Montag, 27. September 2021

Vom Teufel verführt (The Rawhide Years)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Rudolph Mate

Unschuldig gejagt...

In der Kategorie "Beste Kamera" wurde der aus Österreich stammende Rudolph Mate (geboren am 21. Januar 1898 als Rudolf Mayer in Krakau) insgesamt fünfmal für den Oscar nominiert: 1941 für Hitchcocks "Der Auslandskorrespondent", 1942 für "Lord Nelsons letzte Liebe", 1943 für "Der große Wurf", 1944 für "Sahara" und 1945 für "Es tanzt die Göttin". Dennoch ging er immer leer aus. Mate war bereits in der Stummfilmzeit als Kameramann berühmt. Er war Carl Theodor Dreyers Mann für die Bilder der Klassiker "Die Passion der Jungfrau von Orleans" und "Vampyr".  1947 wechselte er auf den Regiestuhl. Als Regisseur löste er zwar nicht die gleiche Begeisterung aus wie als Chefkameramann, aber er drehte dennoch einige überzeugende Filme. Seine beste Arbeit ist sicherlich der Film Noir "D.O.A." (Opfer der Unterwelt), erfolgreich war auch der Science Fiction Film "Der jüngste Tag" oder die Abenteuerfilme "Der eiserne Ritter von Farnsworth" oder "Der Löwe von Sparta". Mit dem jungen Tony Curtis drehte er im Jahr 1955 den temporeichen Western "Vom Teufel verführt". Es war bereits die zweite Arbeit mit dem aufstrebenden Jungstar, der einige Jahre später zu den erfolgreichsten Filmstars aufsteigen konnte.
"Vom Teufel verführt" heißt im Original "The Rawhide Years" und erzählt die Geschichte des jungen Riverboat-Spielers Ben Matthews (Tony Curtis) dessen Mentor Carrico (Donald Randolph) mit gutem Erfolg reiche Mitreisende auf den Mississippi Dampfern mit seinen Kartentricks betrügt. Auf einer dieser Fahrten bringen sie einen alten Geschäftsmann um das ganze Vermögen. Der Großrancher Matt Comfort (William Demarest) beobachtet mit Sheriff Sommers (William Gargan) das Spiel und ist sich sicher, dass die beiden Männer falsch spielten, kann es aber nicht beweisen. Er lässt sich von Ben zu einem Spiel überreden, dass er dann überraschend gewinnt: Ben hat seine guten Karten nicht gegen ihn eingesetzt und ihn gewinnen lassen. Dies imponiert dem alten Rancher und beide treffen sich anschließend in Comforts Kabine, wo Ben eine Anstellung auf der Ranch in Aussicht gestellt bekommt. Doch soweit kommt es nicht. Flußpiraten ermorden Comfort und der Verdacht fällt gleich auf Ben und Carrico. Ben kann zwar fliehen, aber in der Stadt Galena lyncht man gerne ohne Prozess Verdächtige und so hängt Bens Mentor ziemlich schnell am Galgen. Ben sagt seiner Liebchen Zoe Fontaine (Colleen Miller) Adieu und muss sofort verschwinden. Das Mädchen will aber auf ihn warten. Doch der Geschäftsmann Andre Boucher (Peter van Eyck), dem auch die Bar gehört, fährt auch auf sein singendes Zugpferd ab. Es vergeht eine gewisse Zeit, Ben wird Cowboy und tatsächlich hat er danach die Möglichkeit in Galena den Verdacht gegen ihn auszuräumen. Auf dem Weg dorthin lernt er den sympathischen Tagedieb Rick Harper (Arthur Kennedy), der es eigentlich auf die Dollars, die Ben verdient hat, abgesehen hat. Doch irgendwie kommen sich die beiden Männer auch freundschaftlich etwas näher. Ben bucht mit seinem neuen Begleiter eine Passage über den Mississippi. Dann tauchen erneut die Flußpiraten auf..

