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Samstag, 9. Oktober 2021

Wichita (Wichita)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Jacques Tourneur

Wyatt Earp ist in der Stadt...

Das Städtchen Wichita war zur Zeit des Wilden Westens eine Bahnstation und damit Endpunkt der Viehtrecks aus Texas. Dadurch boomten diese Orte, sie zogen viele Cowboys an und die sollten ihr Geld in den vielen Saloons und Hotels der Stadt wieder loswerden. Für die Bürger einer solchen Stadt war dies eine beeindruckende Einnahmequelle, da nahm man auch mal eine Horde voller betrunkener und bewaffenter Männer in Kauf. Irgendwann wurde der berühmte Wyatt Earp Marshall in Wichita und Jacques Tourneur machte aus dieser Phase im Leben des berühmten Revolverhelden einen Film. Sein "Wichita" entstand im Jahr 1955 und gehört zweifelsohne trotz der starken Konkurrenz anderer Filme zu den besten Filmen über Wyatt Earp und darf trotz seines B-Movie Charmes im gleichen Atemzug wie John Fords "Faustrecht der Prärie" oder John Sturges "Zwei rechnen ab" genannt werden. Obwohl die berühmte Schießerei am O. K. Corral gar nicht vorkommt.
"Wichita" ist alleine schon wegen seiner Optik (CinemaScope, Technicolor) ein echter Knaller. Der russischstämmige Kameramann Harold Lipstein (Colorado, Der Speer der Rache, Pal Joey) war für die herrlichen Bilder zuständig und es war nicht der erste Ausflug von Tourneur in den Wilden Westen. Bereits 1946 schuf er mit "Feuer am Horizont" einen famosen, aber leider vielzu wenig bekannten Klassiker.
Da es im Jahr 1955 einen Golden Globe für die Kategorie "Bestes Outdoor Drama" gab, gewann "Wichita" diesen Preis, der nur in diesem einen Jahr vergeben wurde.
Hauptdarsteller Joel McCrae macht eine klasse Figur - auch wenn er mit seinen 50 Jahren für die Figur des Wyatt Earp viel zu alt ist. Der echte Earp war als Marshall in Wichita nur halb so alt.
In den ersten Szenen des Films gibt Tourneur Einblick in das Leben dieser Cowboys, die die Viehtrecks begleiten. Den ehemalige Bisonjäger Wyatt Earp (Joel McCrea) schließt sich dem Treck des Ranchers Wallace (Walter Sande) an, begleitet diese auf dem Weg nah Wichita. Denn es zieht ihn ebenfalls in diese aufstrebende Stadt. Er hat vor, dort Geschäfte zu machen. Der Eisenbahn-Ingenieur Sam McCoy (Walter Coy),  Bürgermeister Hoke (Carl Benton Raid) und der Saloonbesitzer Black (Edgar Buchanan) reiben sich bereits im Vorfeld schon die Hände, weil sie wissen, dass viel Geld in die Kassen gespült wird.
Fast jede Nacht kommt es zu Ausschreitungen. Wenn die Cowboys genug getrunken haben, ballern sie ohne Sinn und Verstand mit ihren Pistolen. Die Bevölkerung ist gut beraten, sich im sicheren Haus zu verschanzen.
Bei einem Banküberfall ist Wyatt Earp zur Stelle und kann mit seinen Schießkünsten alle drei Banditen ins Jenseits befördern. Das gefällt den Honorationen der Stadt und sie versuchen diesen starken Mann als Marshall zu gewinnen. Er ist der Idealtyp hier für Gesetz und Ordnung zu sorgen. Doch Wyatt lehnt zunächst ab und macht McCoys hübscher Tochter Laurie (Vera Miles) schöne Augen. Dann wird in einer dieser ominösen Nächte zufällig ein kleiner Junge aus Versehen von einer Kugel tödlich getroffen. Nun nimmt Wyatt das Gesetz in die Hand - natürlich ohne Kompromisse. Vor allem verbietet er Waffen in Wichita. Dies ist für die Bürger auch wieder ein Dorn im Auge, denn mit solchen striken Verboten zieht es nur wenige Cowboys in die Stadt. Black versucht Auftragskiller in die Stadt zu holen, die das Problem Wyatt Earp erledigen sollen. Doch stattdessen bekommt der Marshall Untersützung von seinen jüngeren Brüdern Jim (John Smith) und Morgan (Peter Graves)...

