Donnerstag, 2. September 2021

Der Siebente ist dran (Seven Men from Now)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Budd Boetticher 

B-Western in Perfektion....

John Wayne und Robert Fellows 'Produktionsfirma Batjac haben das Burt Kennedy-Drehbuch "Seven men from now" mit der Absicht gekauft, dass Superstar Wayne dIe Hauptfigur Ben Stride zu spielt. Es war Kennedys erstes Drehbuch. Wayne war jedoch fest entschlossen "The Searchers" mit seinem bevorzugten Regisseur John Ford zu machen. Laut Kennedy interessierte sich Wayne nicht besonders für das Drehbuch, bis er bemerkte, dass Robert Mitchums Vertreter daran interessiert waren. Zu diesem Zeitpunkt schlug Wayne vor, zu Warners zu gehen und das Projekt mit Randolph Scott zu besetzen. Scott bestand auf Budd Boetticher als Regisseur. Es wurde der erste von insgesamt 7 Western, die die beiden gemeinsam realsierten. Die meisten der Drehbücher wurden von Burt Kennedy geschrieben und mindestens diese fünf dieser sieben B-Western sind heute unvergessene Genreklassiker. Einige davon strahlen immer noch eine unvergleichliche Kinomagie aus. Auch der Erstling "Der Siebente ist dran", der in den letzten Monaten des Jahres 1955 in den Alabama Hills gedreht wurde.
Budd Boetticher, der in den 50s zahlreiche B-Pictures, vor allem Western drehte, wurde irgendwann Ende der 70er zum Kultregiesseur erkoren, erheblichen Anteil an diesem Status hatten vor allem angesehene französische Filmkritiker, allen voran Andre Bazin, geistiger Vater der Nouvelle Vague, der den Film "Der Siebente ist dran" als den intelligentesten aller Western bezeichnet hat. Intelligent, weil nicht intellektuell. Nichts wird hier ausgesprochen, aber alles ist klar.
Boetticher selbst war in den 50er Meister im schnellen Herunterkurbeln seiner Filme: 2-3 Wochen Drehzeit der Western an den üblichen Locations, die Movies waren kurz (ca. 75 Minuten) und vor allem kurzweilig (gefühlte 50 Minuten lang).
Randolph Scott, der Hauptdarsteller...ein gealterter Westernheld, zynisch, desillusioniert, verhärtet...ein tragischer, einsamer Held.
Die einfache, linear strukturierte Story mit klaren Konflikt, denn Ben Stride will  Rache für den Mord an seiner Frau üben. Dazu sucht er die 7 Banditen, die die Wells Fargo Postkustschenstation überfielen. Bei diesem Überfall wurde die dort arbeitende Angestellte ermordet: Seine Frau. Er wird zum Jäger. In der ersten Szene, die in der Nacht und bei Regen spielt, hat er bereits zwei der Halunken aufgespürt und wird sie zur Rechenschaft ziehen. Unterwegs schliesst er sich dem Siedler John Greer (Walter Reed) und dessen Frau Annie (Gail Russell) an, die in einem Planwagen Richtung Kalifornien unterwegs sind. Er ist ihnen behilflich, denn John ist ein Stadtmensch und in Sachen Wilder Westen ein echtes Greehorn. Vorher muss Greer aber noch in dem kleinen Kaff Flora Vista eine Fracht abliefern. Ben Stride muss auch dorthin, denn die Spur der restlichen fünf Banditen führt in die Kleinstadt. Unterwegs treffen sie auf den grobschlächtigen Bill Masters (Lee Marvin) und dessen Kumpanen Clete (Don Berry) . Zwischen den Männern entsteht sehr schnell eine Rivalität um die einzige Frau. Vor allem Masters macht auf Alpha-Männchen. Interessanterweise fühlt sich Annie ein bisschen zu dem älteren Ben Stride hingezogen. Am Ende steht dann wie immer der Showdown....


