiche Rolle wie in dem bereits erwähnten Vorbildfilm "Duell in der Sonne". Suzan Ball macht als Femme Fatale eine gute Figur. Leider verstarb die Schauspielerin drei Jahre später im jungen Alter von 21 Jahren an Lungenkrebs. Ihre letzte Rolle hatte sie in George Shermans Indianerfilm "Der Speer der Rache". 

Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Die letzte Kugel (Day of the Badman)


Regie: Harry Keller

11 Uhr Vormittags...

Harry Keller war vor allem Filmeditor, doch er drehte als Regisseur mehrere gute und erwähenswerte B-Western. Die bekanntesten davon sind sicherlich Audie Murphys "Sieben Wege ins Verderben", der eher ungewöhnliche "Quantez, die tote Stadt" und der 1958 entstandene "Die letzte Kugel", der im Original "Bullet for a Badman" heißt und eine interessante "12 Uhr mittags" Variante präsentiert.
Genau wie Sheriff Will Kane im großen Klassiker von Fred Zinnemann schafft auch Harry Keller die brenzliche Situation, dass es ein Mann des Gesetzes mit insgesamt vier zu allem entschlossenen Banidten aufnehmen muss.
Die Konstellationen sind aber etwas anders, denn Jim Scott (Fred McMurray) ist nicht der Sheriff, sondern der Richter des kleinen Westernstädtchens. Um 11 Uhr Vormittags muss er in der Kirche der Gemeinde das Urteil für den Mörder Rudy Hayes (Christopher Dark) verkünden. Ein Tag vorher haben ihn die Geschworenen schuldig gesprochen und die Witwe seines Opfers, Mrs. Quary (Peggy Converse) will ihn hängen sehen. An diesem Tag hat der Richter noch etwas Zeit, denn er möchte am Nachmittag seiner Myra (Joan Weldon) einen Heiratsantrag machen. Die ahnt etwas als er von einer Überraschung redet, die er ihr präsentieren will. Myra hat ein Geheimnis. Sie hat sich vor einigen Wochen in einen anderen Mann verliebt. Es ist der junge Sheriff Barney Wiley (John Ericson), sie haben aber bisher nicht den Mut gefunden ihre Liebe öffentlich zu machen.
Im Laufe des Vormittags tauchen die beiden Brüder des Angeklagten in der Stadt auf. Der unbesonnene Howard Hayes (Skip Homeier) und sein älterer Bruder Charlie (Robert Middleton), sie erfahren von Rudys Freundin Cora (Marie Windsor), dass höchstwahrscheinlich das Todesurteil ansteht. Natürlich wollen die Brüder mit aller Macht ein anderes Urteil erwirken. "Verbannung" zum Beispiel - ein Urteil, dass schon oft ausgesprochen wurde und mit etwas Nachdruck sollte der Richter doch auf diesen Vorschlag eingehen. Denn schließlich drohen sie dem Mann des Gesetzes mit Rache, wenn der nicht nachgibt. Bald drängen selbst die braven Bürger der Stadt den Richter um Nachsicht mit dem Mörder, denn sie haben Angst vor den Vergeltungsmaßnahmen der Banditen, die sogar noch Unterstützung von den Cousins (Lee van Cleef, Chris Alkaide) bekommen. Dann erfährt Jim von der Liason zwischen Myra und Wiley. Für ihn wäre das Urteil "Verbannung" nun vorteilhaft, denn er würde dem Sheriff den schwarzen Peter zuschustern. Der müsste nämlich das Urteil mit Gewalt erzwingen, denn ein Hayes lässt sich sicher nicht aus der Stadt jagen. Damit liefe der Konkurrent Gefahr in einer Schließerei mit dem Gangster den Kürzeren zu ziehen...


Was der Richter dann tatsächlich verkündet ist wie die ganze Geschichte vorher sehr unvorhersehbar. Diese Komponente macht den Western sehr interessant, denn der Zuschauer weiß nie, wie der Richter sich verhalten wird und erst Recht nicht wie die Menschen in seiner Umgebung - sein Mädchen, der Sheriff - reagieren werden. So gesehen legt Harry Keller sein Augenmerk darauf, wie sich die Figuren positionieren und welche schwierigen Entscheidungen sie im Laufe dieses Vormittags noch treffen müssen. Keller jongliert auch gekonnt mit den Wahrnehmungen des Zuschauers, der lange Zeit den Sheriff als den "Helden" wahrnimmt und die Handlungsweisen des Richters nicht immer nachvollziehen kann.