Ein schöner Technicolorwestern mit einigen netten Einfällen. Eine indianische Holzfigur wird schließlich den miesen Banditen zum Verhängnis. Doch bevor sich Ben reinwaschen kann, muss er noch einige Abenteuer bestehen und auch einige Ganoven aus dem Weg räumen. Dabei geben der gutaussehende Sunnyboy Tony Curtis und Arthur Kennedy als liebenswertes Schlitzohr ein sehr gutes Gespann ab. Es ist Arthur Kennedy, meistens in ernsthaften Rollen besetzt, der hier mit einer immensen Spielfreude dem Film eine humorvolle Note verleiht. Und die steht der Geschichte ausserordentlich gut. In einer Schlüsselrolle ist der deutsche Filmschauspieler Peter van Eyck zu sehen, der leider viel zu früh starb und mit seiner Rolle als Bimba in Clouzots Nitroglyzerin Thriller "Lohn der Angst" unvergessen bleibt.

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

 

Höhle der Gesetzlosen (Cave ot the Outlaws)


Regie: William Castle

Das Geld in der Felsenhöhle...

Regisseur und Filmproduzent William Castle wurde vor allem wegen seinen Gruselfilmen in den 50er Jahren bekannt. Er peppte die Filme mit Gimmicks auf, die auch zu seinem Markenzeichen wurden. Zum Beispiel bot er eine Lebensversicherung von 1.000 US-Dollar an, für den Fall, dass einer der Zuschauer während der Vorstellung aufgrund der Todesangst stirbt. Einmal gab es eine spezielle Brille vor der Vorstellung, mit der es möglich war besonders schreckenserregende Gestalten auszublenden. In seinem berühmten "Der Tingler" flüchtet ein wurmartiges Monster, worauf einige Statisten wurmartige Puppen in den Zuschauerraum warfen. Auch die in den kinoälen aufgehängte beleuchtete Skelette
sorgten für Furore. Als Produzent schrieb er mit dem Roman Polanski Schocker "Rosemarys Baby" Kinogeschichte.
Seine ersten Erfahrungen als Regisseur machte er mit Westernfilmen. Die meisten davon sind heute in Vergessenheit geraten. Der 1951 inszenierte "Höhle der Gesetzlosen" wurde aber irgendwann in all den Jahren von den Westernfans wieder- oder neu entdeckt und besitzt inzwischen ein bisschen Kultstatus.
Es ist auch einer der ersten Filme, in denen der junge Russ Tamblyn (damals 16 Jahre) zu sehen ist. Er spielt sogar die Hauptfigur der Geschichte, kommt aber im jungen Alter nur sehr kurz am Anfang des Filmes vor. Danach dreht sich das Rad der Zeit und die Geschichte wird 15 Jahre später fortgesetzt. Dieser Pete Carver (Russ Tamblyn, später MacDonald Carey) saß nun 15 Jahre hinter Gittern. Nach einem Eisenbahnraub wurde das erbeutete Geld in eine versteckte Felsenhöhle verschleppt. Der Sheriff jagte damals die Bande, aber alle Bandenmitglieder fanden den Tod in dieser Höhle - nur der damals 15jährige Junge überlebte. Das Geld blieb bis heute verschollen. Höchstwahrscheinlich ist Steve Carver nun wieder in die Stadt gekommen, um sich die Beute von damals einfach zu holen. Denn sicherlich weiß er, in welchem Teil der unübersichtlichen Höhle das Geld versteckt wurde.
Pete hat aber immer behauptet nicht zu wissen wo das Geld ist. Natürlich haben auch noch andere Menschen Interessen an dem Geld. So ist auch der Wells Fargo Agent Dobbs (Edgar Buchanan) in der Stadt und folgt Steve Carver auf Schritt und Tritt. Die Geschäftsleute der Stadt reisen sich um die Gunst von Carver, der von ihnen alles auf Kredit bekommen kann: Essen, Trinken, Übernachtung, Kleidung und und und. Die schöne Witwe Elizabeth Trent (Alexis Smith) hat ihn sogar auerkoren, dass er mit seinen finanziellen Aussichten ihre marode Lokalzeitung aus dem Tief heraus holt. Auch der sehr reiche Ben Cross (Victor Jory) hat großes Interesse an Steve Carvers Aktivitäten. Vielleicht hat er auch finstere Pläne...