Für einen Film aus den 50er Jahren ist der Transfer auf DVD extrem gut geglückt, herrliche satte Farben...so macht der Film natürlich doppelt soviel Vergnügen. Wie Anthony Mann, John Ford, Howard Hawks oder John Ford liebt und versteht auch der B-Filmer Budd Boetticher seine Helden. Er hebt sie auch etwas in den Himmel und benutzt dabei Bilder, die man für ihre Reinheit und Einfachheit einfach nur bewundern kann. Der Regisseur treibt die Versatzstücke des Genres zur Perfektion. Alles ist schnörkellos und geradlinig. Aber gerade dies macht den Film so gut. Irgendwie hat man das Gefühl klassisches Theater zu sehen, nur mit dem Unterschied, dass sich alles in der Natur, in der Wüste, zwischen den Felsen abspielt.

Bewertung: 9 von 10 Punkten.


Der letzte Suchtrupp (The Last Posse)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Alfred L. Werker

Was draußen wirklich geschah...

Alfred R. Werkers B-Western "Der letzte Suchtrupp" heißt im Original "The last posse" (Posse ist ein Slangausdruck und bedeutet Gruppe) und wurde 1953 inszeniert. Dabei konnte der Oscargewinner Broderick Crawford als Hauptdarsteller verpflichtet werden - er erhielt den Oscar als bester Schauspieler für seine Rolle in "All the Presidents Men" am 23. März 1950. Als er kurze Zeit später bei Columbia einen Vertrag unterschrieb, wurde er in einigen Western eingesetzt - darunter auch als alkoholkranker Sheriff in "Der letzte Suchtrupp".
Ein B-Western, der in drei verschiedenen Rückblenden erzählt wird, ist schon ziemlich selten und zeigt schon durch diese interessante Drehbuch-Struktur eine hohe Bereitschaft einen komplexen Western anzubieten. Geschrieben wurde dieses Drehbuch von Seymour und Connie Lee Bennett sowie Kenneth Gamey geschrieben. Genau wie Glücksgriff Broderick Crawford ist auch der Kameramann Burnett Guffey, der ein Jahr später für "Verdammt in alle Ewigkeit" bereits den ersten von zwei Oscars bekam. 1967 durfte er den zweiten Academy Award mit nach Hause nehmen - das Gangsterpaar "Bonnie und Clyde" machte es möglich.
Die Geschichte spielt in Roswell, kurz nach der Rückkehr einer Verfolgergruppe mit Sheriff John Frazier (Broderick Crawford) und dem wohlhabende Rancher Sampson Drune (Charles Bickford) an der Spitze. Der alkoholkranke Sheriff hat schon bessere Tage gesehen und wurde bei dem Schußwechsel mit der Familie Romer (Skip Homeier, James Bell und Guy Wilkerson) schwer verletzt. Vielleicht wird er nicht durchkommen. Aber die drei Räuber, die Drune 105.000 Dollar gestohlen haben, sind ebenfalls tot. Auch Drune selbst wurde erschossen. Die restlichen fünf Teilnehmer des Suchtrupps berichten, dass das Geld unauffindbar war. Vielleicht haben es die Romers, die durch die Geschäftspraktiken des brutal agierenden Viehbaron Drune finanziell ruiniert wurden, irgendwo in der Wüste vergraben. Man wird das Geld vielleicht nicht wieder finden. Jed Clayton (John Derek), der Ziehsohn von Drune ist aber wie alle anderen Heimkehrer merkwürdig verändert, zumindest findet das seine Freundin Deborah (Wanda Hendrix). Doch er wird nun ein reicher Mann sein, da er als Alleinerbe eingesetzt ist. Ist aber alles so geschehen wie die fünf Heimkehrer berichten. Grund genug für den Regisseur Alfred L. Werker den Zuschauer an die Wahrheit heranzuführen....heranzuführen....



