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Montag, 27. September 2021

Vom Teufel verführt (The Rawhide Years)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Rudolph Mate

Unschuldig gejagt...

In der Kategorie "Beste Kamera" wurde der aus Österreich stammende Rudolph Mate (geboren am 21. Januar 1898 als Rudolf Mayer in Krakau) insgesamt fünfmal für den Oscar nominiert: 1941 für Hitchcocks "Der Auslandskorrespondent", 1942 für "Lord Nelsons letzte Liebe", 1943 für "Der große Wurf", 1944 für "Sahara" und 1945 für "Es tanzt die Göttin". Dennoch ging er immer leer aus. Mate war bereits in der Stummfilmzeit als Kameramann berühmt. Er war Carl Theodor Dreyers Mann für die Bilder der Klassiker "Die Passion der Jungfrau von Orleans" und "Vampyr".  1947 wechselte er auf den Regiestuhl. Als Regisseur löste er zwar nicht die gleiche Begeisterung aus wie als Chefkameramann, aber er drehte dennoch einige überzeugende Filme. Seine beste Arbeit ist sicherlich der Film Noir "D.O.A." (Opfer der Unterwelt), erfolgreich war auch der Science Fiction Film "Der jüngste Tag" oder die Abenteuerfilme "Der eiserne Ritter von Farnsworth" oder "Der Löwe von Sparta". Mit dem jungen Tony Curtis drehte er im Jahr 1955 den temporeichen Western "Vom Teufel verführt". Es war bereits die zweite Arbeit mit dem aufstrebenden Jungstar, der einige Jahre später zu den erfolgreichsten Filmstars aufsteigen konnte.
"Vom Teufel verführt" heißt im Original "The Rawhide Years" und erzählt die Geschichte des jungen Riverboat-Spielers Ben Matthews (Tony Curtis) dessen Mentor Carrico (Donald Randolph) mit gutem Erfolg reiche Mitreisende auf den Mississippi Dampfern mit seinen Kartentricks betrügt. Auf einer dieser Fahrten bringen sie einen alten Geschäftsmann um das ganze Vermögen. Der Großrancher Matt Comfort (William Demarest) beobachtet mit Sheriff Sommers (William Gargan) das Spiel und ist sich sicher, dass die beiden Männer falsch spielten, kann es aber nicht beweisen. Er lässt sich von Ben zu einem Spiel überreden, dass er dann überraschend gewinnt: Ben hat seine guten Karten nicht gegen ihn eingesetzt und ihn gewinnen lassen. Dies imponiert dem alten Rancher und beide treffen sich anschließend in Comforts Kabine, wo Ben eine Anstellung auf der Ranch in Aussicht gestellt bekommt. Doch soweit kommt es nicht. Flußpiraten ermorden Comfort und der Verdacht fällt gleich auf Ben und Carrico. Ben kann zwar fliehen, aber in der Stadt Galena lyncht man gerne ohne Prozess Verdächtige und so hängt Bens Mentor ziemlich schnell am Galgen. Ben sagt seiner Liebchen Zoe Fontaine (Colleen Miller) Adieu und muss sofort verschwinden. Das Mädchen will aber auf ihn warten. Doch der Geschäftsmann Andre Boucher (Peter van Eyck), dem auch die Bar gehört, fährt auch auf sein singendes Zugpferd ab. Es vergeht eine gewisse Zeit, Ben wird Cowboy und tatsächlich hat er danach die Möglichkeit in Galena den Verdacht gegen ihn auszuräumen. Auf dem Weg dorthin lernt er den sympathischen Tagedieb Rick Harper (Arthur Kennedy), der es eigentlich auf die Dollars, die Ben verdient hat, abgesehen hat. Doch irgendwie kommen sich die beiden Männer auch freundschaftlich etwas näher. Ben bucht mit seinem neuen Begleiter eine Passage über den Mississippi. Dann tauchen erneut die Flußpiraten auf..

Ein schöner Technicolorwestern mit einigen netten Einfällen. Eine indianische Holzfigur wird schließlich den miesen Banditen zum Verhängnis. Doch bevor sich Ben reinwaschen kann, muss er noch einige Abenteuer bestehen und auch einige Ganoven aus dem Weg räumen. Dabei geben der gutaussehende Sunnyboy Tony Curtis und Arthur Kennedy als liebenswertes Schlitzohr ein sehr gutes Gespann ab. Es ist Arthur Kennedy, meistens in ernsthaften Rollen besetzt, der hier mit einer immensen Spielfreude dem Film eine humorvolle Note verleiht. Und die steht der Geschichte ausserordentlich gut. In einer Schlüsselrolle ist der deutsche Filmschauspieler Peter van Eyck zu sehen, der leider viel zu früh starb und mit seiner Rolle als Bimba in Clouzots Nitroglyzerin Thriller "Lohn der Angst" unvergessen bleibt.

