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Donnerstag, 30. September 2021

Skrupellos (Great Day in the Morning)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Jacques Tourneur

Gold in Denver....

Regisseur Jacques Tourneur hat mit einem geringem Budget "Katzenmenschen" und "Ich folgte einem Zombie" gedreht - beide Filme wurden zu richtungsweisenden Meilensteinen des Horrorfilms. Auch "Goldenes Gift" gehört zweifelsohne zu den ganz großen Meisterwerken der schwarzen Serie. Seine Western sind weniger bekannt. Sie zählen zwar nicht zu den Meisterwerken des Genres, aber es sind dennoch gute und spannende Filme. Sein Zerwürfnis mit den Studiobossen beim Western "Stars in my Crown" führte sogar dazu,, dass er immer weniger Aufträge als Regisseur bekam und nur noch selten an seine Filmkarriere in den 40er anknüpfen konnte. Im Jahr 1956 drehte er den Western "Skrupellos" (Originaltitel: Great Day in the Morning") und immerhin standen ihm mit Robert Stack, Ruth Roman, Raymond Burr und Virginia Mayo einige bekannte Gesichter als Darsteller zur Verfügung. Stack bekam sogar kurz nach dem Dreh für seine Rolle in Douglas Sirks "In den Wind geschrieben" eine Oscarnominierung. Auch als Westernheld machte er eine gute Figur - als undurchsichtige Hauptfigur muss er sich im Laufe der Geschichte auch zwischen zwei Frauen entscheiden. Es war nach "Feuer am Horizont" und "Wichita" der letzte Western des unangepassten Regiesseurs und die Geschichte basiert auf einem Roman von Robert Hardy Andrews. Die Handlung spielt 1961 kurz vor dem Beginn des amerikanischen Bürgerkriegs in und um Denver. Gleich zu Beginn wird die Hauptfigur Owen Pentecost (Robert Stack) vorgestellt, der versucht, sich bei einem Angriff der Indianer zu verteidigen. Doch die Angreifer sind in der Überzahl. Zum Glück kommen ihm einige Männer zu Hife, die die Indianer in die Flucht schlagen. Deren Anführer Zeff Masterson (Leo Gordon) ist - nachdem er erfährt, dass Owen ein Südstaatler ist - gar nicht mehr erfreut über die Rettung eines zukünftigen Feindes, denn jeden Moment könnte der Bruderkrieg ausbrechen. Zum Glück ist Mastersons Kollege Stephen Kirby (Alex Nicol) viel besonnener. Er verhindert, dass Owen noch an Ort und Stelle erledigt wird. Bald errreichen sie Denver, Colorado, wo auch alles darauf hindeutet, dass der Krieg jeden Moment ausbrechen könnte. Owens Plan ist es das Gold in den Süden zu transportieren, dass konföderierte Bergleute hier ausgegraben haben. Das muss natürlich geheim ablaufen, denn die Yankees könnten diesem lukrativen Unternehmen im Wege stehen. Im Saloon der Stadt lernt Owen die attraktive Boston (Ruth Roman) kennen, die dort als Saloonlady von dem Besitzer Jumbo (Raymond Burr) beschäftigt und auch begehrt wird. Owen findet ebenfalls Gefallen an der schönen Frau, aber auch die blonde Ann Mary Allaine (Virginia Mayo), die zur gleichen zeit wie er nach Denver kam, um dort einen Kleiderladen zu eröffnen, gefällt ihm. Er flirtet mit beiden Frauen, während er versucht seine Mission zu starten. Natürlich ist Owen kein Patriot und das Säbelrasseln ist im völlig egal. Hauptsache seine Tasche wird danach prall gefüllt sein. Und mit der Pistole kann er bravourös umgehen ausserdem gewinnt er den Saloon bei einem Pokerspiel mit seinem Feind Jumbo...