Als Sheriff, dessen ruhmreiche Zeiten vorbei sind, liefert Crawford eine hervorragende Leistung. Das Ende stimmt nachdenklich und doch haben wir es mit einem aussergewöhnlichen Plot zu tun. Der B-Western Star Henry Hull ist ebenfalls in einer Nebenrolle zu sehen und John Derek als Ziehsohn passt gut als Co-Star zum älteren Crawford. Die beiden spielten mehrmals in Filmen zusammen. Charles Bickford hat in "Der letzte Suchtrupp" eine ähnliche Rolle wie ein paar Jahre später im bekannten William Wyler Western "Weites Land" als Major Henry Terrill. Insgesamt wurde Bickford dreimal als bester Nebendarsteller (Schweigende Lippen, Lied von Bernadette und Die Farmerstochter) für einen Oscar nominiert.


 Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Mittwoch, 1. September 2021

In Acht und Bann (At Gunpoint)


Regie: Alfred L. Werker

Ein Mann allein...

"At Gunpoint" aus dem Jahr 1955 ist ein Western von Alfred L. Werker und ist eine Produkt der Allied Artists. In Deutschland ist der Film unter dem Titel "In Acht und Bann" bekannt und kann als eine Art Antagonist zu Fred Zinnemanns düsterem Weltklassewestern "High Noon" angesehen werden. Dabei ähneln sich die Ausgangslagen für den Bürger eines friedlichen Westernstädtchens, aber das Ende weicht stark ab. Filmfans werden sich an das bittere Ende von Zinnemanns Film erinnern. Dort kommen nach dem Sieg von Exmarshall Will Kane die Bürger von Hadleyville auf die Straße, nachdem sie sich vorher versteckt hatten und Kane alleine ließen. Verächtlich wirft der Mann dann seinen Marshallstern zu Boden und verlässt mit seiner Amy die Stadt und die feigen Bürger. Wird der Kaufmann Jack Wright, der vor einer ähnlichen Aufgabe wie Marshall Kane stehen wird, auch im Stich gelassen ?
Diese Frage wird in Werkers interessantem Western am Ende beantwortet und beschert dem großen Walter Brennan noch die beste Szene des ganzen Films. Eine Szene mit "Wow" Effekt. Walter Brennan spielt den Doc des Städtchens Plainview und mit Dorothy Malone als Martha, Frau des Kaufmanns Jack Wright, ist neben Brennan noch ein weiterer Oscargewinner in dem Film zu sehen. Ursprünglich sollte Joel McCrea die Hauptrolle spielen, doch dies ließ sich nicht verwirklichen, so bekam der Charakterdarsteller Fred MacMurray den Zuschlag. Westernfans werden auch den kleinen Tommy Rettig wiedererkennen, er spielte neben Marilyn Monroe und Robert Mitchum im "Fluß ohne Wiederkehr" mit. Auch Skip Homeier macht wie immer eine gute Figur, diesmal als fieser Bandit Bob Dennis, der seinen getöteten Bruder rächen will.
Der Film beginnt damit, dass die Brüder Alvin (John Pickard) und Bob Dennis (Skip Homeier) mit ihrer Bande am hellichten Tag der friedlichen Stadt Plainview einen Besuch abstatten. Sie wollen die Bank ausrauben, weil sie glauben, dass dort keine besonders große Gegenwehr zu erwarten ist. Ausserdem ist der Kleinstadtsheriff Pete MacKay (Harry Shannon) bereits in einem etwas betagten Alter und spielt lieber Schach mit dem ortsansässigen Doctor Lacy (Walter Brennan) im Gemischwarenladen von Krämer Jack Wright (Fred MacMurry). Der lebt im Städtchen glücklich mit seiner Frau Martha (Dorothy Malone), dem kleinen Sohn Billy (Tommy Rettig) und Marthas Bruder Wally (James O´Hara). Der Bankraub wird aber doch schwieriger als geplant, dabei wird der Kassierer erschossen und auf der Straße findet auch Sheriff MacKay den Tod. Immerhin kann Joe Wright, der noch nie eine Waffe in der Hand hatte, eine Pistole nehmen und einen Schuß in Richtung der Banditen abgeben. Zufällig ist dies ein Volltreffer. Aus weiter Ferne verletzt er dabei den fliehenden Alvin auf seinem Pferd. Den zweiten Schuß gibt George Henderson (Frank Ferguson), ein anderer Bürger ab - dieser verletzt den Schurken tödlich. Die anderen Banditen entkommen. Im Stadt werden die beiden Schützen als Helden gefeiert. Das geht sogar so weit, dass man Henderson zum neuen Marshall der Stadt wählt. Doch dessen Ruhm dauert nicht lange an. Die Banditen lauern ihm nach der Feier im Saloon auf und bringen den Mann brutal um. Nun muss auch Jack um sein leben fürchten. Werden dem ungeübten Schützen die anderen Bürger (u.a. Whit Bissell, John Qualen, Irving Bacon) auch zur Seite stehen, wenn es darauf ankommt ?

