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Montag, 25. Oktober 2021

Dieser Mann weiß zuviel (Riding Shotgun)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Andre de Toth

Wutbürger in Deep Water....

"Dieser Mann weiß zuviel" entstand 1954 und ist einer der Western, die das Gespann Andre de Toth und Randolph Scott gemeinsam drehten. Dabei gerät Scott als Postkutschenbegleiter Larry Delong in einen üblen Verdacht. Der Film basiert auf der 1942 erschienen Kurzgeschichte "Riding Solo" von Kenneth Taylor Perkins. Ungewöhnlich an der Inszenierung ist auch, dass die Hauptfigur als Off Stimme ihre inneren Gedanken preisgibt. Die Kameraarbeit von Bert Lawrence Glennon kommt dabei vorzüglich zur Geltung. Sie unterstreicht, dass es sich bei dem Ort Deep Water, dort spielt der Großteil des Films,  um einen sehr beengten Raum handelt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Aber vorher muss der Bandit Dan Marady (James Milican) die Ein Mann Eskorte Delong außer Gefecht setzen. Marady und Delong kennen sich von früher und Delong ist schon lange hinter diesem Mörder her. Der hat vor Jahren bei einem Postkutschenüberfall Delongs Schwester und deren kleinen Jungen erschossen. Und seit dieser Zeit sinnt Delong auf Rache. Er weiß, dass die Bande irgendwann zuschlagen wird, um einen Postkutsche auszurauben und irgendwann wird er als Begleiter womöglich genau zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein. Nur haben die Banditen bereits entdeckt, dass Delong mitreist und man lockt ihn mit List von der Kutsche fort in einen Hinterhalt. Da Maradys Kumpane Pinto (Charles Bronson als er sich noch Buchinsky nannte) auch von Rache geleitet wird, löscht er das Leben von Delong nicht sofort - kurz und schmerzlos - aus, sondern er will ihn leiden sehen. In der prallen Sonne wird er gefesselt liegengelassen - sollen ihn die Geier fressen. In der Zwischenzeit wird die Postkutsche überfallen und ein junger Kutscher erschossen. Die mitreisende Frau und deren kind kommen schwer verletzt davon. In der Stadt hat sich bereits herumgesprochen, dass Delong mit einem älteren Mann weggeritten sei, der wohl zu Maradys Bande gehört. Sehr schnell hat der Mob der Stadt das Urteil gefällt: Delong gehört zur Bande und hat sich abgesetzt. Der Sheriff und die Bürgerwehr sind den Banditen aber auf den Fersen. Zum Glück kann Delong sich befreien und er weiß durch die Gespräche der Banditen, dass sie nach der Postkutsche noch die Spielbank in Deep Water ausrauben wollen. Wenn der Sheriff und die Bürgerwehr weg sind, ist das ja die optimalste Gelegenheit zum Ziel zu kommen. Delong reitet in die Stadt und wird dort von den Augen aller Bürger zuerst argwöhnisch, dann offen feindlich betrachtet. Man glaubt ihm nicht, dass er zurückkam um diie Stadt zu warnen. Depute Sheriff Tub Murphy (Wayne Morris) und sein Gehilfe (John Baer) haben die Aufgabe ihn erstmal ins Gefängnis zu bringen. Doch Delong widersetzt sich und Unterstützung bekommt er lediglich von der hübschen Orissa Flynn (Joan Weldon) und Doc Winkler (James Bell). Der gutmütige Sheriff tendiert dazu Delong zu glauben, doch der Mob auf der Straße und vor allem die feinen Bürger der Stadt, wollen Blut sehen...

Die Bürger werden gespielt von Joe Sawyer als Tom Biggert, Richard Garrick als Walters, William Johnston als Col. Flynn oder Carol Henry als mordlustiger Hobbyhenker sind alle etwas überspitzt gezeichnet, aber so wirken sie wie aus einem Horrorfilm entsprungen. Andre de Toth geht sogar soweit, dass er einen kleinen Jungen mit seiner Steinschleuder auf den unschuldigen Delong zielen lässt. Die ganze Stadt ist irgendwann in dieser Dynamik gegen ihn und die Straßen sind so voll wie auf einem Volksfest. Das gibt dem Film einen sehr eigenwilligen Charakter. Am Ende entscheidet sich aber de Toth für versöhnliche Töne, so bitter wie "High Noon" wird die Geschichte dieses sehr geglückten B-Western nicht ausgehen.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 23. September 2021

Die Farm der Gehetzten (Ramrod)


Regie: Andre de Toth

Connies gefährliches Spiel...