Dass ausgerechnet ein Kind  - der kleine Gary John Lawford, gespielt von Donald MacDonald (Der Mann aus Kentucky) - zur Schlüsselfigur der Geschichte wird und die Handlungen des zwiespältigen Helden mitbestimmt, macht das Szenario umso interessanter. Aus einem bestimmten Grund nimmt sich Owen dem Jungen an und wird dabei mit seinen weniger guten Eigenschaften konfrontiert. Eine gewisse Todessehnsucht schwingt nun mit - Stack überzeugt als angezählter Charakter.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

Montag, 27. September 2021

Die Todesschlucht von Laramie (Dakota Incident)


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 Regie: Lewis R. Foster

In der Falle der Indianer...

Die Republic Pictures stellten nach dem 2. Weltkrieg vor allem Routinewestern her. Sie verstanden aber ihr Handwerk und konnten auch mit wenig Budget gute und unterhaltsame Filme abliefern. Diese Streifen hatten auch an der Kinokasse guten Erfolg dank einem treuen Stammpublikum. "Die Todesschlucht von Laramie" ist einer dieser Western und wurde 1956 von Lewis R. Foster inszeniert. Ein Hollywood Veteran, der über 75 Drehbücher schrieb und in ca. 60 Filme auch Regie führte. Für seine Originalstory zu "Mr. Smith geht nach Washington" wurde er 1940 sogar zum gefeierten Oscargewinner. Für George Stevens Komödie "Immer mehr, immer fröhlicher" wurde er ein zweites Mal für den begehrtesten Filmpreis der Welt nominiert.
Seine Regiearbeiten sind heute weniger bekannt. "Dakota Incident" - so der Originaltitel von "Die Todesschlucht von Laramie" brachte aber ein gutes Einspielergebnis. Als Hauptdarsteller wurden Dale Robertson und die schöne Linda Darnell verpflichtet. Ursprünglich sollte Anne Baxter ihren Part spielen, aber die war verhindert. In Deutschland kam der Film am 14. Juni 1957 in die Kinos, die Werbung sprach von entfesselten Leidenschaften in gesetzloser Wildnis".
Und es braucht nicht viel um ein lebensgefährliches Szenario zu schaffen: Ein Bankräuber, ein friedensliebender Senator, ein attraktive und selbstbewusste Lady, dazu ein Verfolger des Bankräubers und eine Horde Indianer auf dem Kriegspfad.
Lewis R. Foster setzt dabei auf zwei unterschiedliche Handlungsorte: Zum einen eine Postkutsche auf dem Weg nach Laramie und zum zweiten eine wasserlose Schlucht inmitten kahler Felsen. Bei zweiter Location wird der Westernfan natürlich an John Sturges meisterhaften "Verrat in Fort Bravo" erinnert, der vielleicht für die Macher bei Republic als Inspiration diente. Die hoffnungslose Lage ist in beiden Filmen gleich.
Dabei ist John Banner (Dale Robertson) ein Bankräüber, denn er hat gemeinsam mit seinem Bruder Frank (Skip Homeier) und Rick Largo (John Doucette) die Bank um viel Geld erleichtert. Doch der Verdacht fiel auf den Bankangestellten Carter Hamilton (John Lund). Der jagt nun das Trio um seine Unschuld zu beweisen. Aber zuerst hat das Trio selbst untereinander soviel Stress, dass John von den beiden anderen ausgetrickst wird und ohne Pferde in der Wüste zurückgelassen wird. Der gibt aber nicht auf und stellt seine beiden Kumpane in der nächsten Stadt. Dabei verjagt er seinen verkommenen jüngeren Bruder und erschießt den brutalen Rick Largo. Mit dem Geld wird er nun Mitglied einer buntgemischten Reisegesellschaft, die in einer Postkutsche nach Laramie will. Die Sängerin Amy Clark (Linda Darnell), Senator Blakely (Ward Bond) - ein Mann des Friedens, der zwischen Rot und Weiß vermitteln will, Goldspekulant Mark Chester (Whit Bisell) und Minstrel (Regis Toomey), der musikalische Begleiter der selbstbewussten Amy. Sie müssen durchs Indianergebiet und bald haben sie eine Panne, so sind sie gezwungen in einer Schlucht in der Felsenlandschaft Dakotas Schutz zu suchen. Denn draußen lauern die Indianer und die wollen keine Gefangenen machen...