Wie in vielen Hollywood-Klassikern dieser Zeit geht auch Tourneur sehr frei mit der Wahrheit um. Eine Laurie hat Wyatt Earp in "Wichita" nie geheiratet, auch wenn dieses Happyend diesen hervorragenden Western beschließt. In einer Nebenrolle als Lauries Mutter ist Mae Clark zu sehen, die zwanzig Jahre zuvor Berühmtheit im Gangsterepos "Public Enemy" erlangte, weil James Cagney ihr dort in einer Szene eine Grapefruit ins Gesicht drückt. Auch Jack Elam ist mit von der Partie, als Bankier soll sogar der spätere Meisterregisseur Sam Peckinpah zu sehen sein.
"Wichita" ist einfach, aber extrem effektiv - das Szenario wurde später auch in Edward Dmytryks "Warlock" wieder aufgenommen. Auch dort bettelt die Stadt um Beistand eines Revolverhelden, der dann Marshall wird. Als dieser zu sehr die Geschicke der Stadt bestimmt, stellen sich die sogenannten guten Bürger gegen ihn. Die Schlußbilder beider Filme sind aber grundverschieden. Während in "Warlock" Henry Fonda verbittert die stadt verlässt, nachdem er seinen besten Freund erschoß, reitet in "Wichita" Wyatt mit seiner Laurie in eine glückliche Zukunft - zuerst nach Dodge City, dann nach Tombstone. Aber das sind wieder ganz andere Geschichten.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

 

Donnerstag, 30. September 2021

Skrupellos (Great Day in the Morning)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Jacques Tourneur

Gold in Denver....