Neben MacDonald Carey, der viele B-Western drehte und dessen bekannteste Rolle die des Polizeidetektivs Jack Graham in Hitchcocks genialen "Schatten des Zweifels" wurde, fungiert sicherlich auch die berühmten Carlsbad Höhle als Hauptdarsteller. Denn die Szenen in dieser unterirdischen Welt sorgen für gutes Feeling und eine gewisse morbide Atmosphäre. Kein Wunder, dass Castle später im Gruselsektor heimisch wurde. Gemeinsam mit den klassischen Westernzutaten wurde "Höhle der Gesetzlosen" mit ein bisschen sozialkritisch aber optimistischen Capra Touch gewürzt (vor allem die Figur des Dobbs passt ins Capra Oeuvre und MacDonald Carey verkörpert optimal den aufrechten Mann) und die Szenen, in denen Steve von den Bürgern der Stadt wie ein König hofiert wird, haben einige Ähnlichkeiten mit Ronald Neames "The Million Pound Note".
Möglicherweise ist man als Zuschauer etwas irritiert, wenn der junge Russ Tamblyn in 15 Jahren wie MacDonald Carey aussieht. Der war bei der Enstehung des Films beinahe schon 40 Jahre alt, aber wenn man dies geschluckt hat, dann wird man von diesem Technicolor Western der Universal sehr gut unterhalten. In der ersten Szene ist sogar Lee Marvin für einen Augenblick zu sehen.
 
 Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Sein Colt war schneller (Buchanan rides alone)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Budd Boetticher

Buchanan auf Durchreise...

Von allen Western im Ranown Zyklus ist der 1958 entstandene "Buchanan rides alone" (Deutscher Titel: Sein Colt war schneller) sicherlich der ausgelassenste und übermütigste Film. Obwohl die Handlung eine dramatische Notlage darstellt, denn auf Randolph Scott, der den Abenteurer Tom Buchanan spielt, wartet in der Kleinstadt Agry der Galgen.
Obwohl das Drehbuch Charles Lang zugeschrieben wurde, fand es keine Gnade bei Regisseur Budd Boetticher. Der fragte seinen Lieblingsdrehbuchautor Burt Kennedy, ob er das Drehbuch umschreiben könne. Der sagte zu. Da Langs Frau zu dieser Zeit sehr krank war und er das Geld dringend für die Behandlung brauchte, kam man überein, dass er weiterhin als Drehbuchautor genannt blieb und auch das ganze Geld bekam. Boetticher gab das aber erst 2001 in einem Interview bekannt. "Steh nicht nur so rum, Amos - hol eine Schaufel" - dieser bekannte Schlußsatz kann nur von Burt Kennedy sein.
Die Story selbst ist aus vielen anderen Western bekannt. Ein Cowboy ohne Heimat kommt in eine fremde Stadt. Dort wird er argwöhnisch betrachtet und wird ohne seine Schuld in einen Konflikt verwickelt.
Ort der Handlung ist die kalifornische Grenzstadt Agry. Buchanan (Randolph Scott) ist auf dem Weg von Mexiko nach West-Texas. Dort ist am ehesten das Heimatgefühl des wandernden Abenteurers. Er hat 2.000 Dollar dabei und macht gleich Bekanntschaft mit dem korrupten Sheriff Lew Agry (Barry Kelley), der ihm unmissverständlich klar macht, dass Fremde in der Stadt nicht gern gesehen werden. Er solle dann auch bald wieder verschwinden. Dennoch nimmt Buchanan ein Zimmer für eine Nacht bei dem Hotelbesitzer Amos Agry (Peter Whitey) und bekommt im gegenüberliegenden Saloon Streit mit dem jungen Roy Agry (William Leslie), dem Sohn des einflussreichsten Bürgers der Stadt Agry - Richter Simon Agry (Tol Avery). Der betrunkene Roy will den Durchreisenden erschießen, sobald er dessen Whiskyflasche leergetrunken hat. Doch dazu kommt nicht. Ein junger Mexikaner (Manuel Rojas) stürmt den Saloon und fordert Roy Avery zum Duell heraus. Der verliert in der Schießerei sein Leben und Buchanan versucht dem Mexikaner zu helfen, der nun die ganze Bürgerschaft aus dem Saloon gegen sich hat. Am Ende wird der Mexikaner und Buchanan als sein Helfer verhaftet und sie sollen gehängt werden. Abe Cargo (Craig Stevens), ein Freund des Richters, kann diesen überzeugen, dass eine Lynchjustiz nicht gut ist für die Kommenden Wahlen. Somit findet eine Verhandlung statt und die 12 Geschworenen befinden Buchanan für nicht schuldig.  Der Mexikaner soll aber gehängt werden. Aber der geldgierige Richter hat andere Pläne. Der vermögende Vater des Mexikaners soll den Todeskandidaten für 50.000 Dollar freikaufen können.  Da die liebe Verwandtschaft des Richters (Sheriff und Hotelbesitzer) genauso gierig sind und von diesem heimlichen Deal Wind bekommen, wollen sie in eigener Regie an das viele Geld kommen. Buchanan soll von zwei Killern (L.Q. Jones und Robert Anderson) ohne Geld aus der Stadt begleitet werden und dann ermordet werden. Doch es kommt alles ganz anders...