Am Ende setzt sich dann doch noch die Friedensbotschaft des Senators durch, doch vorher gab es ganz viel Tote. Aber ein Republic Western lebt auch vom Happy End und so will es das Drehbuch, dass die Sängerin und Bardame gemeinsam mit dem muskulösen Bankräüber ihre Zähigkeit unter Beweis stellen und auch ihre frisch empfundene Liebe zueinander.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.


Dienstag, 7. September 2021

Noch heute sollst du hängen (Star in the Dust)


Regie: Charles F. Haas

Der Tag der Hinrichtung...

In Charles F. Haas 1956 gedrehtem Western "Noch heute sollst du hängen" gibts sogar einen kleinen Auftritt von Clint Eastwood, ganz am Anfang des Films. Der damals 26jährige Youngster darf kurz eine Unterhaltung mit der Hauptfigur des Films führen, dem Sheriff von Gunlock. "Noch heute sollst du hängen" heißt im Original "Star in the Dust" und nimmt mit einem Bänkelsänger, der die Geschichte singend kommentiert,  die Idee des 9 Jahre später inszenierten "Cat Ballou" vorweg. Dieser Musicman wird von Terry Gilkyson dargestellt.
Die Kameraarbeit machte John L. Russell, der jahrelang routinierte Leistungen in B-Pictures übernahm und im Winter 1960 von Alfred Hitchcock für die Schwarz-Weiß Fotografier zu "Psycho" verpflichtet wurde. Der Rest ist Cinematographie-Filmgeschichte, seine Leistung in "Psycho" mit den vielen raffinierten Kameraperspektiven und mit Bildern, die die Atmosphäre suggestiv und subtil erhöhen, war jedenfalls legendär.
Das riesige Talent ist aber auch in "Star in the Dust" zu erkennen, denn der Western fällt durch seine ausgezeichnete Fotografien auf.
In der Todeszelle wartet der skrupellose Revolverheld Sam Hall (Richard Boone) auf den Tod durch den Strang. Als Auftragskiller hat er drei Farmer erschossen. Man vermutet, dass Hall im Auftrag der hiesigen Viehzüchter gehandelt hat, doch der schwieg sich in der Gerichtsverhandlung über die Rädelsführer aus.
Der Killer hat zusätzlich noch den guten Ruf der sittsamen Nellie Mason (Coleen Gray) auf dem Gewissen. Die einsame Frau wurde von ihm umgarnt und viel auf den Charme des Banditen herein. Nun ist sie für die guten Bürger der Stadt so gut wie gestorben. Sheriff Bill Jorden (John Agar) muss dafür sorgen, dass das Urteil vollzogen wird. Der Galgen wird schon mitten in der Stadt aufgebaut. In Gunlock wird auch gewettet - zur Zeit steht es 8:3, dass Hall dem Henker entgehen kann. George Ballard (Leif Erickson), einer der einflussreichsten Viehbesitzer, wird schon dafür sorgen, dass der Killer flüchten kann. Immerhin hat der dicht gehalten und das soll auch so bleiben. Ballards Schwester Ellen (Mamie van Doren) ist die Verlobte vom Sheriff, der immer noch im Schatten seines Vorgängers steht, seinem eigenen Vater. Er wird auch von seinem Deputy Mike McNamara (Paul Fix) mit dem legendären Vater verglichen. Auch der alte Orvan Jones (James Gleason), der nur zu gerne Deputy wäre,  erinnert sich an die Genialität von Jordan senior. Tatsächlich haben die Viehbesitzer vor das Gefängnis zu stürmen, um den Todeskandidaten zu befreien. Die Farmer wissen dies, wollen aber den Mann hängen sehen. Und Ballard konnte seine Exgeliebte Nan (Randy Stuart), die nun mit Lew Hogan (Harry Morgan), einem anderen Viehbaron, überreden eine Waffe in den Knast zu schmuggeln...