Regisseur Jacques Tourneur hat mit einem geringem Budget "Katzenmenschen" und "Ich folgte einem Zombie" gedreht - beide Filme wurden zu richtungsweisenden Meilensteinen des Horrorfilms. Auch "Goldenes Gift" gehört zweifelsohne zu den ganz großen Meisterwerken der schwarzen Serie. Seine Western sind weniger bekannt. Sie zählen zwar nicht zu den Meisterwerken des Genres, aber es sind dennoch gute und spannende Filme. Sein Zerwürfnis mit den Studiobossen beim Western "Stars in my Crown" führte sogar dazu,, dass er immer weniger Aufträge als Regisseur bekam und nur noch selten an seine Filmkarriere in den 40er anknüpfen konnte. Im Jahr 1956 drehte er den Western "Skrupellos" (Originaltitel: Great Day in the Morning") und immerhin standen ihm mit Robert Stack, Ruth Roman, Raymond Burr und Virginia Mayo einige bekannte Gesichter als Darsteller zur Verfügung. Stack bekam sogar kurz nach dem Dreh für seine Rolle in Douglas Sirks "In den Wind geschrieben" eine Oscarnominierung. Auch als Westernheld machte er eine gute Figur - als undurchsichtige Hauptfigur muss er sich im Laufe der Geschichte auch zwischen zwei Frauen entscheiden. Es war nach "Feuer am Horizont" und "Wichita" der letzte Western des unangepassten Regiesseurs und die Geschichte basiert auf einem Roman von Robert Hardy Andrews. Die Handlung spielt 1961 kurz vor dem Beginn des amerikanischen Bürgerkriegs in und um Denver. Gleich zu Beginn wird die Hauptfigur Owen Pentecost (Robert Stack) vorgestellt, der versucht, sich bei einem Angriff der Indianer zu verteidigen. Doch die Angreifer sind in der Überzahl. Zum Glück kommen ihm einige Männer zu Hife, die die Indianer in die Flucht schlagen. Deren Anführer Zeff Masterson (Leo Gordon) ist - nachdem er erfährt, dass Owen ein Südstaatler ist - gar nicht mehr erfreut über die Rettung eines zukünftigen Feindes, denn jeden Moment könnte der Bruderkrieg ausbrechen. Zum Glück ist Mastersons Kollege Stephen Kirby (Alex Nicol) viel besonnener. Er verhindert, dass Owen noch an Ort und Stelle erledigt wird. Bald errreichen sie Denver, Colorado, wo auch alles darauf hindeutet, dass der Krieg jeden Moment ausbrechen könnte. Owens Plan ist es das Gold in den Süden zu transportieren, dass konföderierte Bergleute hier ausgegraben haben. Das muss natürlich geheim ablaufen, denn die Yankees könnten diesem lukrativen Unternehmen im Wege stehen. Im Saloon der Stadt lernt Owen die attraktive Boston (Ruth Roman) kennen, die dort als Saloonlady von dem Besitzer Jumbo (Raymond Burr) beschäftigt und auch begehrt wird. Owen findet ebenfalls Gefallen an der schönen Frau, aber auch die blonde Ann Mary Allaine (Virginia Mayo), die zur gleichen zeit wie er nach Denver kam, um dort einen Kleiderladen zu eröffnen, gefällt ihm. Er flirtet mit beiden Frauen, während er versucht seine Mission zu starten. Natürlich ist Owen kein Patriot und das Säbelrasseln ist im völlig egal. Hauptsache seine Tasche wird danach prall gefüllt sein. Und mit der Pistole kann er bravourös umgehen ausserdem gewinnt er den Saloon bei einem Pokerspiel mit seinem Feind Jumbo...

Dass ausgerechnet ein Kind  - der kleine Gary John Lawford, gespielt von Donald MacDonald (Der Mann aus Kentucky) - zur Schlüsselfigur der Geschichte wird und die Handlungen des zwiespältigen Helden mitbestimmt, macht das Szenario umso interessanter. Aus einem bestimmten Grund nimmt sich Owen dem Jungen an und wird dabei mit seinen weniger guten Eigenschaften konfrontiert. Eine gewisse Todessehnsucht schwingt nun mit - Stack überzeugt als angezählter Charakter.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

Samstag, 18. September 2021

Feuer am Horizont (Canyon Passage)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Jacques Tourneur

Abenteuer durch Wälder und Schluchten...

