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Donnerstag, 23. September 2021

Todesfaust (Tenessee´s Partner)


Regie: Allan Dwan

Tennessee´s Freund...

"Todesfaust" ist ein Film, den der Regieveteran Allan Dwan im Jahr 1955 gedreht hat. Der Film heißt im Original "Tennessee´s Partner" und ist neben "Stadt der Verdammten" Dwans bester Western - beide Arbeiten zählen zu Recht zu den besten B-Western überhaupt. In beiden Filmen spielt John Payne die Hauptrolle und als Glücksspieler Tennessee ist er hier perfekt besetzt.
"Todesfaust" ist auch ein Film über die Freundschaft zweier sehr unterschiedlicher Männer, denn dem Glücksspieler läuft rein zufällig ein namenloser Cowboy - gespielt von Ronald Reagan - über den Weg, der ihm das Leben rettet.
Denn als Pokerkönig hat Tennessee nicht nur viele Bewunderer, sondern auch viele Neider. Und genauso viele Spieler, die Geld an ihn verloren haben. Tennessee hat ein Verhältnis mit der selbstbewussten Duchess (Rhonda Fleming), die in der Stadt Sand Hill ein eigenartiges Etablissement mit Heiratsvermittlung führt. Die Frau ist verliebt in Tennessee, doch dem geht seine Freiheit über alles und er denkt nicht daran sich zu binden. Tennessees größter Widersacher ist der vermögende Turner (Anthony Caruso), der aber stets im Dunkel agiert. Bei einem Pokerspiel verliert ein Gentleman viel Geld und bezichtigt Tennessee als Falschspieler. Einen Tag später lauert der Geprellte im Hinterhalt und will sich an Tennessee rächen. Zum Glück kommt der Goldsucher Cowpoke (Reagan) gerade vorbei und hilft aus der brenzligen Situation. Die beiden Männer werden spontan zu Freunden. Cowpoke will in Sand Hill Gold schürfen und hat es schon zu einem kleinen Vermögen gebracht. Grund genug eine gewisse Goldie (Coleen Gray) zu ehelichen, die der gutmütige Naivling vor kurzem kennengelernt hat. Tennessee staunt nicht schlecht als der Cowpokes angehende Gattin sieht - er kennt die Lady von früher und in dieser Zeit war sie mit ganzer Leidenschaft ein Flittchen. Als der alte Goldsucher Grubstake Gold findet, dreht die gesamte Stadt fast durch und feiert. Am anderen Tag wird der alte Mann ermordet aufgefunden. Der Verdacht fällt auf Tennessee, der wegen dieser Goldie bereits mit seinem neuen Freund in Konflikt geraten ist...


Am Ende steht eine Szene, in der der Cowboy zum zweiten Mal seinem Freund das Leben rettet "und dabei kannte ich noch nicht mal seinen richtigen Namen" wird der Zuschauer John Payne in einer der letzten Szenen des Films sagen hören. Ein Satz, den zwei Jahrzehnte später auch Richard Brooks in seinem "700 Meilen westwärts" wiederverwendet hat. Bei Brooks gehört der Satz Gene Hackman, in dessen Arm gerade der namenlose Cowboy Ben Johnson gestorben ist. Dwan war beim Dreh schon 70 Jahre alt und blickte bereits auf eine Filmkarriere zurück, die in den frühen kindertagen des Films - im Jahr 1911 - begann. Dwan drehte den Stummfilm "Robin Hood" mit dem damaligen Superstar Douglas Fairbanks. Es war der Autorenfilmer Peter Bogdanovich, der den Filmpionier mit der Biographie "The Last Pioneer" wieder in die Erinnerung der Filmfans brachte.

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

 

Stadt der Verdammten (Silver Lode)


Regie: Allan Dwan

Menschenjagd in Silver Lode...