In Sam Peckinpahs "Sacramento" traten sie gemeinsam auf: Randolph Scott und Joel McCrae, zwei Helden früherer Westernfilme, die irgendwann Kultstatus erringen konnte. Randolph Scott vor allem durch Butt Boettichers 7 Filme umfassenden "Ranown Zyklus" und Joel McCrae durch 3 Western, die in den Jahren 1944 bis 1948 von Harry Sherman produziert wurden: Den Anfang des Trios bildete die Lebensgeschichte des berühmten Büffeljägers William "Buffalo Bill" Cody "Buffalo Bill, der weiße Indianer" (1944, Regie: William Wellman), das Ranch-Drama "Die Farm der Gehetzten" (1947, Andre de Toth) und als Abschluß "Flucht nach Nevada" (1948, Alfred E. Green). "Ramrod" , so der Originaltitel von "Die Farm der Gehetzten" war einer der ersten Regiearbeiten des aus Ungarn stammenden US-Regisseurs de Toth. Der äusserst interessante B-Western wird oft sogar auch dem "Film Noir" Genre zugeordnet - ausschlaggebend dafür ist, dass auch hier im Wilden Westen eine berechnende und hinterhältige Femme Fatale die Männer in ihrer Umgebung für ihre Zwecke manipulieren will. Ausserdem scheinen die harten Cowboys nicht in der Lage zu sein, dass Spiel nikcht kontrollieren zu können. Hauptthemen sind Leidenschaft und Gier. Was "Die Farm der Gehetzten" von  vielen anderen Genreverwandten unterscheidet, ist die düstere Gemütslage der Geschichte und wie Kameramann Russell Harlan mit seiner schattenhaften und atmosphärischen Fotografie zum individuellen Charakter des Films beiträgt. Andre de Toth war zu dieser Zeit mit der Hauptdarstellerin Veronica Lake verheiratet und arbeitete erstmalig mit seiner Frau zusammen, die schon durch die gemeinsamen Filme mit Alan Ladd beste Film Noir Erfahrung hatte. Sie spielt die Hauptfigur Connie Dickason aggressiv und sexuell aktiv. Als Gegenpart tritt mit Arlene Whelan als Rose Leland eine ganz total verschiedene Frauenfigur auf. Sie steht für das traditionelle Frauenbild - das Girl, dass auf ihren Cowboy wartet.
Der Film fängt mit einem drohenden Konflikt an. Der Schafzüchter Walt Shipley (Ian McDonald) hat sich viele Feinde unter den Ranchern gemacht, die das Weideland für ihre Rinder beanspruchen. Vor allem Frank Ivey (Preston Ruggles), der "Boss" des Tales will, dass Shipley aus der Stadt verschwindet. Doch so leicht ist das nicht, denn Connie Dickason (Veronica Lake), die willenstarke Tochter des Ranchbesitzers Ben Dickason (Charles Ruggles) hat vor den Schafzüchter zu heiraten. Sehr zum Ärger ihres Vaters, der für eine Heirat mit dem starken Mann Ivey plädiert. Nun steht das Duell bevor, unterstützt wird Shipley von seinem Freund Dave Nash (Joel McCrea), einem früheren Alkoholiker, der aber gut mit der Waffe umgehen kann. Im entscheidenden Moment kneift Shipley und verlässt die Stadt. Sein Land hat er aber Connie vermacht, die nicht im entferntesten daran denkt sich ihrem Vater und Ivey zu beugen. Sie heuert Dave als Vormann an und der kann seinen ehemaligen Kumpel Bill Schell (Don deFore) für den Kampf gegen die Kontrahenten gewinnen. Während Dave mt legalen Mitteln den Konflikt für sich und Connie entscheiden will, ist Bill eher der Hitzkopf, der auch ausserhalb des Gesetzes agiert. Der Sheriff (Donald Crisp) versucht Ruhe zu bewahren und schlimmes zu verhindern, die hübsche Rose Leland (Arleen Whelan) ist heimlich verliebt in Dave, der auch Gefühle für sie hegt. Doch Connie verdreht auch ihm den Kopf...