Das Drehbuch sieht etliche Wendungen und Überraschungen vor und die Charaktere sind sehr markant gezeichnet. Tatsächlich ist "Sein Colt war schneller" einer der besten Western des Duos Randolph Scott/Budd Boetticher, obwohl er nicht ganz so wertgeschätzt wird wie beispielsweise "Der Siebente ist dran" oder "Auf eigene Faust", die allgemeinhin als die besten der Ranown Reihe gelten. Doch "Sein Colt war schneller" kann ebenfalls viele Pluspunkte sammelt. Zudem auch die Optik durch die Leistung von Kameramann Lucien Ballard hervorragend gelungen ist.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Santiago, der Verdammte (The Naked Dawn)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Edgar G. Ulmer

Auf der Suche nach einem besseren Leben...

Edgar G. Ulmer stammt aus Wien und wurde mit 16 Jahren Bühnenbildner von Max Reinhardt. Als Regisseur war er bekannt dafür, dass er mit niedrigstem Budget das Beste herausholen konnte. Diese Wertschätzung kam aber erst in den späten 50er Jahren zustande, weil der Filmemacher von den Machern der französisischen Filmzeitschrift Les Cahiers du Cinema entdeckt wurde. Auch Francois Truffaut zählt zu seinen Bewunderern und gab Ulmers Mexico-Western "Santiago - Der Verdammte" als Inspirationsquelle für seinen berühmten Klassiker "Jules und Jim" an. Dabei trat Ulmer zuerst mal als Szenenbildner im deutschen Film der 20er Jahre in Erscheinung. Seine Arbeiten für "Der Golem", "Die Nibelungen", "Metropolis" oder "Menschen am Sonntag" sind grandios. Danach arbeitete er auch im selben Bereich für Murnaus Filme "Tabu" oder "Sunrise" in Hollywood. Mit "Die schwarze Katze" nach Edgar Allen Poe versuchte er sich als Regisseur. Der Film wurde ein Klassiker des Horrorgenres. Auch der Film Noir "Umleitung" wird heute immens wertgeschätzt. Zur Zeit ihrer Entstehung wurden seine Regiearbeiten von der US-amerikanischen Filmkritik weitestgehend ignoriert. "Santiago - Der Verdammte" ist vielleicht der bekannteste unten den vielen B-Pictures, die er in den US gedreht hat. Eine naive und sentimentale Geschichte, die von echten Gefühlen beherrscht wird, wie ein Filmkritiker einmal über das Werk schrieb. Ulmer selbst baute seinen ungewöhnlichen Western als Art Mysterienspiel auf. Der Filmemacher gab an, dass er sehr beinflusst war vom Theater des Mittelalters, von den damaligen Schwänken und Mysterienspielen, in denen die Moral einen sehr großen Stellenwert hatte. Während bei John Ford der Mann im schwarzen Hemd das Böse repräsentiert und der Held im weißen Hemd daherkommt, strebte Ulmer immer die Vermischung an.
Zur Handlung: Es war einmal in Mexiko. Die Revolution ist vorüber. Zwei Bauern, Santiago (Arthur Kennedy) und Vicente (Tony Martinez) sind durch die Kämpfe zu entwurzelten Outlaws geworden. In Matamoros versuchen sie am Bahnhof einen Waggon aufzubrechen und wertvollen Armbanduhren zu stehlen. Doch der Bahnvorsteher (Francis McDonald) entdeckt die Räuber und schießt auf sie. Dabei wird Vicente getroffen und schwer verwundet. Es gelingt den beiden zwar noch die Flucht in die Berge, doch der Verletzte stirbt in den Armen seines Freundes Santiago, der Vicente mit den letzten Worten die Angst vor der Strafe Gottes nimmt und ihm den Himmel nahe bringt, den er auf der Erde niemals hatte. Er reitet am Morgen weiter und findet Zuflicht bei einem jungen Ehepaar. Manuel Lopez (Eugene Iglesias), gerade mal 20 Jahre ist mit der hübschen Maria (Betta St. John) verheiratet, die er aber nicht sonderlich gut behandelt. Für Santiago bedeutet die junge Frau aber mehr. Mit ihr an seiner Seite könnte er nochmals den Mut aufbringen, seinem Leben einen Halt zu geben. Er überredet Manuel, der ein Auto hat, ihn in die Stadt zu begleiten. Dort versucht er beim Hehler Guntz (Roy Engel) die Uhren zu verhökern. Doch dieser spielt falsch, die Situation eskaliert und am Ende hat Santiago den Tresor ausgeraubt. Santiago und Manuel fahren zurück. Doch das geraubte Geld zeigt auch die dunklen Seiten von Manuel auf, der nicht verstehen kann, dass Santiago die Beute einfach so zum Fenster rauswerfen will und eben nicht als Startkapital für eine bessere Existenz nutzen wird. So kommt es - auch wegen Maria - zum Schlagabtausch beider Männer. Und der beraubte Guntz ist auch noch nicht aus dem Rennen...