Am Ende steht der friedfertige Kaufmann zuest mal der ganzen Bande alleine gegenüber. Hat er aber vielleicht seine Mitbewohner überzeugen können, dass sie die Angst überwinden müssen, um dann gemeinsam dem Terror ein Ende zu setzen. Oder wird er auf offener Straße vom rachsüchtigen Banditen ermordet ?. Wie in "High Noon" eine interessante Konstellation und da es im Western einige Gegendarstellungen zu Zinnemanns bitterer Analyse gibt - die bekannteste dürfte "Rio Bravo" von Hawks sein - waren viele Amerikaner mit dem Ende von "High Noon" alles andere als zufrieden. Sollen gute Bürger etwa feige Angsthasen sein, die lieber einen ihrer Mitte opfern als ihm tatenreich zur Hilfe zu kommen. Wenn "High Noon" zu hoffnungslos ist und "Rio Bravo" vielleicht zu ausgelassen, dann könnte man Werkers guten Western "In Acht und Bann" als eine Art Mittelding bezeichnen. Die Leute in der Stadt Plainview sind auch ängstlich und wollen die Banditen nicht verärgern, doch schließlich hat der Mensch auch eine Art Gewissen und die Möglichkeit seine Haltung zu überdenken. Aus genau diesem Grund ist Fred MacMurray noch nicht verloren.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Schieß oder stirb (A Gun for a Coward)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Abner Biberman

Sensibler Cowboy in der Krise...

Ein beliebtes Westernthema wird in Abner Bibermans 1957 entstandenem "Schieß oder stirb" (Original: Gun for a Coward) aufgenommen. Die Geschichte vom Pazifisten, der sich irgendwann die Frage stellen muss, ob es nicht besser wäre die friedvolle und auf Harmonie bedachte Position zu wechseln und sich der Konfrontation zu stellen. Dieses Thema war in Fred Zinnemanns "High Noon" vorhanden, etwa in der Szene als Will Kane mit seiner hübschen jungen Braut Amy in der Kutsche aus der Stadt fährt, nur um dem drohenden Duell mit Frank Miller aus dem Weg zu gehen. Auch in Henry Hathaways "Schieß zurück, Cowboy" muss der unschuldige Don Murray flüchten, um einzusehen, dass er den Kampf führen muss. In "Schieß oder Stirb" wird die Geschichte von drei sehr ungleichen Brüdern erzählt. Will Keough (Fred MacMurray) ist der Älteste und musste seit dem frühen Tod des Vaters, der von einer Schlange gebissen wurde, die Rolle des Herrn im Haus übernehmen. Auf ihm als Ältesten lastete schon von Beginn an die größte Verantwortung. Bless (Jeffrey Hunter) ist der Zweitälteste und der Liebling seiner Mutter (Josephine Hutchinson), die ihn ganz anders erzogen hat als den Erstgeborenen. Bless gibt sich auch immer noch die Schuld, dass er als siebenjähriger Junge seinem Vater bei dem tödlichen Unglück nicht helfen konnte. Als nun erwachsener Mann ist er fast zu sensibel und friedliebend, er geht dem Streit immer aus dem Weg und wird von seiner Mutter stets vor allen Gefahren zurückgehalten. Interessanterweise ist der jüngste Sohn Harry (Dean Stockwell) ein extremer Draufgänger und wird von der Mutter fast ignoriert. Die Mutter will die Ranch mit Bless verlassen, doch Bless liebt das Landleben und die Pferde. Bringt es aber nicht fertig seiner Mutter die Wahrheit zu sagen und geht vage auf das Angebot ein. Er behält auch für sich, dass er seit längerer Zeit schon in Audry (Janice Rule) verliebt hat, obwohl die schon als sichere zukünftige Braut für den großen Bruder Will gilt. Auch Audry hegt immer stärkere Gefühle für den friedlichen Bless....