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

 

Mittwoch, 8. September 2021

Reiter ohne Gnade (Kansas Riders)


Regie: Ray Enright

Ein Lehrer und seine Schüler...

In der deutschen Fassung von "Kansas Raiders" aus dem Jahr 1950 wurden aus Jesse (Audie Murphy) und Frank James (Richard Long), Kit Dalton (Tony Curtis) und Cole (James Best) und James Younger (Dewey Martin) die Filmfiguren Johnny Camps mit Bruder Frank, Ken Norton und Sol und Jim Tucker, was besonders das Ende auch verfälscht, denn die jungen Männer machen sich danach auf wieder in die alte Heimat zurückzukehren und den Schauplätzen des Krieges den Rücken zu kehren...dabei zeigte der unheilvolle Einfluß von Quantrill (Brian Donlevy) in eine ganz andere Richtung. Statdessen trat die Gruppe dieser jungen Männer am Ende sein Erbe der Gesetzlosigkeit an und sie werden zukünftig eine Laufbahn als gesuchte Schwerverbrecher einschlagen. Jesse James, damals 17 Jahr, wurde am 3. April 1882 im Alter von 34 Jahren erschossen. William Clark Quantrill selbst lebte von 1837 bis 1865 und war einer der berüchtigtsten Partisanenführer des Sezessionskriegs. Unsere fünf jungen Männer haben im Krieg sowohl Heimat als auch die Eltern verloren. So entsand ein unbändiger Hass auf alle Yankee-Soldaten. Sie sind auf der Suche nach diesem legendären Quantrill, der sich mit einer großen Truppe von Guerillas vor den Unionstruppen versteckt hält. Auf ihrer Reise treeffen sie die hübsche Kate Clark (Marquerita Chapman), die Qunatrill kennt, die Jungs aber davor warnt sich seiner Bande anzuschließen. Wenig später treffen sie auf Quantrills Männer, werden zuerst gefangen genommen und dann vom selbsternannten Heeresführer in seinen Kreis aufgenommen - auch Kate treffen sie bei der Bande wieder, sie ist die Geliebte von Quantrill. Und Johnny, der Anführer der Jungs, gewinnt durch seine Intelligenz, sein strategisches Verständnis und seine Führungsqualiäten schnell das Vertrauen des Obersten. Aber er bemerkt auch, dass es der Bande nicht alleine um den Kampf gegen die Yankee Soldaten geht. Brutale Überfälle auf Patrouillen, Eisenbahnstrecken, Kuriere und Siedlungen der Union verschafften dem Partisanenführer den Ruf "The bloodiest man in American History" zu sein, Doch er und vor allem auch seine rechte Hand Bill Anderson (Scott Brady) vergreifen sich oft auch an Zivilisten, brennen Farmen nieder und töten Frauen und Kinder. Ausserdem lässt er gefangene Soldaten als Spione exekutieren. Johnny wendet sich bald von seinem Vorbild ab....

"Reiter ohne Gnade" wurde von Ray Enright inszeniert und basiert auf einem Drehbuch von Robert L. Richards, der auch das Script zu "Winchester 73" verfasste. Thematisiert wird nicht nur der amerikanische Bürgerkrieg, der Menschen entwurzelt und sie zu Kriminellen macht, sondern auch die Konfrontation von verfeindeten Rebellentruppen, die noch gefährlicher waren als die Männer der beiden sich bekämpfenden Armeen. Denn diese Banden mussten sich nicht an Spielregeln halten. So kam zum Krieg auch noch eine weitere, ganz furchterregende Brutalität noch oben drauf. Raub, Plünderung und Mord schien zur Tagesordnung zu werden.
Der Film gewährt m.E. eine recht authentischen und stimmigen Blick in diese Zeit und zeigt auch eindrücklich, dass der ehemalige Kämpfer Quantrill langsam die Kontrolle über seine Truppe verliert und wie sich seine patriotischen Ideale immer mehr ins reine Banditentum verwandeln. In den noch unverdorbenen Johnnny Camps sieht er vielleicht sich selbst, doch diese Erkenntnis kommt dann leider viel zu spät. Es gibt viel Action und viele Kugeln finden ihr Ziel. Es gibt Überfälle und Kriegsverbrechen zu sehen und der Zuschauer bekommt einen guten Eindruck was damals tatsächlich jenseits der offiziellen Schlachtfelder geschah. Mit einer Laufzeit von knapp unter 80 Minuten ist die Produktion auch nicht zu lang ausgefallen. Einmal mehr darf Audie Murphy sich in den Sattel schwingen und die Waffen sprechen lassen. "Reiter ohne Gnade" war einer seiner ersten Western, er war damals gerade mal 25 Jahre alt. Er macht seine Sache gut, wirkt glaubwürdig in dieser Geschichte über die unheilvollen Verführungen zum Bösen.

Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.