Einziges Manko des sehr schönen Films ist die etwas unglückliche deutsche Synchronisation, die zu einer Zeit entstand als man glaubte, dass Mexikaner oder Indianer immer gebrochen "deutsch" sprechen musste. Möglicherweise liebte der damalige kinobesucher diese Pseudoauthentizität. Heute hört sich das etwas nervig an. Aber dies ist auch schon der einzige Kritikpunkt. Ansonsten ist er Film sehr rührend und subtil inszeniert. Er zeigt sanfte poetische Momente, die er aber übergangslos in verrückter Gewalt gleiten lässt. Als Western selbst wirkt er etwas bizarr, denn er bürstet gewisse Mythen des Wilden Westens schon gegen den Strich. Für Truffaut schimmerte sogar viel von den Arbeiten Jean Renoirs oder Max Ophüls durch. Ulmer legte den Film als flüchtige Menage-a-trois an, in der sich die Kräfteverhältnisse unablässig verlagern. Am Ende steht sowohl der Tod als auch ein neues und hoffentlich besseres Leben.


Bewertung. 8 von 10 Punkten. 

Die Todesschlucht von Laramie (Dakota Incident)


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 Regie: Lewis R. Foster

In der Falle der Indianer...

Die Republic Pictures stellten nach dem 2. Weltkrieg vor allem Routinewestern her. Sie verstanden aber ihr Handwerk und konnten auch mit wenig Budget gute und unterhaltsame Filme abliefern. Diese Streifen hatten auch an der Kinokasse guten Erfolg dank einem treuen Stammpublikum. "Die Todesschlucht von Laramie" ist einer dieser Western und wurde 1956 von Lewis R. Foster inszeniert. Ein Hollywood Veteran, der über 75 Drehbücher schrieb und in ca. 60 Filme auch Regie führte. Für seine Originalstory zu "Mr. Smith geht nach Washington" wurde er 1940 sogar zum gefeierten Oscargewinner. Für George Stevens Komödie "Immer mehr, immer fröhlicher" wurde er ein zweites Mal für den begehrtesten Filmpreis der Welt nominiert.
Seine Regiearbeiten sind heute weniger bekannt. "Dakota Incident" - so der Originaltitel von "Die Todesschlucht von Laramie" brachte aber ein gutes Einspielergebnis. Als Hauptdarsteller wurden Dale Robertson und die schöne Linda Darnell verpflichtet. Ursprünglich sollte Anne Baxter ihren Part spielen, aber die war verhindert. In Deutschland kam der Film am 14. Juni 1957 in die Kinos, die Werbung sprach von entfesselten Leidenschaften in gesetzloser Wildnis".