Dabei sieht die Geschichte vor, dass sich die Konflikte während eines Viehtriebs nach Abilene dramatisch verschärfen und zuspitzen. Mehr als einmal wird dem besonnenen Bless Feigheit vorgeworfen, obwohl er verhindert, dass sein jüngerer Bruder sich im Saloon völlig sinnlos mit einem anderen Mann duelliiert. Für diese Feigheit vor dem Feind wird er dann auch noch von dem draufgängerischen Bruder während des Schlafes mit einer gefälschten Klapperschlange erschreckt und gepeinigt. Es kommt zu einem dramatischen Unglück. Und wieder einmal ist Bless der Schuldige, der dann auch noch von Nachbar Stringer (John Larche) herausgefordert wird.
Dieser eher unbekanntere Westernbeitrag ist auch ein Familiendrama im Westerngewand und zeigt typische Ranchszenen wie das Zureiten eines Wilden Pferdes sowie ein Viehtrieb in die größere Stadt mit einer Stampede. Dabei wird durch den eher ruhigen Bless auch einmal kritisch das Männlichkeitsbild des Western beleuchtet. Nicht jeder ist gleich ein Feigling, wenn er eine Schlägerei oder Schießerei durch Besonnenheit verhindert oder dem Streit aus dem Weg geht. Am Ende muss er aber - man hat es sich schon gedacht - doch seinen Mann stehen. Möglicherweise ist "Schieß oder stirb" am Ende doch zu unspektakulär um als echter Klassiker des Genres zu bestehen, aber ein unterhaltsamer und guter Western ist er allemal. Dies liegt vor allem daran, dass die Schauspieler allesamt tolle Darstellungen abliefern. Allen voran Jeffrey Hunter, der sehr glaubwürdig in seiner Rolle ist und durch seine Rolle als Martin Pawley in "The Searchers" unvergessen bleibt. Auch Fred MacMurray als großer Bruder, der immer für die Familie lebte und sich selbst mit seinen Bedürfnissen etwas vernachlässigte, liefert eine gute Performance als arbeitsamer Rancher. Dean Stockwell (Der Zwang zum Bösen) rundet das gelungene Brüdertrio bestens ab. Als gute Seele der Ranch ist Westernlegende Chill Wills zu sehen.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Die Meute lauert überall (Raw Edge)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie.  John Sherwood

Freiwild Frau...