Allan Dwan hat mal in einem Interview gesagt, dass er sehr stolz auf "Stadt der Verdammten" (Originaltitel: Silver Lode) sei. Er hat aber gemeint, dass es kein politischer Film sei, wie oft vermutet wurde. Nicht allein wegen dem Namen des Schurken McCarthy. Vielmehr wollte er eine satirische Beschreibung einer heuchlerischen Gemeinde aufzeigen. Das Thema war, dass ein Mann aus falschen Gründen verdammt wird und dann sogar aus anderen falschen Gründen rehabilitiert wird. Die Kritiker und Fans, die in dem 1954 entstandenen Western mehr sahen, gaben vor allem auch dieses hysterische Progrom gegen die Bürger an, die dieser Hexenjäger im Nu entfesselt und die Denunzianten damit merklich fördert.
Über New York landet Dwann 1911 in der aufstrebenden Traumfabrik Hollywood. In den nächsten 7 Jahren ist er Regisseur und teilweise auch Drehbuchautor für über 200 Produktionen, meistens waren es Kurzfilme. In den Roaring Twenties gilt er als einer der größten Regisseure seiner Zeit, doch viele seiner Filme gelten leider heute als verschollen. Mit dem Siegeszug des Tonfilms verblasste sein Status als Legende, er konnte aber dennoch immer wieder Filmerfolge feiern, beispielsweise mit "Heidi" (in der Hauptrolle Kinderstar Shirley Temple) oder "Suez" (mit Tyrone Power). Dann wurde es still um ihn, ein Comeback feierte er mit dem John Wayne Kriegsfilm "Du warst unser Kamerad". Zu seinen bekannten Western neben "Stadt der Verdammten" zählen auch "Königin der Berge" und "Todesfaust".
Nirgends ist es so schön wie daheim in Kansas, im kleinen Städtchen Silver Lode. Doch der Schein trügt. Am 4. Juli, dem amerikanischen Nationafeiertag reiten mehrere Männer in eine kleine Stadt. Der Anführer von ihnen, ein gewisser McCarthy (Dan Duryea) macht einen finsteren Eindruck, auch seine Männer (u.a. Harry Carey jr, Stuart Whitman) wirken so wie Banditen. Doch McCarthy weist sich als US-Marshall aus. Er hat den weiten Weg gemacht, damit er - so wie er sagt - den Mörder seines Bruders verhaften kann, wo ihm im entfernten Discovery, California der Prozess gemacht werden soll. McCarthy will ihn Tot oder lebendig. Dieser Haftbefehl beschuldigt den unbescholtenen Farmer Dan Ballard (John Payne) der gerade an diesem Feiertag auch kurz vor seiner Trauung mit Rose Evans (Lizabeth Scott) steht, die einen reichen Vater (Moris Ankrum) hat. Roses Bruder Mitch (John Hudson) ist sein bester Freund, ebenso halten auch der Richter Cranston (Robert Warwick) oder Sehriff Wooley (Emile Meyer) große Stücke auf Dan, der allerdings erst vor 2 Jahren in der Stadt aufgetaucht ist. Er machte damals eine zerlumpten Eindruck, hatte aber 20.000 Dollar bei sich, mit denen er dann in Silver Lode ein neues Leben aufbauen konnte. Er war ehrlich und fleißig und keiner hatte in jemals über seine Vergangenheit ausgefragt. An diesem heutigen Tag holt sie ihn wieder ein. Zuerst hält beinahe der ganze Ort seine schützende Hand auf Dan, sie wollen den Marshall begleiten, weil man durch dessen Auftreten befürchtet, dass Dan den Ritt nach Californien nicht überlebt. Er soll den Mann beim Pokerspiel von hinten erschossen hat, nachdem er als Falschspieler entlarvt wurde. Dans Version ist Notwehr. Er bittet darum 2 Stunden Aufschub zu bekommen, damit er sich durch ein Telegramm entlasten kann. Doch die Stimmung wendet sich schnell gegen ihn, in der Stadt kommen schnell Klatschgeschichten auf, die von vielen Neidern erzählt werden. Als er fürchtet, dass auch Rose sich von ihm abwendet, sucht er Hilfe bei der Barsängerin Dolly (Dolores Moran), mit der mal ein Verhältnis hatte...

Nicht nur in dieser Konstellation erinnert "Stadt der Verdammten" ein bisschen an das Dreiergeflecht Gary Cooper - Grace Kelly - Katy Jurado in dem berühmten "High Noon". Auch sonst gibt es einige Ähnlichkeiten. Doch Dwan war ein Meister im Herunterkurbeln seiner Werke, er wollte immer das Budget einhalten. Und das war mit 700.000 bis 800.000 Dollar schon damals nicht besonders üppig. Produzent war Bendedict Bogeaus, der auch das vormals opulentere Drehbuch schrieb. Dwan kürzte es auf Budgetgröße, was zuerst für schlechte Stimmung sorgte und erst durch den Erfolg des Films wieder etwas harmonischer wurde. Im Endeffekt machte das Gespann viele weitere B-Pictures.
"Stadt der Verdammten" ist ein Film des Stummfilmpioniers Allan Dwan: Klar, einfallsreich, flüssig, ironisch und völlig unspektakulär. Sehr auffällig sind die durch die Fenster der Häuser gefilmten Einstellungen auf die Stadt. Dwan war einer, der auf die vertraute Architektur und Kulisse der typischen Hollywoodschen Westernstadt extrem vertraute. Dabei stand ihm meistens der exzellente Kameramann John Alton zur Verfügung, der bekannt war für seinen genialen Lichteinsatz.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

