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Mittwoch, 29. September 2021

Nacht in der Prärie (Blood on the Moon)


Regie: Robert Wise

Gun Man...

 "Nacht in der Prärie" von Hollywood-Regisseur Robert Wise entstand 1948 und gehört zu den Western im Noir-Stil,  zu denen auch Klassiker wie "Ritt zum Ox-Bow (William Wellmann, 1943), "Winchester 73" (Anthony Mann, 1950) oder "Colorado Territory" (Raoul Walsh, 1949) gehören. Auch der 1947 entstandene Raoul Walsh Western "Verfolgt" ist sehr von der schwarzen Serie geprägt, nicht nur weil sein Hauptdarsteller Robert Mitchum einer der unsterblichen Helden des Noir wurde. Ein Jahr später verpflichtete ihn die RKO  für "Nacht der Prärie" -  Mitchum war einfach perfekt für diesen Typ Westerner, der ein geheimnisvolle Vergangenheit hat und dessen Schicksal in einem psychologischen Licht erscheint. Doch "Nacht in der Prärie" ist leider in Vergessenheit geraten. In Deutschland war der Western auch als "Gun Man" bekannt und im Original heißt er "Blood on the Moon".
Schon die ersten Bilder sind düster angehaucht, wenn der Reiter (Robert Mitchum) irgendwo aus dem Nirgendwo erscheint und durch den Regen reitet. Er schlägt ein Nachtlager in der Prärie auf und will einfach nur noch schlafen. Doch die Erde fängt an zu beben und in der Ferne sind donnernde Hufe zu hören. Er kann sich in letzter Sekunde auf einem Baum retten, unter ihm eine Rinder-Stampede. Er hat nun sein Hab und Gut verloren und die Cowboys, die dafür verantwortlich waren, entschuldigen sich bei ihm und laden ihn auf eine Tasse heißem Kaffee in ihrem Lager ein. Dort stellt sich der Fremde als Jim Garry vor und lernt den Rancher John Lutton (Tom Tully), dem die Rinderherde gehört. Dieser erzählt von seinem Streit mit dem neuen Verwalter des Indianerreservats Jake Pindalist (Frank Faylen), der ihm nun die Weiderechte auf Indianergebiet untersagt.  Und man hätte auch Revolverhelden angeheuert, um den finsteren Plänen die Rancher zu verteiben Nachdruck zu verleihen. Lutton misstraut Jim und auch dessen Töchter Carol (Phillis Thaxter) und Amy (Barbara Bel Geddes) betrachten den Fremden argwöhnisch. Jim Carry reitet weiter, sein Ziel ist das kleine Nest Sundust, dort lebt sein Freund Tate Riling (Robert Preston). Der verspricht ihm einen lukrativen Job, wenn Jim ihn bei seinen Plänen unterstützt, doch schnell merkt Jim, dass sein Freund gemeinsame Sache mit Pindalist macht. Jims Gewissen meldet sich und bald muss er sich entscheiden, auf welcher Seite er stehen möchte...


Auffallend ist die anhaltende Schlecht-Wetter Atmosphäre und die düstere und schwere Machart, dies alles ist natürlich sehr Noir-nah und wenn man das auf das Seelenleben des Helden überträgt, dann erkennt der Zuschauer in Robert Mitchums Figur Jim Carry natürlich einen Entwurzelten Mann, der auf der Suche ist. Auch die Regie von Wise ist gekonnt und präzise. Wie in "Verfolgt" von Raoul Walsh ist auch hier eine ausgefeilte Licht- und Schatten-Technik mit markanten Kontrasten zu erkennen.  Die tragende Frauenrolle wird von der jungen Barbara BelGeddes gespielt, die erst 30 Jahre später durch die TV-Serie "Dallas" weltberühmt werden sollte.

Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.

Freitag, 27. August 2021

Flucht nach Nevada (Four Faces West)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Alfred E. Green

Paso Por Aqui...