"Raw Edge" ist ein Western aus dem Jahr 1956, der in Deutschland unter dem Titel "Die Meute lauert überall" im Kino lief.
Regie führte John Sherwood, der bereits 1959 starb und danach nur noch zwei Science Fiction Filme drehte: Im gleichen Jahr "Das Ungeheuer unter uns" und danach "Das Geheimnis des steinernen Monsters". Tatsächlich hat sein Westerndebüt aber in all den Jahren unter den Fans einen gewissen Kultstatus erlangt. Es liegt wahrscheinlich an der ungewöhnlichen, sehr frauenfeindlichen Geschichte, die hier erzählt wird. Denn die Meute, die überall lauert sind hier die Männer und die Frauen werden hemmungslos zu Gejagten. Die Geschichte spielt in der Zeit um 1842 im noch wilden und unberührten Gebiet von Oregon. Dort herrscht das Gesetz des Stärkeren und der Stärkste ist der Rancher Gerald Montgomery (Herbert Rudley), dessen Gesetze herrschen, auch wenn sie noch so absurd erscheinen. Ausser seinem Grundsatz "Zuerst ich, dann die anderen" hat er auch ein Gesetz eingeführt, das besagt, eine Frau gehört jenem Mann, der sie sich als Erster nimmt. Wenn dieser Mann stirbt, dann darf um die Witwe gekämpft werden. Die hat dann den Kerl zu nehmen, der siegreich war. Scheinbar hat Montgomery so auch seine attraktive Frau Hannah (Yvonne deCarlo) erobert". Und tatsächlich scheint Mrs. Montomgery der Reichtum und die Macht ihres Mannes zu gefallen. Der juge Dan Kirby (John Gavin) lehnt sich allerdings gegen diese ungerechte Alleinherrschaft auf. Er ist mit der Indianerin Paca (Mara Corday) verheiratet. Eines Tages versucht ein Unbekannter Hannah Montgomery in einem Pferdestall zu vergewaltigen. Sie kann sich mit Bissen wehren und schlägt den Angreifer in die Flucht. Der unbekannte Mann hat damit aber sein Todesurteil gesprochen. Montgomery will dass der Täter baumelt. Tatächlich wird durch die Falschaussage von Montgomerys Handlanger Tarp Penny (Neville Brand) Dan Kirby als "Täter" auserkoren und wird ohne Prozess gelyncht. Damit ist seine indianische Frau zum Freiwild erklärt. Sie wird wohl oder übel dem Stärksten (Robert J. Wilke) zugesprochen. Zum Glück kommt aber Dan Kirbys älterer Bruder Tex (Rory Calhoun) in diese Gegend - er findet seinen Bruder, der am Baum hängt. Tex ist ein Revolverheld und kennt das Gesetz der Rache. Auch Dans Witwe hat Rachegefühle, muss sich aber vorerst dem Gesetz unterordnen und ihrem neuen Ehemann treu zur Seite stehen. Die Indianer haben inzwischen auch das Kriegsbeil ausgegraben und Tex macht Bekanntschaft mit Montgomerys schöner Frau. Sie spielt zwar die Kühle, doch der Zuschauer bemerkt sehr wohl, dass ihr der Fremde besser zu gefallen scheint als ihr nerviger Ehemann. Inzwischen hat auch Handlanger Tarp mit seinem Vater Pop Penny (Emile Meyer) einen Plan erdacht. Die beiden wollen Montgomery töten, denn laut Gesetz fällt dann dessen Besitz und die Frau dem stärksten Mann zu....

Ein Film mit einer ganzen Riege von Schurken. Erst ein Revolverheld muss kommen, um diese Gegend von den perversen Gesetzes zu befreien. Rory Calhoun gefällt in dieser coolen und lässigen Rolle - mit schwarzer Haartolle und verkniffenen Blick bekommt er auch am Ende die Herzdame. Yvonne de Carlo war in den 50er Jahren sicherlich eine der begehrtesten B-Movie Stars und spielt auch hier ihr Image mit dem leicht verruchten Sexappeal aus. Kameramann Maury Gertsmann hat hier nicht nur die Landschaftsaufnahmen sehr effektiv eingefangen. Gefahren lauern überall...im Pferdestall, im eigenen Heim, am reißenden Bach, im Wasserfall. Eine Schlüsselrolle in der Geschichte bekam Rex Reason als junger Spieler, bei dem der Zuschauer über seine Motive und Rolle in dem Gewaltszenario im Dunkel bleibt. 