Dienstag, 7. September 2021

Am Tod vorbei (Woman they almost lynched)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Allan Dwan

Frauen, die schießen, kämpfen und hängen...

Allan Dwans 1953 inzenierter Western "Am Tode vorbei" heißt im Original "The Woman they almost lynched". Wie der Titel schon vermuten lässt, handelt es um eher ungewöhnlichen Genrevertreter. Dabei sind es vor allem die Frauen, die extrem stark und empanzipiert auftreten. Allan Dwan war ein Meister des B-Pictures, obwohl er auch mit Kinderstar Shirley Temple erfolgreiche Filme realisierte. Die 20th Century Fox verpflichtete den guten Handwerker auch für den Monumentalschinken "Suez" mit Tyrone Power und Loretta Young. Mitte der 40er Jahre wurde er Vertragsregisseur bei den Republic Studios und drehte dort Filme wie "Du warst unser Kamerad" oder "Die Schönste von Montana" drehte. Der Western "Stadt der Verdammten" wird meistens als seine beste Arbeit genannt. Auch "Am Tode vorbei" hat viele Stärken. Wobei das Drehbuch aber doch recht seltsam ist und auch die Gesangseinlagen von Audrey Totter haben heute sicherlich nicht mehr diese todbringende Wirkung wie vom Macher damals dramaturgisch gewollt. Und Brian Donlevy ist einmal mehr als Rebellenführer Quantrill zu sehen. Sein Widersacher ist John Lund, der in dem Film leider etwas farblos bleibt. Vielleicht deshalb weil hier in Border City, die Frauen die Hose anhaben. Bürgermeisterin ist die resolute Delilah Courtney (Nina Varela), die in der Stadt das ultimative Sagen hat und wie ein Diktator über das Städtchen herrscht. Sie beruft sich dabei auf die Pflicht, dass die Stadt, in der die Staatsgrenze von Kansas und Missouri verläuft, immer neutral bleibt. Dies sichert den Frieden und wer sich hier als Streiter für den Süden oder für den Norden zu erkennen gibt, der wird von der Bürgermeisterin einfach gelyncht. Noch ist es in der Stadt friedlich, doch es Nordstaatengruppen in der Nähe, auch die Regimenter des Südens halten sich hier irgendwo auf und erschwerend kommt noch hinzu, dass der Rebellenführer Quantrill mit seiner Bande die Gegend unsicher macht. Mit Quantrill reiten auch der junge Jesse James (Ben Cooper), Frank James (Frank Brown), Cole Younger (Jim Davis) und Quantrills aggressive Ehefrau Kate (Audrey Totter), die mal die Barsängerin Kitty McCoy war und in der Bar von Bitterroot Bill Marris (Reed Hadley) war und auch dessen Geliebte. Doch Quantrill hat die Frau entführt und Marris wurde zum verbitterten Menschenfeind. Marris jüngere Schwester Sally (Joan Leslie) ist mit der Postkutsche unterwegs und will ihren Bruder in Border City besuchen, wo gerade mal wieder jemand aufgehängt wurde. Kurz vor der Stadt wird die Kutsche von Quantrill überfallen, so lernt die junge Dame auch die Guerilla Bande kennen. Mit der fiesen Kate wird sie im Laufe der Handlung auch noch eine wilde Schlägerei und einen Gunfight bestreiten...

Und damit sind Joan Leslie und Audrey Totter die heimlichen Hauptdarstellerinnen dieses temporeichen und völlig anderen Western. Die Männer sind nur Beiwerk in diesen Kämpfen aus den letzten Tagen des Bürgerkrieges. Am Ende versammelt sich die neugierige Stadtbevölkerung noch einmal vor dem Galgenbaum, um jemanden hängen zu sehen. Aber vielleicht kann diese Katastrophe doch noch abgewendet werden, weil man Lund und Leslie nicht den Kuss am Ende verwehren will.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.