Hört sich alles nach sehr viel Handlung und vielen Figuren an, aber Charles F. Haas hat seine Inszenierung total gut im Griff und hat straff und spannend inszeniert. Es gibt keine Logiklöcher, alles wirkt in sich stimmig und plausibel. Mit diesem Spiel auf Zeit erinnert "Star in the Dust" ein bisschen an "Zwölf Uhr Mittags". Auch dort muss der Sheriff Vorsorge für das kommende bleihaltige Ereignis Vorsorge schaffen. In der Beziehung zwischen dem Sheriff und seinen beiden Deputys widerum gibts Ähnlichkeit mit einem weiteren Genreklassiker. Hier gibts Parallelen zu Rio Bravo, zu der Freundschaft zwischen John Wayne und seinen Gehilfen.

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 2. September 2021

Der Siebente ist dran (Seven Men from Now)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Budd Boetticher 

B-Western in Perfektion....

John Wayne und Robert Fellows 'Produktionsfirma Batjac haben das Burt Kennedy-Drehbuch "Seven men from now" mit der Absicht gekauft, dass Superstar Wayne dIe Hauptfigur Ben Stride zu spielt. Es war Kennedys erstes Drehbuch. Wayne war jedoch fest entschlossen "The Searchers" mit seinem bevorzugten Regisseur John Ford zu machen. Laut Kennedy interessierte sich Wayne nicht besonders für das Drehbuch, bis er bemerkte, dass Robert Mitchums Vertreter daran interessiert waren. Zu diesem Zeitpunkt schlug Wayne vor, zu Warners zu gehen und das Projekt mit Randolph Scott zu besetzen. Scott bestand auf Budd Boetticher als Regisseur. Es wurde der erste von insgesamt 7 Western, die die beiden gemeinsam realsierten. Die meisten der Drehbücher wurden von Burt Kennedy geschrieben und mindestens diese fünf dieser sieben B-Western sind heute unvergessene Genreklassiker. Einige davon strahlen immer noch eine unvergleichliche Kinomagie aus. Auch der Erstling "Der Siebente ist dran", der in den letzten Monaten des Jahres 1955 in den Alabama Hills gedreht wurde.
Budd Boetticher, der in den 50s zahlreiche B-Pictures, vor allem Western drehte, wurde irgendwann Ende der 70er zum Kultregiesseur erkoren, erheblichen Anteil an diesem Status hatten vor allem angesehene französische Filmkritiker, allen voran Andre Bazin, geistiger Vater der Nouvelle Vague, der den Film "Der Siebente ist dran" als den intelligentesten aller Western bezeichnet hat. Intelligent, weil nicht intellektuell. Nichts wird hier ausgesprochen, aber alles ist klar.
Boetticher selbst war in den 50er Meister im schnellen Herunterkurbeln seiner Filme: 2-3 Wochen Drehzeit der Western an den üblichen Locations, die Movies waren kurz (ca. 75 Minuten) und vor allem kurzweilig (gefühlte 50 Minuten lang).
Randolph Scott, der Hauptdarsteller...ein gealterter Westernheld, zynisch, desillusioniert, verhärtet...ein tragischer, einsamer Held.
Die einfache, linear strukturierte Story mit klaren Konflikt, denn Ben Stride will  Rache für den Mord an seiner Frau üben. Dazu sucht er die 7 Banditen, die die Wells Fargo Postkustschenstation überfielen. Bei diesem Überfall wurde die dort arbeitende Angestellte ermordet: Seine Frau. Er wird zum Jäger. In der ersten Szene, die in der Nacht und bei Regen spielt, hat er bereits zwei der Halunken aufgespürt und wird sie zur Rechenschaft ziehen. Unterwegs schliesst er sich dem Siedler John Greer (Walter Reed) und dessen Frau Annie (Gail Russell) an, die in einem Planwagen Richtung Kalifornien unterwegs sind. Er ist ihnen behilflich, denn John ist ein Stadtmensch und in Sachen Wilder Westen ein echtes Greehorn. Vorher muss Greer aber noch in dem kleinen Kaff Flora Vista eine Fracht abliefern. Ben Stride muss auch dorthin, denn die Spur der restlichen fünf Banditen führt in die Kleinstadt. Unterwegs treffen sie auf den grobschlächtigen Bill Masters (Lee Marvin) und dessen Kumpanen Clete (Don Berry) . Zwischen den Männern entsteht sehr schnell eine Rivalität um die einzige Frau. Vor allem Masters macht auf Alpha-Männchen. Interessanterweise fühlt sich Annie ein bisschen zu dem älteren Ben Stride hingezogen. Am Ende steht dann wie immer der Showdown....