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

 

Einer gibt nicht auf (Comanche Station)



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Budd Boetticher

Im Komantschenland...

Budd Boettichers bekanntesten Filme sind diese sieben kurzweiligen und minimalistischen Western, in denen Randolph Scott die Hauptrolle des einsamen Westerners spielte. Von drei dieser Filme (Auf eigene Faust, Der Siebente ist dran, Um Kopf und Kragen) gab es bisher eine deutsche DVD-Veröffentlichung, nun kommt als 4. Veröffentlichung der 1960 inszenierte "Comanche Station" (Deutscher Titel: Einer gibt nicht auf) dazu. Vielleicht mit einer leisen Hoffnung, dass die drei restlichen Filme vom "Ranown Zyklus" (Fahrkarte ins Jenseits, Sein Colt war schneller, Das Messer an der Kehle) ebenfalls hierzulande noch DVD Premiere feiern dürfen. "Comanche Station" ist der würdige Abschluß dieser Reihe und ist im Grund ähnlich aufgebaut wie die anderen Filme. Randolph Scott reitet einsam und allein durch den Wilden Westen, er ist gezeichnet von einem Schicksalschlag und zelebriert seine allegorische Odyssee durchs weite Land. In dieser noch unerschlossenen Wildnis lernt er Menschen kennen, in der Regel ist immer eine Frau dabei, die es zu beschützen gilt - aber auch einige Mitspieler, die nicht immer nur Gutes im Sinn haben. Die Figuren in Boettichers Western reden nicht so viel und legen auch nicht gleich alle Karten auf den Tisch. Dies macht diese kleinen Genreperlen auch zunehmend interessant.
Gedreht wurde im üppigen Cinemascope und in Eastman Color, am Fuße des Mount Whitney. Überhaupt dominieren die Berge als Kulisse.
Dort hält sich der Einzelgänger Jefferson Cody im Komanchengebiet auf. Er gilt als Comanchero, da er immer wieder Weiße aus der Gewalt der Rothäute freikauft. In Wahrheit sucht er sein 10 Jahren nach seiner verschleppten Frau. In einem abgelegenen Indianerdorf findet er eine weiße Frau, die sich als Mrs. Lowe (Nancy Gates) herausstellt. Deren Mann hat 5.000 Dollar demjenigen geboten, der seine Frau wieder zurückbringt. Zusammen mit Mrs. Lowe macht er sich auf nach Lordsburg, wo die Familie lebt. Unterwegs machen sie Halt in der Comanche Station, wo sie auf die Banditen Ben Lane (Claude Atkins), Frank (Richard Rust) und Dobie (Skip Homeier) trifft, die von den Indianern verfolgt werden. Jefferson Cody hat keine gute Meinung von Ben Lane, den er von früher kennt. Und tatsächlich hat Ben auch fiese Pläne. Er will selbst das Geld für die Belohnung einstecken. Noch dazu weil wohl der Ehemann keinen Unterschied ob "Tot oder lebendig" bei der Herbeischaffung seiner vermissten Frau macht. Die Konflikte sind vorprogrammiert, die Auseinandersetzung unausweichlich...

Alles ist wie gewohnt sehr minimalistisch, aber aus einem Guß gemacht. Der kleine Western begeistert auch durch die Ambivalenz seiner Figuren. Es gibt da keine Schwarz-Weiß Malerei in der Figurenzeichnung, alle Protagonisten wirken durch ihre Stärken und Schwächen sehr authentisch. Am Ende aber steht wieder der "Lonesome Rider".

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

 

Auf der Kugel stand kein Name (No Name on the Bullet)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Jack Arnold

Comes a horseman...

