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Samstag, 18. September 2021

Hölle der 1000 Martern (Run of the Arrow)


Regie: Samuel Fuller

Lauf des Pfeils...

Samuel Fuller drehte seinen Western "Hölle der 1000 Martern" im Jahr 1957, für die Kamerabilder war Joseph Biroc verantwortlich. Es wurde sein bester Western, da der Film voller Überraschungen steckt und nie vorhersehbar ist. Die Pfeile der Indianer und die Kugel, die am Anfang abgeschossen wird, sind dramaturgisch sehr bedeutend in der Geschichte, die der Filmemacher dem Zuschauer nahe bringt.
Es tauchen natürlich Parallelen zu Kevin Costners oscargekröntem Meisterwerk "Der mit dem Wolf tanzt" auf, wobei Fullers Film nur halb so lange dauert und nie wie ein Epos wirkt.
Der Palmsonntag 1865 ist zugleich auch der letzte Tag im amerikanischen Bürgerkrieg. Auf dem Schlachtfeld kommt es zum letzten Schuß des Krieges, die der Konförderiertensoldat und Yankeehasser O'Meara (Rod Steiger) auf den Nordstaatenleutnant Driscoll (Ralph Meeker) abfeuert.
Der getroffene Soldat bleibt schwerverwundet liegen, wird aber von 0`Meara trotz seines Hasses dadurch gerettet, dass er den Verletzten noch zum nächsten Lazarett bringt.
Vom Arzt lässt er sich die Kugel aushändigen als bleibende Erinnerung.
Schwer frustriert über Lees Kapitulation und auch von seinen eigenen Leuten dreht O'Meara wenig später seiner Heimat den Rücken und wagt das Risiko als Abenteurer gegen Westen zu ziehen.
Unterwegs trifft er auf den in Krieg als Fährtensucher der Armee beschäftigte alten Ogalala Sioux Walking Coyote (Jay C. Flippen) und schliesst sich diesem auf seiner Reise an, denn der alte Mann will zurück zu seinem Volk, weil er inzwischen immer mal wieder ans Sterben denkt.
Die beiden fallen in die Hände von jungen, rebellischen Siouxkriegern, die von Crazy Wolf (H.M.Wynant) angeführt werden.
Die Indianer wollen zuerst beide töten, entscheiden sich dann aber für ein Gottesurteil, dass mit Hilfe des grausamen Spiels "Lauf des Pfeils" entschieden werden soll.
Die beiden barfüßigen Unbewaffneten werden von der bewaffneten Indianerhorde mit Pfeil und Bogen gejagt. Bisher hat keiner diesem tödlichen Gottesurteil Stand gehalten.
Durch die Hilfe der Indianerin Yellow Moccasin(Sarita Montiel) gelingt 0` Meara den nächsten Morgen zu überleben. Fortan lebt er bei den Indianern und will ein Sioux werden...

Samuel Fullers Edelwestern "Hölle der 1000 Martern" wirkt sehr stark durch sein Thema der Identitätssuche.
Die Menschen sind verfeindet. Nord- gegen Südstaaten. Rot gegen Weiss. Es gibt ein langsames Bemühen des Miteinanderlebens, doch der Hass steht sehr oft im Weg. Die Kugel mit der der Zyklus der Gewalt eröffnet wird, wird später für denselben Mann zum Akt der Gnade.
Als Häuptling Blue Buffalo ist Charles Bronson zu bewundern.
Leider ist die deutsche DVD Veröffentlichung alles andere als optimal.
Es gibt zwar eine deutsche Fassung und die längere US-Fassung. Leider ist letztere aber ohne deutsche Untertitel, was deshalb sehr schade ist, weil die deutsche Version um einige Minuten gekürzt ist. Vor allem die letzte Minute vom Schluß fehlt einfach, dem Zuschauer der deutschen Fassung wird vorenthalten, dass sich die Kavallerie wieder in Bewegung setzt und der geschriebene Schlusstitel "The end of this story will be written by you" auf dem Bildschirm erscheint.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Vierzig Gewehre (Forty Guns)


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: Samuel Fuller
 
Kaputt und alt...
 