Die Dynamik wird von der rücksichtslosen Frau beherrscht - die Situationen, in die die Akteure schlittern sind paranoid, hoffnungslos und auch ziemlich klaustrophobisch. Nicht nur als Regisseur machte Andre de Toth in der Traumfabrik Karriere machte, von ihm stammt auch die Story zu Henry Kings Western "Der Scharfschütze" mit Gregory Peck. Von seinen Western wurde vor allem "Zwischen zwei Feuern" ein Kassenhit, aber auch "Gegenspionage", "Mann im Sattel" oder "Donnernde Hufe" udn "Tag der Gesetzlosen" sind empfehlenswerte Gernrearbeiten. Hier in "Die Farm der Gehetzten" präsentiert de Toth endrücklich die Philosophie des Faustrechts. Der Stärkere siegt, der Schwächere verliert vielleicht sein Leben.
 
 Bewertung. 8 von 10 Punkten.

Donnerstag, 2. September 2021

Tag der Gesetzlosen (Day of the Outlaw)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Andre de Toth

Bitterkalt in Bitters...

"Tag der Gesetzlosen" heißt im Original "Day of the Outlaw" und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Lee E. Wells. Die Story hat Ähnlichkeit mit dem fast zeitgleich gedrehten Joseph Pevney Western "Die Plünderer" - der große Unterschied liegt im Bereich der Locations, denn "Tag der Gesetzlosen" spielt im tiefen Schnee.
Kameramann war Russell Harlan, der in seiner langen Karriere mehrfach für den Oscar vorgeschlagen wurde, die Trophäe jedoch nie gewann. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen "Red River", "The Big Sky", "Die letzte Jagd" und "Wer die Nachtigall stört".
Bitters liegt am Rande der Berge Wyomings und ist ein Nest mit gerade mal 20 Einwohnern. Der Winter ist hart und alles ist verschneit.
Dort lebt der Rinderzüchter Blaise Starrett (Robert Ryan), er war einer der ersten, der sich auf diesem Land niederliess. Gemeinsam mit seinem Vorarbeiter Dan (Nehemiah Persoff) reitet er zu Pferd durch den Ort und entdeckt eine Wagenladung Maschendraht, die Hal Crane (Alan Marshall) gehört. Crane ist der Mann von Starretts einstiger Flamme Helen (Tina Louise) und dieser hat vor seinen Besitz mit diesem Maschendraht einzuzäunen. Dies macht Starrett wütend und er will dies mit allen Mitteln verhindern, notfalls sogar über Leichen oder besser ausgedrückt über Cranes Leiche. Denn dann wäre Helen vielleicht wieder für ihn frei.
Doch bevor es im Wirtshaus zur Eskalation mit der Waffe kommt, dringen Fremde ein. Es ist der fahnenflüchtige, verwundete Captain Jack Bruhn (Burl Ives) mit seinen Männern, die aus einer Bande verwildeter, skrupelloser Banditen besteht.
Sie sind auf der Flucht vor den Soldaten, denn sie haben eine Bank überfallen und sind mit dem erbeuteten Geld auf der Flucht.
Doch sie sind im Ort Bitters in eine Art Falle geraten, denn eine Umkehr ist wegen der Verfolger nicht möglich und die Alternative wäre über die Berge zu reiten, doch die harte Winterzeit macht den Pass dort nicht begehbar.
Starretts bietet sich der Bande als Führer an, denn er gibt an, einen gefährlichen Weg über die Berge hinunter ins Tal zu kennen.
Emine (Venetia Stevenson), die Tochter des Ladenbesitzers Vic (Donald Elson) kann nicht verstehen, dass der junge Gene (David Nelson) Mitglied der Bande ist, sie sagt ihm, dass Starretts womöglich eine List benutzt...
 
Andre de Toths aktive Zeit als Hollywood Regisseur war von 1947 bis Ende der 60er Jahre.
Seine bekannteste Arbeit ist das Drehbuch zu "Der Scharfschütze" sowie seine Regie in dem Horrorklassiker "Das Kabinett des Professor Bondi" mit Vincent Price.
Er galt immer als verlässlicher Routinier, seine Filme waren profitabel, wenn auch sonst die wenigsten seiner weiteren Werke (vor allem Western und Krimis) zu echten Klassikern wurden. Vielleicht am ehesten noch sein Indianer-Western "Zwischen zwei Feuern" mit Kirk Douglas.
"Tag der Gesetzlosen" ist allerdings auch ein sehr empfehlenswerter alter Western, der es verdient hätte einen höheren Status zu haben.
Denn der grimmige Film ist alles andere als 08/15 Westernware. Die Protagonisten sind sehr ambivalent, die meisten sind weder ganz gut noch ganz böse, sondern einfach Menschen mit Schwächen.
Keiner ist hier edel und jeder hat vor allem den eigenen Vorteil im Sinn. Die Bilder, obwohl in Schwarzweiss, erinnern etwas an den Look in Robert Altmans "MacCabe und Mrs. Miller" - also alles etwas schäbiger als sonst im Wilden Westen.
Auch schauspielerisch ist der Film mit Robert Ryan und Burl Ives äusserst gut besetzt.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