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Samstag, 18. September 2021

Gefährliches Blut (The Lawless Breed)


Regie: Raoul Walsh

Die Ballade von John Wesley Harding...

Der Stil von Raoul Walsh ist schnörkellos und geradeheraus. Regisseur Raoul Walsh bevorzugte für seine Filme schnelle Schnitte und eine schnörkellose Machart. Trotz der Liebe zu den Actionszenen vergass er auch nie die notwendige Charakterisierung der Filmfiguren. Neben Henry King wird er imme rwieder mit dem "americana" Stil in Verbindung gebracht - die Darstellung einer amerikanischen Gesellschaft, die auf einfachen und ehrlich zwischenmenschlichen Beziehungen aufbaut. Seine großen Meisterwerke sind sicherlich die Gangsterfilme "Die wilden Zwanziger", "Sprung in den Tod" und "Entscheidung in der Sierra" - aber auch im Westerngenre schuf er mit "Verfolgt", "Sein letztes Kommando", Herr der Silberminen", "Den Hals in der Schlinge" und "Vogelfrei" schöne Highlights.
Ab den frühen 50er Jahren bestätigte er sein gutes Können in vielen routinierten Produktionen - auch seine Western in dieser Dekade können sich sehen lassen. Zwei davon drehte er mit dem aufkommenden neuen Superstar Rock Hudson. Sowohl "Mit der Waffe in der Hand" als auch "Gefährliches Blut" entstanden im Jahr 1953. Letzterer ist eine sehr freie und aus dramaturgischen Gründen verfälschte Biographie des Revolverhelden John Wesley Harding, der von 1853 bis 1895 lebte und der im Gefängnis seine eigene Lebensgeschichte aufschrieb. Walsh bekannte später, dass er gar kein authentisches Biopic machen wollte, sondern vor allem zeigen wollte, was den Helden und die Heldin gegenseitig anzieht, selbst wenn sie getrennt werden. In "Gefährliches Blut" dauert diese Trennung sogar 16 lange Jahre. Aber vorher wächst John Wesley Harding (Rock Hudson) als Sohn des Methodistenprediger J. G. Harding (John McIntire) auf, der auf eine Erziehung der strengen Hand setzt. Wenn notwendig auch mit Schlägen und Peitschenhieben, wenn die Worte der Bibel nicht befolgt werden und die Söhne vom rechtschaffenen Weg abdriften, so wie der junge John, der ein Faible für Spielkarten und Revolver hat. Als er wieder einmal gezüchtigt wird, verlässt er das Elternhaus und seine Jugendliebe Jane (Mary Castle), die als Waise bei dem Predr aufwuchs. Bei einem Pokerspiel zieht der Mitspieler die Waffe, doch Wes ist natürlich schneller. Aber nur die Bardame Rosie (Julia Adams), die auch ein Auge auf den attraktiven Gunman geworfen hat, kann bestätigen, dass es Notwehr war. Er entkommt dem konföderierten Sheriff, aber nun muss er fliehen - vor den Brüdern des Getöteten (u.a. Hugh O´Brian, Lee van Cleef) und schließt sich dem Viehtreck seines Onkels John (ebenfalls John McIntire) an. Ein tragisches Ereignis macht dann alles noch viel schlimmer...

Nach Jahren der Flucht und dem Untertauchen wird er als friedlich lebender Farmer schließlich gefangengenommen und das Gericht verurteilt ihn zu 25 Jahren Haft. Nach 16 Jahren wird er begnadigt und trifft seine Frau wieder, die die Ranch in Alabama nie aufgegeben hat und inzwischen einen 16jährigen Sohn (Race Gentry) hat. Auch dieser scheint dem Vater nachzuschlagen. Er kann irre gut mit dem Colt umgehen. Aus dieser Szene - dem Wiedersehen zwischen Vater und Sohn - entsteht am Ende noch ein dramatisches Showdown. Das wahre Leben von John Wes Hardin verlief da etwas anders. Aber trotz der vielen Zugeständnisse an das Hollywood Publikum, die auch einen Rock Hudson mit Happyend sehen wollten, gelang dem erklärten Frauenliebling des 50er Jahre Kinos eine recht ansprechende Darstellerleistungö. Es gelingt ihm verschiedene Facetten der Figur deutlich zu machen, eine gelungene Mischung aus Gut und Böse, was im Hollywood Kino der frühen 50er Jahre gar nicht so oft vorkam - Hudsin zeigt zum einen den etwas leichtfertigen, träumerischen jungen Heißsporn, der in seinem Leben Action braucht - zum anderen aber auch den verantwortungslosen Gunslinger, der mit seinem labilen Verhalten seine Lieben vor harte Prüfungen stellt. Kameramann Irving Glassberg wurde von Walsh darum gebeten, eine Farbgebung in Pastell zu machen, er war kein Freund dieser brillanten Farben und bevorzugte eher zarte und leichte Farben.