Und es braucht nicht viel um ein lebensgefährliches Szenario zu schaffen: Ein Bankräuber, ein friedensliebender Senator, ein attraktive und selbstbewusste Lady, dazu ein Verfolger des Bankräubers und eine Horde Indianer auf dem Kriegspfad.
Lewis R. Foster setzt dabei auf zwei unterschiedliche Handlungsorte: Zum einen eine Postkutsche auf dem Weg nach Laramie und zum zweiten eine wasserlose Schlucht inmitten kahler Felsen. Bei zweiter Location wird der Westernfan natürlich an John Sturges meisterhaften "Verrat in Fort Bravo" erinnert, der vielleicht für die Macher bei Republic als Inspiration diente. Die hoffnungslose Lage ist in beiden Filmen gleich.
Dabei ist John Banner (Dale Robertson) ein Bankräüber, denn er hat gemeinsam mit seinem Bruder Frank (Skip Homeier) und Rick Largo (John Doucette) die Bank um viel Geld erleichtert. Doch der Verdacht fiel auf den Bankangestellten Carter Hamilton (John Lund). Der jagt nun das Trio um seine Unschuld zu beweisen. Aber zuerst hat das Trio selbst untereinander soviel Stress, dass John von den beiden anderen ausgetrickst wird und ohne Pferde in der Wüste zurückgelassen wird. Der gibt aber nicht auf und stellt seine beiden Kumpane in der nächsten Stadt. Dabei verjagt er seinen verkommenen jüngeren Bruder und erschießt den brutalen Rick Largo. Mit dem Geld wird er nun Mitglied einer buntgemischten Reisegesellschaft, die in einer Postkutsche nach Laramie will. Die Sängerin Amy Clark (Linda Darnell), Senator Blakely (Ward Bond) - ein Mann des Friedens, der zwischen Rot und Weiß vermitteln will, Goldspekulant Mark Chester (Whit Bisell) und Minstrel (Regis Toomey), der musikalische Begleiter der selbstbewussten Amy. Sie müssen durchs Indianergebiet und bald haben sie eine Panne, so sind sie gezwungen in einer Schlucht in der Felsenlandschaft Dakotas Schutz zu suchen. Denn draußen lauern die Indianer und die wollen keine Gefangenen machen...

Am Ende setzt sich dann doch noch die Friedensbotschaft des Senators durch, doch vorher gab es ganz viel Tote. Aber ein Republic Western lebt auch vom Happy End und so will es das Drehbuch, dass die Sängerin und Bardame gemeinsam mit dem muskulösen Bankräüber ihre Zähigkeit unter Beweis stellen und auch ihre frisch empfundene Liebe zueinander.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.


Die Mestizin von Santa Fe (Santa Fe Passage)


Regie: William Witney

Liebe und Hass...