Für Jacques Tourneur war der Western "Feuer am Horizont" (Original: Canyon Passage) sein erster Farbfilm und zu diesem Zeitpunkt (1946) zugleich erstmalig auch ein Film mit einem größeren Budget, das sich schon bei der Besetzung bemerkbar macht: Brian Donlevy, Dana Andrews, Ward Bond und Susan Hayward waren bekannte Namen. Tourneur, Sohn des angesehenen französischen Regisseurs Maurice Tourneur,  führte zuvor eher in B-Movies und Kurzfilmen Regie, eher sich einen Namen als Regisseur von stilvollen Horrorfilmen machen konnte. Mit den Val Lewton Produktionen "Ich folgte einem Zombie" und "Katzenmenschen" schuf er zwei grandiose Klassiker des 40er Jahre Horrorfilms. Dann verließ Tourneur Universal und machte für RKO noch einen unsterblichen Klassiker der schwarzen Serie: "Goldenes Gift" aus dem Jahr 1947. 
In "Feuer am Horizont" wird schon viel gereist. Ausgangspunkt dieser abenteuerlichen Unternehmungen ist das kleine Städchen Jacksonville in Oregon. Dort lebt im Jhar 1856 der Ladenbesitzer Stuart Logan (Dana Andrews), der erkannt hat, dass man auch mit der Spedition von Waren gut Geld machen kann. Im Grunde ist aber eher die Abenteuerlust, die ihn vorantreibt. Obwohl er ein erfolgreiches Geschäftsmodell hat und viel Geld macht, interessieren ihn die Finanzen nicht besonders. Sein bester Freund George Camrose (Brian Donlevy) hat in engagiert, dass er im ca. 300 Meilen entfernten Portland dessen Braut Lucy Overmire (Susan Hayward) sicher nach Jacksonville bringen soll, wo dann bald die Hochzeit der beiden stattfinden wird. Natürlich zeigt schon das erste Treffen zwischen Stuart und Lucy, dass da auch eine gewisse Sympathie zwischen beiden besteht. Am anderen Morgen soll es weitergehen, Stuart holt bei der Bank noch 7.000 Dollar ab und wird von Susan gewarnt, weil sie bemerkt hat, dass ein Mann Stuart folgte. Der steigt dann auch tatsächlich nachts im Hotelzimmer ein, es kommt zum Kampf, doch der Fremde kann unerkannt entkommen. Stuart vermutet, dass der Angreifer ein gewisser Honey Bragg (Ward Bond) war. Denn dieser hätte vielleicht einen Grund Stuart zu beseitigen. Er sah Bragg vor einiger Zeit bei zwei Bergleuten, die dann kurz darauf ermordet aufgefunden wurden. Man schob den Mord den Indianern zu, aber Stuart hat da so seine Zweifel. Am anderen Morgen beginnt die Reise nach Hause. Eine Nacht verbringen sie auf dem Hof von Ben Dance (Andy Devine) und seiner Familie. Dort trifft Stuart auch seine Freundin Caroline Marsh (Patricia Roc), die Ben auch gefallen hätte. In Jacksonville angekommen versucht Stuart seinen Freund George davon abzuhalten, immer wieder Poker zu spielen und dann gewaltige Summen gegen den Berufsspieler Jack Lestrade (Onslow Stevens), der auch im Ort ansässig ist und einen Saloon betreibt, zu verlieren. George ist der Bankier der Stadt und keiner weiß von seinem dunklen Geheimnis: Er vergreift sich an dem bei ihm deponierten Goldstaub seiner Bankkunden. Auch scheint er für Lestrades Frau Marta (Rose Hobart) etwas zu empfinden. Einige Tage später unternimmt Stuart mit Susan eine Reise ins 400 Meilen entfernte San Francisco, doch es wird während der Übernachtung im Wald auf sie geschossen. Der Angreifer tötet schließlich die beiden Pferde, die Reise kann nicht stattfinden. Dennoch feiert man bald darauf ausgelassen ein Richtfest. Der Bänkelsänger Hi Linnet (Hoagy Carmichael) unterhält die Gesellschaft mit seinen Liedern. Dann tauchen Indianer auf...

Dabei nutzt Tourneur die Technicolor-Farben optimal aus. "Feuer am Horizont" gefällt nicht nur durch die vielen Charaktere und ihren Beziehungen zueinander, sondern auch durch tolle Bilder, die die Pionierzeit sehr lebendig machen. Die Geschichte bleibt durchweg interessant, denn es tauchen immer mehr Konflikte auf, die durch die Handlungen der Protagonisten heraufbeschworen wurden. Auch Verzweiflungstaten, die den Hals in die Schlinge ziehen. In dem Moment, in dem die Volksseele am meisten kocht, wird aber alles durch die Indianer auf dem Kriegspfad vorläufig unwichtig. Am Ende werden viele Tote beklagt, aber auch die Paare, die wirklich zueinandergehören, erkennen dies auch. Ein schöner Film, der leider etwas in Vergessenheit geraten ist und das große Können des Regisseurs aufs Neue beweist. 

Bewertung: 8 von 10 Punkten.