Bewertung: 7 von 10 Punkten.

 

Freitag, 27. August 2021

Auf eigene Faust (Ride Lonesome)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Budd Boetticher

Die Odyssee zum Richtplatz...

Ben Brigade (Randolph Scott) hat sich einen gefürchteten Namen als  erbarmungsloser Kopfgeldjäger gemacht. Im weiten, felsigen Land macht er diesmal Jagd auf den jungen Billy John (James Best), der mit seiner Gang auf der Flucht vor dem Gesetz ist. Der junge Outlaw soll in Santa Cruz einen Mann von hinten erschossen haben. Überraschenderweise wartet der Gejagte auf Ben Brigade, versucht ihn zunächst von seiner Unschuld zu überreden und bittet Brigade ihn doch des Weges ziehen zu lassen.
Doch dieser ist unerbittlich, will auf die Prämie nicht verzichten. Als Schüsse von den umliegenden Bergen fallen, scheint er in eine Falle getappt zu sein, doch Brigade lässt sich nicht einschüchtern und macht dem bereits siegessicheren Billy klar, dass er ihn, bevor er selbst zu Boden geht, in zwei Hälften geschossen hat.
Billy kann seinen Kumpanen aber eine Nachricht zurufen, die für den größeren Bruder Frank (Lee van Cleef) gedacht ist, dieser soll ihn aus den Händen von Brigade befreien.
Unterwegs machen die beiden Halt an der Postkutschenstation. Carrie Lane (Karen Steele), die resolute, schöne Frau des Besitzers wird in Abwesenheit ihres Mannes, der Pferde einfangen muss, von zwei alten Gaunern beschützt, die Brigade kennen und die auch bereits wissen, dass dieser den gesuchten Mörder aus Santa Cruz mit sich führt.
Die beiden Männer Sam Boone (Pernell Roberts) und Wid (James Coburn) sind ebenfalls Outlaws und sehr bald stellt sich heraus, dass bei der Ergreifung von Mörder Billy auch eine Amnestie winkt. Es sieht so aus als gäbe es bald einen Interessenkonflikt. Zeit zum Diskutieren bleibt aber kaum, denn die Indianer haben die Station bereits im Visier...

Budd Boetticher drehte "Auf eigene Faust" im Jahr 1959, es ist einer dieser sieben legendären Gemeinschaftsarbeiten zwischen Boetticher und Randolph Scott, die bei dem Westernfan als "Ranown Zyklus" sehr hoch im Kurs stehen.
Leider lassen sich die DVD Veröffentlichungen dieser kleinen genialen B-Western auf sich warten, bislang sind nur "Um Kopf und Kragen" und "Der siebente ist dran" erschienen.
Schade, aber vielleicht gibt es auch für  "Fahrkarte ins Jenseits", "Sein Colt war schneller", "Messer an der Kehle" und "Comanche Station" die längst überfällige DVD-Veröffentlichung.
Die Geschichte dieser Filme sind im Grunde genommen immer sehr ähnlich, Randolph Scott ist der tragische Held, der auch dunkle Seiten in sich trägt und meistens von der Rache am Tod seiner Frau angetrieben wird.
Boetticher gelingt es auch immer Randolphs Scotts Gegner interessante Wesenszüge zu verleihen, was die Rachestory immer deutlich aufwerten konnte.
Sehr zentral wird auch immer das Thema beleuchtet, dass sich der Outlaw durch gewisse Handlungsweisen die Reinigung erkämpfen kann.
Das Böse ist wichtig, weil sich das Gefühlsleben des Helden in der Vergangenheit abspielt und nur der Schurke die Fähigkeit zum Leben in der Gegenwart hat, die dem Helden fehlt, denn er wandert getrieben von einem destruktiven Ziel, das eine Art Erlösung verheissen könnte.
Boettichers kleine Western sind heute noch so frisch wie vor 50 Jahren, weil sie nicht in Nostalgie verfallen, sondern eine ironisch-distanzierte Haltung zur Geschichte einnehmen, die erzählt wird. Den Portagonisten ist bewusst, dass sie nur eine Rolle in einem ritualisierten Geschehen spielen. In "Auf eigene Faust" gibt ein furchterregender Galgenbaum ein Symbol dafür ab.

Bewertung: 9 von 10 Punkten.