Für einen Film aus den 50er Jahren ist der Transfer auf DVD extrem gut geglückt, herrliche satte Farben...so macht der Film natürlich doppelt soviel Vergnügen. Wie Anthony Mann, John Ford, Howard Hawks oder John Ford liebt und versteht auch der B-Filmer Budd Boetticher seine Helden. Er hebt sie auch etwas in den Himmel und benutzt dabei Bilder, die man für ihre Reinheit und Einfachheit einfach nur bewundern kann. Der Regisseur treibt die Versatzstücke des Genres zur Perfektion. Alles ist schnörkellos und geradlinig. Aber gerade dies macht den Film so gut. Irgendwie hat man das Gefühl klassisches Theater zu sehen, nur mit dem Unterschied, dass sich alles in der Natur, in der Wüste, zwischen den Felsen abspielt.

Bewertung: 9 von 10 Punkten.


Mittwoch, 1. September 2021

Die Meute lauert überall (Raw Edge)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie.  John Sherwood

Freiwild Frau...

"Raw Edge" ist ein Western aus dem Jahr 1956, der in Deutschland unter dem Titel "Die Meute lauert überall" im Kino lief.
Regie führte John Sherwood, der bereits 1959 starb und danach nur noch zwei Science Fiction Filme drehte: Im gleichen Jahr "Das Ungeheuer unter uns" und danach "Das Geheimnis des steinernen Monsters". Tatsächlich hat sein Westerndebüt aber in all den Jahren unter den Fans einen gewissen Kultstatus erlangt. Es liegt wahrscheinlich an der ungewöhnlichen, sehr frauenfeindlichen Geschichte, die hier erzählt wird. Denn die Meute, die überall lauert sind hier die Männer und die Frauen werden hemmungslos zu Gejagten. Die Geschichte spielt in der Zeit um 1842 im noch wilden und unberührten Gebiet von Oregon. Dort herrscht das Gesetz des Stärkeren und der Stärkste ist der Rancher Gerald Montgomery (Herbert Rudley), dessen Gesetze herrschen, auch wenn sie noch so absurd erscheinen. Ausser seinem Grundsatz "Zuerst ich, dann die anderen" hat er auch ein Gesetz eingeführt, das besagt, eine Frau gehört jenem Mann, der sie sich als Erster nimmt. Wenn dieser Mann stirbt, dann darf um die Witwe gekämpft werden. Die hat dann den Kerl zu nehmen, der siegreich war. Scheinbar hat Montgomery so auch seine attraktive Frau Hannah (Yvonne deCarlo) erobert". Und tatsächlich scheint Mrs. Montomgery der Reichtum und die Macht ihres Mannes zu gefallen. Der juge Dan Kirby (John Gavin) lehnt sich allerdings gegen diese ungerechte Alleinherrschaft auf. Er ist mit der Indianerin Paca (Mara Corday) verheiratet. Eines Tages versucht ein Unbekannter Hannah Montgomery in einem Pferdestall zu vergewaltigen. Sie kann sich mit Bissen wehren und schlägt den Angreifer in die Flucht. Der unbekannte Mann hat damit aber sein Todesurteil gesprochen. Montgomery will dass der Täter baumelt. Tatächlich wird durch die Falschaussage von Montgomerys Handlanger Tarp Penny (Neville Brand) Dan Kirby als "Täter" auserkoren und wird ohne Prozess gelyncht. Damit ist seine indianische Frau zum Freiwild erklärt. Sie wird wohl oder übel dem Stärksten (Robert J. Wilke) zugesprochen. Zum Glück kommt aber Dan Kirbys älterer Bruder Tex (Rory Calhoun) in diese Gegend - er findet seinen Bruder, der am Baum hängt. Tex ist ein Revolverheld und kennt das Gesetz der Rache. Auch Dans Witwe hat Rachegefühle, muss sich aber vorerst dem Gesetz unterordnen und ihrem neuen Ehemann treu zur Seite stehen. Die Indianer haben inzwischen auch das Kriegsbeil ausgegraben und Tex macht Bekanntschaft mit Montgomerys schöner Frau. Sie spielt zwar die Kühle, doch der Zuschauer bemerkt sehr wohl, dass ihr der Fremde besser zu gefallen scheint als ihr nerviger Ehemann. Inzwischen hat auch Handlanger Tarp mit seinem Vater Pop Penny (Emile Meyer) einen Plan erdacht. Die beiden wollen Montgomery töten, denn laut Gesetz fällt dann dessen Besitz und die Frau dem stärksten Mann zu....