Der einsame Reiter und Revolverheld ist eine bekannte Figur aus vielen Western. In Jack Arnolds Western "Auf der Kugel stand kein Name" verkörpert Audie Murphy einen sehr düsteren Einzelgänger, eine Art negative Variante zum Helden "Shane".
John Gabe (Audie Murphy) reitet auf eine Farm zu. Die Farmersleute blicken den Reiter mit dem emotionslosen Blick und Milchgesicht mißtrauisch an. Sie nehmen sofort wahr, dass er nichts Gutes im Schilde führt. Der Fremde fragt nach dem Weg nach Lordsburg.
Dort fällt der Fremde zuerst nicht weiter auf, als er aber seinen Namen bei der Zimmerbuchung im Hotel sagt, verändert sich alles schlagartig.
Ist dieser Fremde tatsächlich der berüchtigte John Gabe ? Ein Revolverheld, der für seine Auftraggeber Menschen töten. Und zwar so geschickt, dass er nie verhaftet werden kann. Seine Masche: Er bucht ein Zimmer im Saloon, wartet ab und irgendwann provoziert er das Opfer so, dass dieser in Rage den Colt zuerst zieht.
Aus "Notwehr" erschließt der Killer dann seinen Rivalen, verschwindet dann wieder und kassiert sein Blutgeld.
Doch dieser John Gabe hat auch nette Seiten. Zumindest sieht dies der junge Arzt Dr. Luke Canfield (Charles Drake) so. Dieser steht kurz vor der Heirat mit Anne Benson (Joan Evans), der Tochter des totkranken Richters der Stadt (Edgar Stehli). Doch er ist so ziemlich der Einzige, der sympathische Facetten des Revolverhelden entdeckt. Diese Einsicht gewinnt er vor allem beim gemeinsamen Schachspiel.
Viele andere Bürger des Ortes spekulieren, wer wohl auf der Aschlussliste des Fremden steht und da es gar einige Bürger gibt, die Dreck am Stecken haben, wird die Stimmung in Lordsburg immer aggressiver. Jeder fürchtet um sein Leben und dies bewirkt weitere Dynamiken..


Jack Arnolds Western sind lange nicht so bekannt wie seine Ausflüge ins Horror- und Science Fiction Genre. Dort hat er Klassiker wie "Tarantula", "Die unglaubliche Geschichte des Mr. C, "Der Schrecken schleicht durch die Nacht" oder "Der Schrecken vom Amazonas" geschaffen. Seine Ausflüge ins Westerngenre sind weniger bekannt, aber mit "Auf der Kugel stand kein Name" hat er einen äusserst interessanten und wichtigen Genrebeitrag abgeliefert, der zwar schnörkellos, aber nicht ohne Tiefe, konzipiert wurde.
Hauptdarsteller Audie Murphy, im 2. Weltkrieg der am meisten dekorierteste US-Soldat, der 1971 bei einem Flugzeugabsturz tragisch ums Leben kam, hat eine äusserst interessante Biographie.
Um in den Krieg zu ziehen, fälscht der 1926 geborene texanische Farmerssohn seine Geburtsurkunde und macht sich dadurch 2 Jahre älter, um vom Alter her auch in die Armee aufgenommen werden zu können.
Später litt Murphy unter chronischen posttraumatischen Störungen und er setzte sich sehr stark für die verwundeten Kriegsveteranen ein.
In den 50er Jahren stieg er zum großen Kinostar von B-Western auf. Murphy hatte eine riesige Fangemeinde und ist sozusagen ein Actionstar der ersten Stunde.
"Auf der Kugel stand kein Name" ist eine echte Empfehlung. Der Film, der auf das Verhalten des Menschen unter Angsteinfluss eingeht, denn fast hat man das Gefühl, dass Gant nur deshalb das Ziel des Auftrags nicht preisgibt, weil er sich amüsiert wie Verdächtigungen und Feindschaften offen ausbrechen. Er bleibt ruhig und erhaben und ist fasziniert an dem durch ihn und von ihm entstandenen Verhaltensexperimenent.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.