Seine ersten Filme "Ich erschoss Jesse James" und "Der Baron von Arizona" waren Western. Beide Samuel Fuller Filme entstanden in der zweiten Hälfte der 40er Jahre - ein Jahrzehnt später schuf er mit "Vierzig Gewehre" den Vorreiter des Spätwesterns. "40 Gewehre" war für seine Zeit sehr unkonventionell, ist aber zu jeder Sekunde perfekt inszeniert. Mit Barbara Stanwyk hat auch neben den vielen starken Männern in der Geschichte eine genauso starke Frau das Sagen. In Tombstone und Umgebung herrscht die Großgrundbesitzerin Jessica Drummond (Stanwyk), die mit ihren Gefolge aus 40 Reitern schon alleine optisch keinen Zweifel daran lässt, wer hier im Wilden Westen das Sagen hat. Im Jahr 1881 kommen auch die Brüder Griff (Barry Sullivan), Wes (Gene Barry) und Chico Bonell (Robert Dix) nach Tombstone. Er kommt auf Bitten der Regierung in Washington. Ein gewisser Bob Swaim soll von Griff Bonell verhaftet werden. Der gehört zu Jessica Drummonds Gefolgsleuten. Im der Stadt trifft Griff seinen alten Freund Sheriff John Chisholm (Hank Worden), der Probleme mit den Drummonds hat. Griff rät ihm die Stadt zu verlassen und ein Duell zu vermeiden, da Chisholms Augenlicht sehr schlecht ist. Doch der wird auf offener Straße von Jessicas Bruder Brockie (John Ericson) feige erschossen. Griff nimmt ihn fest, doch einen Tag später ist der verkommene Halbstarke wieder auf freiem Fuß - der Einfluss seiner Schwester bei den Politikern und Geschäftsleuten ist immens groß. Er wird zu 50 Dollar verurteilt, weil man eine Notwehr in seinem Handeln sah. Griff lernt dabei Jessica kennen und interessanterweise fühlen sich die beiden irgendwie zueinander hingezogen. Die starke Frau sehnt sich auch nach dem starken Mann, der ihr ebenbürtig erscheint. Doch diese Zuneigung wird eifersüchtig von Sheriff Ned Logan (Dean Jagger) beobachtet, der auch zu deren 40 Gefolgsleuten gehört und zudem darauf spekuliert seine Chefin heiraten zu können. Er plant Griff Bonell aus dem Hinterhalt zu töten und findet in Jessicas Bruder einen Komplizen. Doch das Attentat misslingt. Stattdessen wird Wes an seinem Hochzeitstag mit Louvenia Spanger (Eve Brent) von einer Kugel, die Brockie abfeuert, tödlich getroffen...

Im breiten Cinema Scope glänzt Samuel Fullers schnörkelloser Western mit einigen klasse Kameraeinstellungen. Verantwortlich dafür war Kameramann Joseph F. Biroc, der alllerdings erst im Herbst seines Leben mit einem Oscar für die beste Kameraarbeit (Flammendes Inferno - gemeinsam mit Fred J. Koenekamp) ausgezeichnet wurde. Jede Einstellung sitzt hier und glänzt durch einen eigenständigen Stil, der besonders duch den Einsatz von extremen Nahaufnahmen und der schonungslosen und lakonischen Darstellung von Gewalt zum Tragen kommt. Schnelle, harte Aktionen werden abgelöst von Momenten der Stille. 
Der Blickwinkel in "40 Gewehre" ist für einen Western aber eher verschoben und zeigt nicht die Eroberung eines wilden Westens, sondern der wilde Westen ist bereits in der Endphase angekommen. Es bleibt den Helden von einst, nichts anderes übrig als sich neu in einer neuen Welt zurechtzufinden. Sowohl Jessica als auch Griff sind "kaputt und alt" wie ein Kritiker treffend feststellte.
 
Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

 

Dienstag, 31. August 2021

Ich erschoß Jesse James (I shot Jesse James)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Samuel Fuller

Feigling Robert Ford...