Ein Film mit einer ganzen Riege von Schurken. Erst ein Revolverheld muss kommen, um diese Gegend von den perversen Gesetzes zu befreien. Rory Calhoun gefällt in dieser coolen und lässigen Rolle - mit schwarzer Haartolle und verkniffenen Blick bekommt er auch am Ende die Herzdame. Yvonne de Carlo war in den 50er Jahren sicherlich eine der begehrtesten B-Movie Stars und spielt auch hier ihr Image mit dem leicht verruchten Sexappeal aus. Kameramann Maury Gertsmann hat hier nicht nur die Landschaftsaufnahmen sehr effektiv eingefangen. Gefahren lauern überall...im Pferdestall, im eigenen Heim, am reißenden Bach, im Wasserfall. Eine Schlüsselrolle in der Geschichte bekam Rex Reason als junger Spieler, bei dem der Zuschauer über seine Motive und Rolle in dem Gewaltszenario im Dunkel bleibt. 

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

 

Dienstag, 31. August 2021

Stunden des Terrors (A Day of Fury)


Regie: Harmon Jones

Die Stadt des Satans...

Harmon Jones 1956 inszenierter B-Western "Stunden des Terrors" (Original: A Day of Fury) erzählt die Geschichte von einer Stadt des Bösen und greift damit ein Thema auf, dass immer wieder im Westerngenre auftaucht. Ein Fremder taucht plötzlich auf und mit ihm werden die dunklen Seiten der Bürger der Stadt offenbart. In einer Szene des Films wird dem Revolverheld Jagade, gespielt von Dale Robertson, vorgeworfen, dass er die Stadt durch seine Ankunft vergiftet hätte - er rechtfertigt sich aber und meint "ich hab nur einen faulen Baumstamm umgedreht". Damit gibt er den Vorwurf zurück an die biederen Menschen der Kleinstadt West End, die nach und nach ihre Masken fallenlassen.
Immerhin hat Jagade aber in der ersten Szene dem Sheriff der Stadt Allan Burnett (Jock Mahoney) das Leben gerettet. Der war nämlich am heiligen Sonntag Verfolger eines gesuchten Banditen. Dieser lauerte im Hinterhalt und Jagade war zufällig Zeuge dieses Duells - er kam dem Sheriff zu Hilfe und hat am Ende verhindert, dass der verletzte Bandit Burnett erschießen konnte. Burnett selbst gibt seinem Retter den Auftrag in der Stadt Bescheid zu sagen, dass er zu spät zur eigenen Hochzeit kommt. Er muss sich noch um den toten Killer kümmern. Dieser Bitte kommt Jagade nach. Die Braut Sharman (Mara Corday) wartet schon ungeduldig in der Kirche, der Pfarrer (John Dehner) ist bereit. Doch gleich bei Ankunft wird auch auf Revolverheld Jagade geschossen, es