Obwohl die Entstehungszeiten der beiden Western "Flucht nach Nevada" (Regie: Alfred E. Green) und "Missouri" (Regie: Blake Edwards) fast 25 Jahre auseinander liegen, fällt dem Westernfan die Ähnlichkeit der Geschichten doch sofort auf. In beiden Fällen wird eine Bank beraubt - und in beiden Fällen sind die/der Täter Cowboys. Im Grunde gute Kerle, die aus einer Notsituation heraus handeln und mit der Aussicht auf ein besseres Leben. Den Grund, den der Cowboy Ross McEwen, gespielt von Joel McCrea, in "Flucht nach Nevada" (Originaltitel: Four Faces West) hat, kann man bald erahnen. Denn er braucht Geld für seinen Vater, der möglicherweise seine Farm nicht mehr halten kann und dringend Geld braucht. 2.000 Dollar will er von Bankier Frenger (John Parrish) als Kredit, doch dies braucht Sicherheit und die hat der junge Cowboy nicht. So verleiht er mit dem Colt seiner Forderungen Ausdruck, der Bankier bekommt sogar eine Quittung und so reitet mit dem Bankier und dem gestohlenen Geld in die Einöde. Dort muss die Geisel seine Schuhe ausziehen, dessen Pferd wird verscheucht und während der Bankier zurück zur Stadt laufen muss, hat Ross einen Vorsprung mit seinem Pferd. Er muss nur den zug erreichen, der in der Wüstengegend durchfährt.
Als Vorlage für den Film diente Eugene Manlove Rhodes Roman "Öaso Por Aqui" aus dem Jahr 1926. Dieser Autor war selbst Cowboy und hat einige sehr gute Westernbücher geschrieben, einige davon wurden sogar verfilmt wie diese "Flucht nach Nevada", eine Produktion von Harry Sherman.
Natürlich gibts Hindernisse auf der Flucht - so wird Ross McEwen von einer Klapperschlange gebissen und hat dann auch sichtlich Mühe auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Es hilft ihm aber der etwas undurchsichtige Mexikanische Spieler Monte Marquez (Joseph Calleia) und im Zug befindet sich sogar eine Krankenschwester (Frances Dee). Diese Fay Hollister versorgt die Wunde und zwischen Frau und Cowboy herrscht sofort eine gewisse Sympathie. Und die Chemie zwischen den beiden stimmt auf Anhieb - kein Wunder, denn Joel McCrea und Frances Dee waren auch privat ein Paar.
Inzwischen ist der Bankier auch wieder in der Stadt und hat sofort einen ersten Auftrag für den neuen Marshall Pat Garrett (Charles Bickford). Ausserdem bietet er 3.000 Dollar für die Ergreifung des Bankräubers...tot oder lebendig. Eine Trupp Reiter unter der Führung von Garrett macht nun Jagd auf McEwen und der bleibt in der Stadt Alomogordo hängen, wo die Krankenschwester eine Stellung im Krankenhaus angenommen hat und Monte einen Spielsalon hat. Er findet eine Anstellung auf einer Ranch, macht eine erste Anzahlung an die Bank auf das zuvor gestohlene Geld. Doch Garrett lässt nicht locker...

Wieder kommt es zur Flucht, doch diesmal landet der räuberische Cowboy auf der Farm einer an Diphterie erkrankten mexikanischen Familie. Überlässt er diese kranken Menschen ihrem Schicksal oder siegt die Menschlichkeit, was ihn dann doch als guten Kerl auszeichnen würde. Im Film selbst wird zwar wenig geschossen, aber umso mehr geritten. So reitet auch die verliebte Fay Hollister eine Zeitlang mit ihrem flüchtenden Cowboy, gibt ihm aber zu bedenken, dass diese ständigen Fluchten keine Lösung sind. Möglicherweise muss er irgendwann die Waffe  benutzen, um seine Freiheit zu verteidigen und dann wäre er wirklich ein echter Outlaw. Sie gibt ihm auch zu verstehen, dass sie - wenn er sich stellt - auf ihn warten würde. Joel McCrea ist natürlich für diesen Gangster aus Not mit gutem Herz die ideale Besetzung. Eine wichtige Bedeutung hat dabei ein Berg mitten in der Wüstenlandschaft, der den Namen "Paso Por Aqui" trägt. Monte übersetzt dies mit "hier ist man vorbei gekommen" und dies trifft auch auf den flüchtenden Helden zu. Der Film lässt sich glücklicherweise viel Zeit für die Figuren. So ist die Flucht auch immer wieder interessant und wird nicht nach Schema F einfach nur heruntergespult. Im Gegenteil: Eine Mitreisende (Eva Novak) mit ihrem vorlauten und frechen Jungen (George McDonald) sorgt immer wieder für eine gute Prise Humor und auch die Figur des Spielers Monte bleibt fast bis zuletzt ein Geheimnis. Ein schöner Genrebeitrag

Bewertung. 7 von 10 Punkten.