Regie: Roy Rowland
Der glorreiche Revolverheld...
Der Western "Schlucht des Verderbens" heißt im Original "Gun Glory"
und entstand im Jahr 1957 unter der Regie von Roy Rowland, der 14 Jahre
zuvor seinen Einstand im Regiefach hatte. Seine Inszenierungen waren
routinierte Unterhaltung. Künstlerische Ambitionen hatte er keine und er
war in sehr vielen Genres tätig. Sein bekanntester Film ist vielleicht
der Gruselfilm "Die 5000 Finger des Dr. T".
Ab der ausgehenden 50er Dekade drehte er die meisten Filme in Europa, dort machte er vornehmlich Italo-Western und Piratenfilme.
Den "ruhmreichen Revolver" hat in "Schlucht des Verderbens" der
Heimkehrer Tom Early, der von Stewart Granger gespielt wird. Er hat vor
Jahren schon seine Frau und den gemeinsamen Sohn verlassen und versuchte
als Revolverheld sein Glück. Durch sein Geschick mit dem Revolver blieb
er am Leben, wenn er herausgefordert wurde und hat nun einen
berüchtigten Namen. Daher sind die Bürger in seinem kleinen
Heimatstädtchen alles andere als erfreut, als sie ihn durch ihre Straße
reiten sehen. Besonders der Krämer Sam Wainscott (Jacques Aubuchon)
zeigt ihm offen seine Verachtung als Tom Early in seinem Laden
auftaucht, um etwas einzukaufen. Nicht zuletzt deshalb, weil seine
Verkäuferin Jo (Rhonda Fleming) den Heimkehrer attraktiv findet. Auf
seiner eigenen Farm angekommen, erfährt er vom eher ablehnenden
Sprößling Tom Early Junior (Steve Rowlands) vom Tod der Frau. Doch diese
war sich immer sicher, dass ihr Mann irgendwann zurückkehren würde und
dann ein zufriedenes, erfülltes Leben als Farmer leben würde. Dies hat
Tom Early tatsächlich vor, doch der Sohn ist skeptisch. Aber er versucht
es mit dem Vater, den insgeheim bewundert er ihn auch. Da die Männer
eine Frau im Haus brauchen, bekommt Jo das Angebot als Haushälterin bei
den Early Männern zu arbeiten. Das macht sie gerne, denn sie findet
Early Senior sehr charismatisch und merkt nicht, dass der Junge auch
schon an die Liebe denkt. Der Pastor (Chill Wills) ist der Einzige, der
den geläuterten Sünder Tom Early mit offenen Armen empfängt. Bald haben
die Einwohner der Gegend ganz andere Sorgen, denn der skrupellose
Viehbaron Grimsell (James Gregory) hat verkündet, dass er 20.000 Rinder
durch die Stadt treiben muss. Begleitet wird Grimsell von zwei
Revolverhelden. Einer davon wird schon bei der ersten Begegnung mit Tom
Early diesen auch zu einem Duell auf Leben und Tod herausfordern..


So kommt der Held immer wieder in die Situation, dass er seinen
Revolver benutzen muss, um sich Recht zu verschaffen. Dabei vergisst er
sogar das Ablegen des Schießeisens als Jo, sein Sohn und er selbst den
Gottesdienst am Sonntag besuchen. Zum Glück macht ihn der Sohn darauf
aufmerksam. Stewart Granger ist natürlich ein großes Plus für diesen
routinierten Western, der allerdings sehr schön fotografiert ist
(Kameramann: Harold J. Marzorati). Der Hauptdarsteller verfügt über das
nötige Charisma diesen schillernden Gunman zu spielen und Chill Wills
sowie Rhonda Fleming sind auch immer wieder gern gesehene Darsteller im
Westerngenre. Für die Rolle des Tom Early Junior bekam der Sohn des
Regisseurs den Zuschlag. Dabei hätte diese Rolle wahrscheinlich besser
funktioniert, wenn man einen jüngeren Schauspieler gecastet hätte. Steve
Rowlands macht seine Sache zwar nicht schlecht, aber mit seinen 25
Jahren wirkt er schon zu alt für den Sohn, der gerade mit seiner
Pubertät zurechtkommen muss. Ansonsten ist "Schlucht des Verderbens" ein
angenehmer, geradliniger B-Western.


Bewertung: 7 von 10 Punkten