gibt einen weiteren Toten. der junge Billy (Jan Merlin) bezeugt aber gleich, dass der Fremde in Notwehr gehandelt hat. Bei soviel Toten wird die Hochzeit abgeblasen und Richter McLean (Carlon Benton) möchte Jagade vorerst einsperren bis zum Prozess, doch der Sheriff, der dazu kommt verhindert die Festnahme seines Lebensretters. Die Braut des Sheriffs war mal ein leichtes Mädchen und hat im Saloon gearbeitet, wurde aber in die ehrbare Gesellschaft aufgenommen - doch man bemerkt an ihrem entsetzten Gesichtsausdruck, dass sie Jagade bestens kennt. Die ehrbaren Bürger formieren sich und wollen bald, dass Jagade wieder verschwindet. Andere wie Billy sehen in dem furchtlosen Cowboy ein Idol und stehen ihm hilfreich bei einigen Manipulationen zur Verfügung. Der Fremde erreicht, dass der Saloon am Sonntag öffnet, dass die Mädchen wieder dort zum Arbeiten kommen und die Stadt erfreut sich an Whisky, Weib und am Pokern. Auch die keusche Lehrerin Miss Tommons (Dee Caroll) verfällt dem Charme des charismatischen Aussenseiters, der eine sichtliche Freude hat den braven Bürgern die Stirn zu bieten. Auch der Pfarrer setzt zuerst auf Gewalt und Aggression, besinnt sich aber eines Besseren. Alles läuft auf ein Duell zwischen Gut und Böse hinaus...

Lediglich der aufrechte Marshall hat keine Angst vor dem Fremden, der sogar für ein Symbol für den Satan stehen könnte. Immerhin manipuliert er in nur wenigen Stunden ganz viele Menschen dieser Kleinstadt und holt aus ihnen die böse Seite hervor. Am Ende stoppen in Kirchenglocken in diesem ungewöhnlichen Western. Der Antiheld verwandlelt die scheinbar friedliche Idylle in eine Art Hölle und versucht die Frau, die sich zum Guten verändert hat, wieder mit sich zu nehmen. Doch die liebt auch ihren Sheriff, der ihr Sicherheit gibt und auch Verantwortung zeigt, was Jagade völlig abgeht. Der ist nur an destruktiven Handlungen interessiert. Mit "Stunden des Terrors" entdeckt man einen Vorläufer zu dem Eastwood Klassiker "Ein Fremder ohne Namen" und das ungleiche Paar Sheriff und geläutertes Saloongirl erinnert immer mehr auch an Will Kame und Amy Fowler, die am Anfang von "High Noon" heirateten und immer mehr von den Bürgern der Stadt im Stich gelassen werden. Eine feine B-Western Perle.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

 

Die Furchtlosen (The Proud Ones)


Regie: Robert D. Webb

Ein Sheriff braucht Hilfe...