 

Dienstag, 31. August 2021

Donnernde Hufe (Thunder over the Plains)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Andre de Toth

Hauptmann der Nordstaaten

Nicht nur Budd Boetticher hat erfolgreich mehrere Western (Ranown Zyklus mit insgesamt 7 Filmen) mit Randolph Scott gemacht. Andre de Toth drehte mit dem Westernhelden sechs Mal zusammen. Diese Filme heißen "Mann im Sattel", "Der schweigsame Fremde", "Dieser Mann weiß zuviel", "Carson City", "Bounty Hunter" und "Donnernde Hufe".  Sie alle entstanden in der Zeit zwischen 1951 und 1954, also einge Zeit vor den Ranown Filmen.
"Donnernde Hufe" ist sicherlich einer der stärksten Filme des Duos und spielt kurze Zeit nach dem Bürgerkrieg in Texas, das noch nicht in die Union zurückgekehrt ist. Dort herrschen Gesetzlosigkeit und Wilkür. Captain David Porter (Randolph Scott) sitzt als Südstaatler, der als Hauptmann in der Nordstaaten-Armee dient, immer ein bisschen zwischen zwei Stühlen. Seine Frau Nora (Phyllis Kirk) leidet unter diesem Problem, denn das Paar wird von den eigenen Landsleuten kritisch beäugt. Viele Texaner misstrauen "Verrätern" und stehen nach wie vor auf der Seite der Konföderierten. Schuld an dieser Misere sind auch die vielen Spekulanten und Kriegsgewinnler, die die Bevölkerung eiskalt ausbeuten. In dieser Zeit hat sich Ben Westerman (Charles McGraw) entschieden gegen diese Machenschaften aggressiv und Kämpferisch vorzugehen. Er gewinnt viele Mitstreiter. Er und seine Männer gelten aber vor Gesetzt als Outlaws und Banditen. Und David Porter hat von seinem Vorgesetzten Lieutenant Colonel Chandler (Henry Hull) den Auftrag den Gesetzlosen zu finden und ihn und seine Männer gefangen zu nehmen. Damit steckt Porter in einem echten Gewissenskonflikt. Auf der einen Seite ist er mit Leib und Seele Soldat, auf der anderen Seite weiß er aber auch, dass erst solche rücksichtslosen Betrüger wie H. L. Balfour (Hugh Sanders) und Joseph Standish (Elisa Cook jr), die vom Gesetz geschützt sind, die Konflikte durch ihre miesen Geschäfte heraufbeschwören.
Mit dem jungen Captain Hodges (Lex Barker) tauchen weitere Probleme auf. Der attraktive junge Captain hat ein Auge auf Porters Frau geworfen und ist ein rücksichtsloser Karrieretyp. Alle Aktionen von Porter stellt er in Frage und setzt sich gegen dessen Befehle hinweg. Man erkennt auch kaum, ob das mit einer Unfähigkeit einhergeht. Wahrscheinlicher ist aber das bewusste Sabotieren von Porters Anweisungen. Jedenfalls erweist sich Hodges als arroganter, anmaßender und skrupelloser Zeitgenosse...

Und beschert seinem Darsteller Lex Barker eine sehr denkwürdige Rolle. Denn so dämlich seine Handlungsweisen auch sein mögen, seine Figur gibt dem guten und soliden Western von Andre de Toth noch eine zusätzliche Würze. Die Rolle ist auch für Lex Barker doch recht ungewöhnlich, denn meistens präsentierte der sich dem Kinogänger als Held - egal ob Tarzan, Lederstrumpf oder Old Shatterhand.
Randolph Scott dagegen glänzt einmal mehr als Held ohne Fehl und Tadel.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.