Von keinem Geringerem als Jean Luc Godard bekam Samuel Fullers erster Western "Ich erschoß Jesse James" den Ritterschlag. "Solch bedrückende Intensität hat es im Kino seit Dreyers Jeanne D`Arc nicht mehr gegeben" schrieb er als junger französischer Filmkritiker für die "Cahiers du Cinema". Tatsächlich bietet der Film sehr neurotisch und glänzt auch durch die klaustrophobische Kameraführung. Füllers Debüt wurde damals ein Publikums- und Kritikererfolg, vielleicht auch deshalb weil es Samuel Fuller - der das Genre gar nicht so mochte - viele Westernregeln einfach über Bord warf und stattdessen einen psychotischen und tragischen Antihelden präsentiert. Im Grunde hat Andrew Dominik in seinem gelungenen "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" diese Variante 2007 wieder neu aufgelegt. Alle anderen Jesse James Filme präsentieren eher die Taten des berühmten Banditen und nicht seinen hinterhältigen Mörder, der ehemals sein Freund war.
Samuel Fullers Verdienst ist es dem tragischen Robert Ford ein psychologisches Profil zu geben und dies in äusserst vielschichtiger Art und Weise. Die Geschichte beginnt beim Überfall auf die Bank von Topeka. Da der Bankangestellte den Alarm auslösen kann, läuft der Raub nicht mehr reibungslos. Robert Ford (John Ireland) wird schwer verletzt und Jesse James (Reed Hadley) kann seinen Kumpanen vom Tatort wegschaffen. Lange braucht der Verletzte, um sich im Haus von Jesse in St. Joseph, Missouri zu erholen. Jesse lebt dort als Tom Howard ein fast bürgerliches Leben. Doch Jesse Frau Zee (Barbara Woodell) misstraut dem Freund ihres Mannes. Robert Ford selbst ist verliebt in das Showgirl Cynthy Waters (Barbara Britton). Die will aber keinen Banditen heiraten, sondern ein wohlhabendes, bürgerliches Leben an der Seite eines angesehen Gatten führen. Dies bringt Robert Ford auf einen Plan, denn für die Ergreifung von Jesse James winken 10.000 Dollar - tot oder lebendig. Auch eine Amnestie soll es für den Mann geben, der Jesse ans Messer liefert. Es kommt zur berühmten Szene aus dem Hinterhalt. Während Jesse ein Gemälde zurechtrückt, wird er von seinem Freund aus dem Hinterhalt erschossen. Dies bringt ihm eine große Bekanntheit ein, aber es gibt für ihn keine 10.000 Dollar, mit 500 Dollar wird der Verräter abgespeist. Er ist aber ein freier Mann - allerdings scheint die Liebe von Cynthy durch den Mord erloschen. Denn auch der angesehene John Kelley (Preston Foster) wirbt um die attraktive Frau und der scheint eine bessere Partie zu sein, als der geächtete Lover. So bringt der Mord am Freund Robert Ford kein Glück. Ein Troubadour (Robin Short) singt im Saloon das Lied vom Feigling. Bob Ford ist der meistverachtete Mann im Wilden Westen. Gejagt wird er von Franks Bruder Frank (Tom Tyler) und er fungiert auch als Zielscheibe für schießwütige Jungs, die mit seinem Tod im Revolverhelden-Ranking weit nach oben aufsteigen wollen....

Auch die Geschichte von Bob Ford ist inzwischen Legende. Fuller hat sogar einige homoerotische Untertöne eingeflochten, denn auf den Zuschauer wirkt die Freundschaft zwischen Robert und Jesse extrem innig. Wenn beispielsweise Jesse seinem Freund einen Verband anlegt oder Bob Jesse den Rücken wäscht, während der nackt im Waschzuber sitzt. Hier in dieser Szene deutet sich auch schon der Plan Fords an. Vielleicht auch wegen diesen verbotenen Gefühlen. Sein letzten Worte gelten auch nicht seiner Cynthy, sondern dem Mann, den er erschossen hat "ich habe Jesse James geliebt". So oder so..."Ich erschoß Jesse James" ist bewusst provokativ angelegt und schräg. Eine der eindrücklichsten Szenen des Films ist die Show, in die Robert Ford als Schauspieler einsteigt. Dort wird der feige Mord als Theatervorführung nachgestellt mit dem echten Mörder, der als es zum entscheidenden Schuß kommen soll, nicht mehr abdrücken kann.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.