 Robert D. Webbs feiner B-Western "Die Furchtlosen" ist eine Art Vorläufer des unverwüstlichen Genreklassikers "Rio Bravo" von Howard Hawks. Es taucht sogar Walter Brennan in einer ähnlichen Rolle auf. Nur heißt er in "The Proud Ones"  - so der Originaltitel des Films - nicht nicht Stumpy, sondern Jake - aber er ist einer der Bewacher im örtlichen Gefängnis, dass zur Zeit Banditen beherbergt, die der Oberschurke befreien will. So hat der Sheriff, genau wie in "Rio Bravo" nur eine Handvoll von Helfern zur Verfügung, um gegen die Bösen bestehen zu können.
Robert D. Webb gehörte zu den Oscarpreisträgern des Jahres 1938. Für die Regieassistenz (diese Kategorie wurde in den frühen Oscarjahren eine Zeitlang vergeben) erhielt er für "In Old Chicago" den Oscar.  Als Regisseur schuf er Filme wie "Das Höllenriff", "Die weiße Feder" oder "Pulverdampf und heiße Lieder".
Grandios ist schon die Filmmusik, geschrieben von Lionel Newman. Die Aufnahme von Nelson Riddle wurde sogar ein US-chartshit. Kein Wunder - diese gepfiffene Melodie nimmt irgendwie schon den Italo Western vorweg und prägt gleich am Anfang die spannende Cowboyatmosphäre.
Cass Silver (Robert Ryan) ist der Marshall der kleinen Stadt Flat Rock. Dort verläuft alles friedlich, denn der Gesetzeshüter sorgt für Ruhe. Doch als ein großer Rindertreck in die Stadt kommt, sieht die Weichen zukünftig auf Expansion gestellt. Dies gefällt den Bürgern der Stadt, denn mit neuen Menschen kommt auch das Geld nach Flat Rock. Dies Aussicht auf wirtschaftlichen Aufschwung bringt auch den zweifelhaften Kasinobesitzer John Barrett (Robert Middleton) auf den Plan seine Zelte dort aufzuschlagen wo schnelles Geld zu holen ist. Cass Silver kennt den Geschäftsmann von früher. Er hat bereits einmal einen Posten als Sheriff wegen Barrett verloren, der damals zwei Killer auf ihn ansetzte, damit sie ihn ermorden. Er setzte aber das Gerücht in die Welt, dass Cass die beiden Männer tötete, obwohl die keine Pistolen mit sich trugen. Verbittert kehrte Cass damals seiner alten Heimatstadt den Rücken. Nun ist er wieder mit seinem Feind konfrontiert. Doch es kommt noch schlimmer. Unter den Cowboys des Viehtrecks befindet sich auch der junge Thade Anderson (Jeffrey Hunter), dessen Vater einer der beiden angesetzten Killer war. Der sinnt zwar auf Rache an dem Vatermörder, doch er lässt sich immerhin überzeugen, dass Cass damals aus Notwehr so handeln musste. Als in Barretts neuem Saloon ein Mann von Barretts rechter Hand Dillon (George Matthews) kaltblütig ermordet wird, steckt Cass ihn ins Gefängnis. Auch zwei weitere Banditen von Barrett kommen dazu. Dort sollen sie bleiben, bis der Richter kommt. Doch dies ist äusserst gefährlich. Denn Cass kann sich lediglich auf Hilfsheriff Jim (Arthur O´Connell) und den alten Jake (Walter Brennan) verlassen. Seine Freudin Sally (Virginia Mayo) rät ihm die Stadt mit ihr gemeinsam zu verlassen, denn sie kennt Barrett auch von früher. Und Thade Anderson wirkt immer wieder ambivalent was den Marshall betrifft. Manchmal glaubt er ihm, ein anderes mal tauchen wieder die Bilder vom Tod des Vaters auf. Und Barrett hat inzwischen mit Chiko (Rodolfo Acosta) und Pike (Ken Clark) zwei Auftragsmörder für die Wahrung seiner Interessen engagiert...


"Die Furchtlosen" erweist sich als famoser kleiner B-Western mit einem sehr guten Schauspieler-Ensemble. Dabei sind die Bösewichte markant gezeichnet. Robert Middleton dürfte den Filmfans vielleicht durch seine Rolle des Sam Kobish in William Wylers "An einem Tag wie jeder andere" in bester Erinnerung geblieben sein. Jeffrey Hunter spielt einen coolen jungen Cowboy, der allerdings durch den Tod des Vaters immer noch traumasiert erscheint und Robert Ryan macht immer eine gute Figur. Auch die gemeinsamen nächtlichen Rundgänge durch die Stadt, die Ryan und Hunter absolvieren, sorgen für das typische "Rio Bravo" bzw. "El Dorado" Flair.

Regie: 7,5 von 10 Punkten.