In einem Interview mit der New York Times erzählte der Kultregisseur Quentin Tarantino, dass der Routinier William Witney zu seinen Lieblingsregisseuren gehört, vor allem der 1949 gedrehte "The Golden Stallion" zählt Tarantino zu seinen Westernfavoriten. William Witney drehte im Laufe seiner Karriere über 100 B-Pictures, einige wie "Aufstand in Arizona" oder Goldtransport durch Arizona" mit Audie Murphy. Sehr hohen Stellenwert bei Westernfans haben auch "Brandmal der Rache" und der eher ungewöhnliche Indianerfilm "Die Mestizin von Santa Fe", den er im Jahr 1955 drehte.
Dabei spielt John Payne den Indianerhasser Kirby Randolph. Sein Hass basiert allerdings auf Erfahrungswerte mit dem wilden Kiowa Häuptling Satank (George Kaymas). Dieser hat ein Massaker an einem Siedlertreck angerichtet, bei dem Randolph als erfahrener Pfadfinder die Verantwortung für den sicheren Geleit übernommen hatte. Mit dabei ist sein Kumpel Sam Beekman (Slim Pickens), dem die erste szene gehört. Zwei Reiter jagen durch die Prärie, der Verfolgte ist ein Indianer. Der wird von Sam gefangengenommen, er spuckt die Rothaut verächtlich ins Gesicht und würde nur zu gerne kurzen Prozess machen, doch der besonnene Kirby hält ihn davon ab und lässt den Indianer laufen. Mit dieser Geste will er dem Stamm der Kiowa beweisen, dass sie freundliche Absichten haben und hofft so, dass der Treck unbeschadet die Überquerung des Indianergebiets überlebt.
Als Kirby und Sam zu den Indianern reiten, um mit ihnen zu verhandeln haben sie Geschenke dabei. Gewehre und Alkohol. Die Indianer fordern die beiden Scouts mit ihnen zu trinken und bald sind alle betrunken. Nur mühsam können sich die alkoholisierten Freunde davonschleichen und sind sich sicher, dass der Treck bereits in Sicherheit ist. Doch sie irren: Während dem Saufgelage hat der Rest des Stammes den Treck überfallen und alle Siedler getötet. Kirby ist nun ein geächteter Mann. Er findet wohl nie mehr eine Anstellung als Treckführer. Doch Jess Griswold (Rod Cameron) gibt ihm noch eine Chance. Er soll einen Treck begleiten, der eine Munitionssendung nach Mexiko liefern will. Ein gefährliches Unterfangen, wenn die Indianer herausfinden was für eine brisante Fracht hier transportiert wird. Kirby passt es auch nicht, dass die Indianerin Ptewaquin (Irene Tedrow) im Wagen der hübschen Aurelie St. Clair (Faith Domergue) mitfährt. Er traut keiner Rothaut mehr. Doch Miss St. Clair, die Verlobte von Griswold, besteht darauf, dass die Indianerin bleibt. Somit kann die Reise beginnen. Kirby verliebt sich in Griswolds Mädchen, weiß aber nicht, dass sie ein Mischling, eine Mestizin, ist...

Mit dieser Konstellation kann es los gehen und William Witneys straffe Inszenierung sorgt auch für eine gute Portion Spannung. Zudem ist die Geschichte gut gefüttert mit Themen wie "Rassismus" und "Rehablitation". Auch der Konflikt der beiden Konkurrenten um die Gunst der schönen Frau gehört zu den klassischen Westernstoffen. Dabei spielt Rod Cameron als Konkurrent des Filmhelden einen ehrbaren Mann, der auf das Gerede der Anderen nicht hört und dem ruinierten und gestrauchelten John Payne eine neue Chance gibt. Natürlich ist ein Wagentreck immer ein gutes Sujet für einen guten Western, man denkt an nahe filmische Verwandte wie "Karawane der Frauen", "Der große Treck", "Der Weg nach Westen" oder "Westlich St. Louis"
 
 Bewertung: 7,5 von 10 Punkten 

Der Galgen muss warten (Dragoon Wells Massacre)


Regie: Harold D. Schuster

Das Dragoon Wells Massaker...

Als Regisseur war Harold D. Schuster weniger bekannt. Er war zuvor Filmeditor und gleich seine erste Filmarbeit in diesem Bereich wurde zu einem Klassiker, denn er war Cutter bei Friedrich Wilhelm Murnaus "Sonnenaufgang - Lied von zwei Menschen" aus dem Jahr 1927, der bei Umfragen immer wieder unter die besten Filme aller Zeiten gewählt wird.
Der 1957 gedrehte Western "Dragon Wells Massacre" (deutscher Titel: Massaker/deutscher Alternativtitel: Der Galgen muss warten) zählt sicherlich zu seinen besten Regiearbeiten. Der Film nimmt Bezug auf die Vorgeschichte der eigentlichen Handlung. Denn das Blutbad von Dragon Wells geht in die Geschichte mit einem Sieg der Indianer ein. Die Konsequenz ist, dass Städte und Dörfer geräumt werden und ein Flüchtlingsstrom entsteht. Man will in den vielen Forts in der Umgebung Schutz und Hilfe suchen, doch es ist ein trügerischer Schutz. Eine Reihe von wichtigen Forts sind bereits niedergebrannt und von den Rothäuten umzingelt. Die Flüchtigen geraten in eine Falle, aus der es kein Entrinnen gibt.
So ist es nicht verwunderlich, dass in der Gegend um Dragon Wells ziemlich viel los ist. Ein Gefängniswagen unter der Leitung von Marshall Bill Hanley (Trevor Bardette) und seinen Hilfskräften Tom (Jon Shepodd) und Jud (Warren Douglas) ist unterwegs zum Gericht in Dragon Wells. Sie transportieren die Banditen Link Ferris (Barry Sullivan) und Tioga (Jack Elam), auf die ganz sicher der Galgen wartet. Zur gleichen Zeit ist auch der zwielichtige Händler Jonah McAdam (Sebastian Cabot) unterwegs, der bei einem Schlachtfeld vorbeikommt. Tote Soldaten liegen dort, aber es gibt einen Überlebenden. Captain Matt Riordan (Dennis O´Keefe) ist am Leben geblieben, weil er dem Indianerhäuptling Yellow Claw (John War Eagle) einmal das Leben rettete. Nun sind die beiden quitt. Er nötigt den Händler, dass dieser in mitnimmt in Richtung Fort, obwohl der eigentlich mit den Indianern Geschäfte machen wollte. Weniger Minuten später taucht auch noch eine Postkutsche mit Reisenden auf. Überrascht stellt der Captain fest, dass seine ehemalige Verlobte Ann Bradley (Mona Freeman) eine der Passagiere ist. Sie hat sich nun mit Philipp Scott (Casey Adams) einen neuen Favoriten in Sachen Liebe geangelt. Auch die mexikanische Sängerin Mara Fay (Katy Jurado) steigt aus der Kutsche. Gemeinsam ist man stärker und so beschließt die gut sortierte Reisegruppe zusammen zu bleiben. Denn beiden Banditen werden die Ketten gelöst, weil sie versprechen nicht zu türmen. Sehr schnell ist die Gruppe einem erneuten Angriff der Indianer ausgesetzt...


Und es gibt weitere Turbulenzen auf der Fahrt, die sich mehr und mehr als auswegslos erweist. Unterwegs gibts Opfer zu beklagen und die kleine Susan (Judy Strangers) gesellt sich zu der Gruppe, weil ihre Eltern grausam ermordet wurden. Auch deren Station, wo die Kutscher Pferde wechseln konnten, ist verwüstet. Immer mehr Rückschläge gibts zu vermelden. Selbst das Fort wurde überfallen und die Soldaten ermordet. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Indianer erneut zuschlagen. Es gibt wenig Hoffnung. Die Geschichte lässt sich aber genug Zeit, dass die Reisenden sich untereinander kennenlernen und es erweist sich hier, dass auch Banditen gute Eigenschaften haben können. Und durch die zwei selbstbewussten Frauen kommt auch das Flirten nicht zu kurz. Natürlich ist die Gruppe, die von A nach B kommen muss und unterwegs von Indianern angegriffen wird ein äusserst beliebtes Westernsujet. Mit Begeisterung erinnert man sich an den ähnlich konzipierten Delmer Daves Klassiker "Der letzte Wagen", der ein Jahr früher entstand. "Massaker" hat natürlich mit William H. Clothier als Kameramann beste Karten für ganz hervorragende Wildwest-Impressionen. Nur Zweimal war der großartige Kameramann für einen Oscar nominiert (Alamo und Cheyenne), aber er hat für viele weitere Westernklassiker (Der Siebente ist dran, Liberty Valance, Fort Dobbs, Der letzte Befehl, Gefährten des Todes, Comancheros, Die fünf Vogelfreien, Bandolero, Big Jake und und und) die optimale Optik geschaffen.
 

 Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.